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Konzert-Bericht
 
Altbekannte Perfektion, neu entfachter Verve

Teenage Fanclub
Mondo Fumatore

Köln, Luxor
17.02.2017

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Teenage Fanclub
Es ist nun wahrlich keine leichte Übung für eine Band, den eigenen Qualitätsstandard fast 30 Jahre lang unverändert hochzuhalten. Eine der wenigen Gruppen, der das seit jeher offenbar spielend gelingt, sind Teenage Fanclub. Letztes Jahr im Gaesteliste.de-Interview war sich Norman Blake noch nicht sicher, ob sich das allenthalben wiedererwachte Interesse an der Musik der 90er-Jahre auch positiv auf seine Band niederschlagen würde. Beim ausgezeichneten Gastspiel der schottischen Tausendsassa im Kölner Luxor Mitte Februar konnte man allerdings schon das Gefühl haben, dass der Zeitgeist der Band derzeit in die Karten spielt. Anders als die Konzerte des Fanclubs an gleicher Stelle 1995 und 2005 hieß es dieses Mal ausverkauft, sogar schon im Vorverkauf! Doch auch wenn die drangvolle Enge in dem für volle Konzerte wirklich nicht geeigneten Südstadt-Club neu war, blieb musikalisch alles beim Alten - sehr zur Freude der zusammen mit der Band in die besten Jahre gekommenen Zuschauer, die wegen zeitlos schönem Gitarrenpop mit wärmenden Vocals und viel Futter für die Seele ins Luxor geströmt waren. Denn auch wenn die meisten sehr genau wissen, was sie erwartet: Was könnte es Schöneres geben, als eine Band zu erleben, die nur ein paar Armlängen entfernt in altbekannter Perfektion mit einigen der schönen Songs aller Zeiten direkt aufs Herz ihrer Anhänger zielt?
Für ihr aktuelles Album "Here" haben Teenage Fanclub zwar die besten Kritiken seit vielen Jahren eingeheimst und sogar vordere Plätze auf renommierten Endjahresbestenlisten des Jahres 2016 belegt, trotzdem schwang bei ihrem Auftritt in der Domstadt eine gehörige Portion Nostalgie mit. Früher veränderten Teenage Fanclub Leben, jetzt schwelgten sie gemeinsam mit ihren Anhängern in Erinnerungen an diese Zeit. Die meisten im Publikum kennen und mögen die neue Platte, gekommen aber waren sie wegen der Hits ihrer Jugend, den Songs aus "Bandwagonesque", aus "Grand Prix" und aus "Songs From Northern Britain", mit denen die Schotten in den 90ern die Messlatte für die Aufarbeitung des Erbes der 60er ganz hoch gelegt hatten. Dass die Musiker das wussten, belegte allein ein Blick auf die Setlist: Zu rund einem halben Dutzend Lieder aus dem aktuellen Album (wer nur alle fünf, sechs Jahre eine neue Platte macht, will sie schließlich auch verkaufen) gesellten sich sämtliche Highlights aus den 90ern, von den beiden "Here"-Vorgängerplatten gab es dagegen nur einen einzigen Song zu hören - der Fluch der "mittleren Jahre".

Trotzdem schaute man nach dem Konzert nur in stahlende Gesichter, und das aus gutem Grund. Denn auch wenn der Rahmen des Programms einigermaßen vorhersagbar war und das Grundgerüst inzwischen seit vielen Jahren wie in Stein gemeißelt scheint, ging die Band doch mit einem Verve und einer greifbaren Spielfreude zur Sache, die in den letzten Jahren nicht immer spürbar waren. Vielleicht lag es an der kleinen Bühne, auf der Norman Blake, Gerard Love, Raymond McGinley, Francis Macdonald und Dave McGowan kaum mehr Platz hatten als die Zuschauer davor, vielleicht aber auch daran, dass die neuen Songs dem klassischen Bandsound der fetten Jahre etwas näher kommen als die Lieder der vorangegangenen Platten "Man-Made" (2005) und "Shadows" (2010). Auf jeden Fall wirkten die Schotten dieses Mal viel stärker als Einheit, nachdem sie zuletzt bisweilen eher wie ein Zweckverband talentierter Individualisten rübergekommen waren, der sie nach fast 30 Jahren in nahezu unveränderter Besetzung - vier der fünf Musiker des aktuellen Line-ups waren schon beim 1989er-Debüt dabei - nun einmal sind.

Ganz sicher half es aber auch, dass sie die Reihenfolge der altbekannten Songs auf der Setlist durcheinandergewürfelt hatten. Andere Bands würden dafür töten, auch nur eine Hymne vom Kaliber "Start Again", "Radio" oder "I Don't Want Control Of You" zu haben, und würden sie ganz sicher für die Zugabe aufsparen, Teenage Fanclub allerdings konnten es sich leisten, mit diesen perfekten Songs die ersten 12 Minuten zu bestreiten - und die Großtat "Verisimilitude" folgte nicht viel später. Doch auch danach konnten sie die Energie mühelos aufrechterhalten, bis nach 60 Minuten voller ultra-eingängiger und dennoch nie zu offensichtlichter Melodien und zum Heulen schöner Harmoniestimmen Zeit war, auf die Zielgerade einzubiegen und das altbewährte Hitfeuerwerk mit "Your Love Is The Place Where I Come From", "Sparky's Dream", "The Concept", "Star Sign" und dem unverwüstlichen Rausschmeißer "Everything Flows" abzubrennen. Dazwischen lagen erfreulicherweise auch einige neue Nummern, die durchaus das Potenzial haben, sich mittelfristig einen Platz im Programm zu sichern, und nicht gleich wieder ausgetauscht werden: Blakes Power-Pop-Glanzlicht "I'm In Love" etwa, der perfekt für die Fanclub-Welt adaptierte Westcoast-Psych-Pop von Loves "Thin Air" und McGinleys hingetupftes "Hold On", das ihn einmal mehr als den Songwriter der Band mit dem eigenständigsten Stil definiert. Die Zuschauer sahen das offensichtlich ähnlich und reagierten auf die neuen Songs genauso euphorisch wie auf die alten Kracher.

Die Begeisterung des Publikums spiegelte sich auch auf der Bühne wider, speziell bei Norman Blake, der praktisch das ganze Konzert über ein Lächeln im Gesicht trug und bisweilen geradezu kindliche Freunde aufblitzen ließ. Blake war es auch, dem einmal mehr die Kommunikation vorbehalten blieb. So erinnerte er an den Auftritt auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Rose-Club ("Unser allererstes Konzert in Deutschland!"), dankte augenzwinkernd den Waschsalons in Köln, die die Band nachmittags besucht hatte, und lud das Publikum am Ende noch zum Feiern ein, "bis um 3.00 Uhr früh unser Bus weiterfährt!" Love kamen immerhin ein paar Thank yous über die Lippen, während McGinley selbst dafür zu schüchtern war. Seine Lippen formten zwar die Worte, aber obwohl er direkt vor dem Mikro stand, blieb sein Dank lautlos...

Zu diesem wirklich feinen Konzertabend hatten zuvor auch Mondo Fumatore als Supportact beigetragen. Seit Jahren gilt das Berliner Duo mit sechs Fäusten als eines der bestgehüteten Geheimnisse, in Wahrheit aber sind Mondo Fumatore schlicht und ergreifend eine der besten Bands der heimischen Indie-Szene, ganz besonders unter den englisch Singenden. Ähnlich wie bei Teenage Fanclub werden auch bei Gwendolin Tägert und Mondomarc (aktuell unterstützt von Endai Hüdl) die Pausen zwischen den Platten immer länger, trotzdem verfolgen sie auch nach mehr als 20 Jahren immer noch unbeirrt ihre Visionen weiter, haben sich aber seit ihren ersten Schritten als 90s-Indierock-Grenzgänger inzwischen stilistisch merklich geöffnet. In Köln schlugen sie mit lupenreinen Ohrwürmern wie "Where Are We Going?" von ihrem ganz ausgezeichneten aktuellen Album den Bogen zurück zu alten Höhepunkten à la "Yeah Yeah Yeah" und punkteten mit einem gesunden Maß an Kauzigkeit, einem untrüglichen Gespür für einprägsame Boy/Girl-Vocals und sichtbar viel Enthusiasmus. Wie schön, wenn sich Bands nach so vielen Jahren noch so für ihr Tun begeistern können wie Mondo Fumatore und Teenage Fanclub!

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Surfempfehlung:
www.teenagefanclub.com
facebook.com/teenagefanclub.music
www.mondofumatore.de
facebook.com/Mondo-Fumatore-192509057452155
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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