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Konzert-Bericht
 
Monsters Of Rock

Jon Auer
Sanford Arms

London, Upstairs At The Garage
02.02.2002
Jon Auer
Pattern 25 ist der Name eines kleinen Labels aus Seattle, Washington, und obwohl die Veröffentlichungen der Newcomer in Europa zumeist nur als Import erhältlich sind, fand in London jetzt so etwas wie eine inoffizielle Label-Night statt. Den Anfang machten Sanford Arms, die auf dem Weg über den großen Teich zweier Bandmitglieder verlustig gegangen waren. Das machte aber gar nichts, denn die minimalistischen Soundlandschaften, die das für diesen Auftritt zum Trio geschrumpfte Quintett in tödlicher Langsamkeit kreierte, verfehlten auch in der kleinen Besetzung mit Akustikgitarre, Baß und Akkordeon nicht ihre Wirkung. Weil die drei ihren Sinn für Leidenschaft und Melancholie mit einem guten Gespür für 60er-Jahre-Melodien verbanden, umschifften Sanford Arms - deren Debüt niedlicherweise "Too Late For The Snowman" betitelt ist - geschickt typische Slowrock-Klischees und erinnerten, gerade in der Dreier-Besetzung, eher an Uncle Tupelo zu "March 16-20, 1992"-Zeiten oder die ruhigeren Momente von Grant Lee Buffalo.
Jon Auer
Und dann kam Jon Auer. Da der Amerikaner, den die meisten wohl von seiner Band The Posies und seinem Engagement bei Big Star kennen dürften, außer dem Schlagzeuger Darius Minwalla eigentlich gar keine Musiker für seine Soloprojekte hat - er spielt im Studio in der Regel alle Instrumente selbst - hatte er für diese Show kurzerhand Dave Einmo und Clay Martin als Gitarrist/Keyboarder bzw. Bassist verpflichtet. Ganz nebenbei sind die zwei übrigens die Pattern-25-Chefs und Mitglieder einer weiteren Band des Labels, SushiRobo. "Herzlich willkommen zum Abschlußkonzert unserer Welttournee durch Spanien", begrüßte Auer das Publikum in London, auf die Tatsache anspielend, daß seine Tour außer 13 (!) Shows in Spanien nur noch diesen einen Auftritt in London umfaßte. Da Auers langerwartetes Solo-Debütalbum immer noch auf sich warten läßt, bestand das Set an diesem Abend leider auch "nur" aus Songs der EP "The Perfect Size" und dem Covers-Minialbum "6 1/2". Allerdings war das auch so ziemlich das einzig Enttäuschende der Show mit einer erstaunlich gut funktionierenden Mischung aus eigenen Songs und Fremdkompositionen.
Jon Auer
Gleich zu Beginn gab es eine Version von "Tears", bei der sich Songschreiber Mark Burgess ohne Zweifel gefragt hätte, warum er den Song mit den Chameleons eigentlich nicht mit so viel Power und Enthusiasmus hinbekommt und allerspätestens mit "The Perfect Size" konnte Auer auch die letzten Zweifler überzeugen, daß er ohne die Posies nicht nur die Hälfte wert ist, und ihn auch Ken Stringfellow nicht inzwischen als Songschreiber überholt hat. Denn so muß Rock N Roll sein: Energiegeladen, leidenschaftlich, ohrwurmig - und laut! Die Begeisterung der Band an diesem Abend war sogar so groß, daß Clay eine Baß-Saite riß - sehr zur Freude von Auer. "Ich hatte eigentlich sowieso zwischendurch ein paar Nummern alleine spielen wollen, aber mich nicht getraut, den Jungs das vorzuschlagen", meinte er grinsend und sorgte mit Guided By Voices' "Gold Star For Robot Boy" gleich für einen weiteren Höhepunkt. Der einzige Song des Abends, der nicht funktionierte, war ausgerechnet "Green Eyes" von Hüsker Dü. Auer versuchte zu krampfhaft, der Grant-Hart-Hymne neue Seiten abzugewinnen, was ihm aber bei diesem Stück im Gegensatz zu allen anderen Coverversionen nicht gelang. Mit der Akustik-Solo-Version auf "6 1/2" glückte ihm das noch wesentlich besser. Zwischendurch fand Jon sogar noch Zeit, seinen Kumpel Eugene Kelly (ja, den von den legendären Vaselines) von der Bühne aus anzurufen und per Handy zu bedauern, daß Eugene zwar in Spanien als Support mit dabei war, aber leider an diesem Abend nicht in London sein konnte. "Zum Trost" spielte er sogar den Vaselines-Klassiker "Jesus Don't Want Me For A Sunbeam" - während Eugene am Telefon zuhörte! Für die letzte Nummer des regulären Sets hatten sich die vier dann noch ein echtes Schmankerl aufgehoben: Madonnas "Beautiful Stranger". Im Gegensatz zur Studioversion von "6 1/2" hatte Auer allerdings an diesem Abend offenbar keinen großen Respekt mehr vor Miss Ciccone, denn der Song geriet zu einer gnadenlos ausgewalzten Psychedelic-Jam, bei der die Ohren der Fans in den ersten Reihen doch erheblich beansprucht wurden. Wobei man dazusagen sollte: Nichts anderes erwartet man natürlich, wenn man sich bei einem Saitengott wie Auer nach vorne vorwagt.

Wie versprochen kam Jon dann für die Zugaben alleine auf die Bühne zurück und rührte gleich mit dem ersten Song nach der Pause erwachsene Männer zu Tränen. Er spielte nämlich Big Stars' "Thirteen", das Auer nach dem Konsum von reichlich Alkohol witzigerweise als "einen meiner eigenen Songs, manchmal sitze ich zu Hause und die Kreativität überkommt mich einfach" ankündigte. Nun ist er bekanntlich nicht der Einzige, der diesen Song spielt. Ganze Heerscharen von Singer/Songwritern haben allabendlich dieses Stück im Programm, allerdings gibt es nur genau sechs Menschen, die von sich behaupten können, offiziell Mitglied von Big Star (gewesen) zu sein. Und Jon ist nun mal einer davon. Daß sich der Zustand der Glückseligkeit, den Jon mit diesem Song beim erstaunlich laut mitsingenden Publikum auslöste, noch würde steigern lassen, schien unmöglich, doch kaum waren die ersten Akkorde von "Flavor Of The Month", des einzigen Posies-Stücks des Abends, durch die Boxen geschallt, vergaßen einige der Gentlemen in den vorderen Reihen die sprichwörtliche englische Zurückhaltung und drehten KOMPLETT DURCH! Daran änderte sich auch nichts, als Auer seine Band für eine grandios trashige Version des Psychedelic-Furs-Classics "Love My Way" zurück auf die Bühne bat und den Abend mit einer nicht minder rauen Version von "I Am The Cosmos" beendete.

Ihren nächsten Auftritt in England haben die vier laut Auer - der sich an diesem Abend zusammen mit Drummer Darius übrigens auch noch als Rush-Fan outete - übrigens beim Monsters-Of-Rock-Festival auf dem Gelände des Castle Donington - zusammen mit den unlängst reformierten Saxon! Diese Aussage läßt vermuten: So großartig die Show auch war - einer der Tequilas war wohl schlecht!

Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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