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Family Entertainment

The Cranberries

Düsseldorf, Philipshalle
22.02.2002

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The Cranberries
Wären wir ein Boulevardblatt und kein seriöses Musikmagazin, würden wir garantiert schreiben, daß sich Sängerin Dolores O'Riordan während des Konzertes zweimal umzogen hat und sich so als offenherziger Derwisch mit Ledermini, als Mädchen von nebenan mit T-Shirt und Jeans und als feine Dame im schwarzen Abendkleid beim Konzert in Düsseldorf präsentierte. Da das aber eigentlich so gar nicht zum bodenständigen Image der vier Iren paßt, die eher zufällig Popstars wurden und allesamt noch bzw. wieder mit ihren Familien in ihrer Heimatstadt Limerick leben, sagen wir euch auch, daß Gitarrist und Songschreiber Noel Hogan vor dem Konzert beim Zusammentreffen mit Gaesteliste.de im Backstageraum der Philipshalle überhaupt nichts von der Idee seines Roadies hielt, für die Show am Abend doch vielleicht das weiße Rüschenhemd anzuziehen, das er gerade im portablen Kleiderschrank entdeckt hatte. "Ich bin schon fertig für die Bühne", meinte Noel nur lachend und ging dann eine Stunde später wirklich mit der gleichen Jeans und dem gleichen ausgewaschenen Longsleeve-Shirt auf die Bühne.
Und dort zündeten die Cranberries gleich zu Beginn ein echtes Hit-Feuerwerk. Nach "Wake Up And Smell The Coffee" als Weckruf gleich als Opener räumten die vier Iren (plus Steve de Marchi an der zweiten Gitarre und Dolores' Schwager Russel Burton am Keyboard) mit einer perfekten Version von "Zombie" gleich zu Beginn ihren Überhit aus dem Weg und ließen mit "Analyse" und "Time Is Ticking Out" zudem noch gleich beide aktuellen Singles folgen, und auch bei "Animal Instinct" (dem ersten Singalong des Abends) rockten sie mehr, als so mancher vielleicht erwartet hatte. "Live haben wir einen wesentlich volleren Sound. Früher haben wir versucht, die Songs auf der Bühne genauso zu spielen, wie wir sie im Studio aufgenommen haben. Allerdings haben wir schnell gemerkt, daß dann diese großen Löcher entstehen, wo nichts passiert", hatte uns Noel vorher dazu erklärt.

Daß die Cranberries aber natürlich vor allem als Schmuseband allererste Wahl sind, bewiesen nicht nur Songs wie das immer wieder gerne gehörte "Ode To My Family", "Daffodil Lament" oder "Chocolate Brown", sondern vor allem auch der Pärchenfaktor in der Philipshalle. (Merke: Gehe nie solo zu den Cranberries, nimm stets etwas zum Festhalten mit: Freund/Freundin oder Feuerzeug für die romantischen Momente oder ein Sixpack gegen die bei den gleichen Songs aufkommenden Depressionen). Während diejenigen Zuschauer, die in trauter Zweisamkeit angetreten waren, sich am meisten über die Balladen freuten, durften sich alle anderen eher bei den tollen Uptempo-Nummern wie "Can't Be With You" austoben, die natürlich auch ihren Weg auf die erstaunlich variable Setlist gefunden hatten. "Je mehr Songs du zur Verfügung hast, desto schwerer fällt natürlich die Auswahl", hatte uns Noel vor dem Konzert bestätigt. "Für diese Tour haben wir mehr als 30 Songs geprobt. Nur für den Fall, daß wir die Setlist ändern wollen, können wir sicher sein, noch etwas in Reserve zu haben." Und sein Bruder Mike fügte an: "Es ist nicht so, daß wir uns nachmittags überlegen, einen Song spielen zu wollen und dann erst einmal auf die Suche nach den Akkorden gehen müssen. Deshalb haben wir für diese Tournee mehr Songs als üblich geprobt." Früher ist es nämlich schon mal passiert, daß die Band nur die Songs für ein jeden Abend unverändertes Programm geübt hatte und dann, als sie unterwegs war, schnell feststellte, daß etwas Abwechslung nicht schlecht wäre. Dieses Mal ist das gleich mit in die Planung eingegangen.

Und so präsentierte die Band am vierten Abend ihrer Europatournee auch zum vierten Mal ein neues Programm, in dem sich auch einige Überraschungen wie das schon länger nicht mehr gespielte "The Rebels" aus dem dritten Album "To The Faithful Departed" wiederfand oder "Free To Decide" aus dem gleichen Album. Erst gegen Schluß des regulären Sets kamen dann wieder die Stromgitarren bei "Salvation" und "Ridiculous Thoughts" verstärkt zum Einsatz. Doch natürlich war die Show noch längst nicht zu Ende, die Cranberries gönnten sich nur eine kurze (Umzugs-) Pause und ließen sich dabei ruhig ein bißchen Zeit - wie sie überhaupt an Tourneen inzwischen viel entspannter herangehen als noch zu "No Need To Argue"-Zeiten vor sechs, sieben Jahren. Mike: "Wir machen jetzt zwischen den Tourneeabschnitten immer wieder kleine Pausen und fahren nach Hause zu unseren Familien, um die Balance nicht zu verlieren. Wir sind zwei Wochen auf Tour und haben dann wieder sieben Tage frei bis zum nächsten Teil. Bei unseren ersten Tourneen haben wir einfach zu allem ja gesagt. Du siehst die Termine auf einem Blatt Papier und denkst: Kein Problem!" erklärte uns Mike die jetzige Herangehensweise, und Noel ergänzte: "Auf der Liste stehen aber schon die Termine für nächsten Dezember, und bis dann Dezember ist, bist du völlig ausgebrannt. Dann fängst du an, Auftritte abzusagen und darüber ist niemand glücklich. Jetzt legen wir uns eigentlich nie länger als drei Monate im voraus fest."

Festgelegt hatten sich die Cranberries dagegen darauf, noch eine gut zwanzigminütige Zugabe zu geben. Warum sie ausgerechnet das balladeske "Away" (eine uralte B-Seite) für die Zugaben aufgehoben hatten, blieb zwar ein Rätsel, aber mit der tollen neuen Uptempo-Nummer "I Really Hope" (die auch den seligen Smiths gut zu Gesicht gestanden hätte) und natürlich vor allem dem Knüller "Dreams" als großes Finale sorgten sie noch einmal für einen wahren Freudentaumel und ausgiebige Singalongs beim Publikum. Und warum auch nicht? Auch wenn die Cranberries für diese Hallengröße fast schon ein paar ruhige Nummern zu viel gespielt haben mögen, hatten sie doch mit ihrer endlosen Reihe von Hits und mit einer ausgezeichnet aufgelegten Dolores, die während des ganzen Konzerts von einer Bühnenseite zur anderen gerannt war und, wann immer es ging, den Kontakt zum Publikum gesucht hatte (ein riesiges Stoff-Herz aus der ersten Reihe, das sie auch prompt für den Rest der Show vor dem Schlagzeug von Fergal Lawler platzierte, war der Dank dafür), bestes Entertainment abgeliefert - und zwar länger als je zuvor, wie uns Mike vor der Show wissen ließ: "Auf dieser Tour spielen wir länger als je zuvor. Bisher haben wir eigentlich nie länger als anderthalb Stunden auf der Bühne gestanden. Jetzt sind es eine Stunde und fünfzig Minuten. Allerdings kommt es auch darauf an, ob zum Beispiel Dolores zwischen den Songs redet. Da kann das Konzert schnell schon mal 10 Minuten länger dauern..."

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Surfempfehlung:
www.cranberries.com
www.cranberries.org
Text: -David Bluhm & Carsten Wohlfeld-
Foto: -David Bluhm-


 
 

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