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Konzert-Bericht
 
Im Aufbruch

Calexico

Köln, Kantine
04.07.2002

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Calexico
Um es vorwegzunehmen: Auch ohne neues Album (von der neuen Tour-Only-Live-CD "Scraping" einmal abgesehen) im Gepäck war der Auftritt von Calexico in der nicht nur ausverkauften, sondern überfüllten Kantine einmal mehr beeindruckend. Trotzdem schaffte es die Band aus Tucson, Arizona, das Publikum zu spalten, denn etwas war anders als sonst. Zum einen dürfte das daran gelegen haben, daß Joe Burns, John Convertino und ihre Gang (Jacob Valenzuela an der Trompete; Martin Wenk an Trompete, Vibraphon, Mundharmonika und Gitarre; der von Lambchop abgeworbene Paul Niehaus an der Pedal Steel; Volker Zander am Stand-Baß) am Tag zuvor einen Festivalauftritt in Istanbul (!) bestritten hatten, das entgegen anders lautenden Vermutungen in den vorderen Reihen kein Vorort von Köln ist und bekanntlich mit einer strapaziösen Anreise verbunden ist - jedenfalls schienen einige Musiker die Show auf Autopilot zu absolvieren.
Zum anderen konnte man die veränderte Stimmung/Ausrichtung allerdings auch an der Setlist festmachen. Denn statt der so Calexico-typischen Tex-Mex-Instrumentals, die ja die Band gerade früher vom Rest abhoben, schlichen sich inzwischen mehr und mehr fast schon "traditionell" zu nennende Singer/Songwriter-Stücke ins Programm. Um es mit zwei Titeln des letzten Albums "Hot Rail" zu sagen: Es war nicht so sehr ein "El Picador"-Abend, sondern eher ein "The Ballad Of Cable Hogue"-Konzert. Kein Wunder also, daß der Mann an der Pedal Steel Guitar dieses Mal eine wichtigere Rolle spielte als die Trompeter - die manchmal schon fast ein bißchen zuviel des Guten taten. Passend dazu ließ Joe Burns auch öfter als je zuvor die Akustikgitarre auf ihrem Ständer und griff stattdessen zur Stromgitarre. Kein Wunder also, daß nachher einige meinten, daß Calexico - die in der Kantine einige wenige Ausblicke auf die neuen Songs des für Januar 2003 angekündigten nächsten Studioalbums gewährten - der Durchbruch ins Formatradio gelingen könnte, wenn die Band es jetzt schafft, eine ganzes Album in diesem Stil zu produzieren, ohne 50% Kopfmusik dazuzupacken. Andere fragten sich, ob das Formatradio denn das Ziel der Herren Burns und Convertino sein kann und sollte, wenngleich der Band natürlich jede Art von (kommerziellem) Erfolg von Herzen zu gönnen ist. Denn die Calexico-typische Atmosphäre, die noch vor zwei Jahren die Konzerte beherrscht hatte, fehlte dieses Mal genauso wie die Mariachi Luz De Luna. Wenigstens war es unfassbar heiß in der Kantine - das sei sehr schön, ganz wie zu Hause in Tucson, wie Joe scherzend bemerkte.
Symptomatisch für das ganze Konzert war die einzige Coverversion des Abends: Eine ziemlich straight-countryeske Version der Big-Star-Hymne "The Ballad Of El Goodo", bei der Volker Zander zum einzigen Mal an diesem Abend den Kontrabaß gegen einen E-Baß tauschte. Doch wenn vielleicht der Sound der Band einen Touch weniger überraschend war, hatten sie wenigstens einige interessante Gäste im Gepäck. So stand Bjorn Eriksson von Zita Swoon genauso für einige Nummern mit seiner Dobro auf der Bühne wie die Belgierin Patricia Davia (als Duettpartnerin bei "Ballad Of Cable Hogue"), und für das große Finale war sogar noch die holländische Merchandiserin als zusätzliche Percussionistin mit dabei. Daß dieses Finale (nach einer witzigen Nummer über den gebrochenen Kiefer ihres Freundes Jaime, den Guittaron-Spieler von Luz De Luna) mit der inzwischen wohl berühmtesten Calexico-Nummer bestritten wurde, war nicht weiter verwunderlich, daß der Song aber eigentlich nur als B-Seite gedacht war und noch nicht einmal auf dem letzten Album auftaucht, paßte dagegen ausgezeichnet ins Konzept: Die "extended version" von "Crystal Frontier" war jedenfalls der gewohnte Abräumer. Das Publikum war sogar so begeistert, daß sich die Band genötigt sah, noch einmal für ein weiteres (Schlaf-)Lied auf die Bühne zu kommen, obwohl die Musik vom Band längst an und die Instrumente völlig verstimmt waren. So ging dann ein bemerkenswertes Konzert nach gut zwei Stunden zu Ende. Die einen denken gleich an Ausverkauf, sobald eine Band ihr kommerzielles Potential ausschöpfen will, die anderen reden von "Aufbruchstimmung". Wir dürfen gespannt sein, wohin Calexico sch in (naher) Zukunft orientieren werden.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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