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Konzert-Bericht
 
Classic Rock Attack

Sonic Youth

Köln, E-Werk
11.07.2002
Sonic Youth
Über eines waren sich Band und Medien einig: Mit dem neuesten Album "Murray Street" haben Sonic Youth nach 21 Jahren in der Musikindustrie ihr Classic-Rock-Album abgeliefert. Auf der Bühne gingen die seit neuestem zu fünft agierenden New Yorker sogar noch einen Schritt weiter. Allerdings nicht während, sondern zwischen den Songs. Seltsam unpassend, mit viel Stadionrock-Flair, aber dennoch irgendwie charmant kamen die Ansagen von Thurston Moore rüber, und wenn sie dem ein oder anderen bekannt vorkamen, dann war das Absicht. Jeden Abend zitieren Sonic Youth nämlich die Ansagen berühmter Live-Alben der Rockgeschichte, und diejenigen unter den Fans, die zuerst fünf erkennen und ihre Vermutungen der Band e-mailen, gewinnen "irgendwas", wie Lee Ranaldo auf sonicyouth.com vielsagend wissen ließ.
Viel wichtiger war natürlich die Musik, und die bewegte sich auf einem Niveau, das einige Sonic Youth nach den regelrecht depressiven Auftritten ihrer letzten Deutschland-Tournee von 1998, als sich die Band darauf beschränkte, den Fans ihr keinesfalls leicht verdauliches Album "A Thousand Leaves" und nicht viel sonst zu bieten, wohl schon nicht mehr zugetraut hätten. In Köln anno 2002 - wo übrigens die Fans der ersten Reihen per Videobeamer auf die Leinwand hinter der Band projiziert wurden - war bereits nach den ersten Takten des Openers "Tom Violence" (aus dem 1986er "Evol"-Album) klar, daß die Amerikaner mit Jim O'Rourke nicht nur ein neues Bandmitglied hinzugewonnen, sondern auch ihre Spielfreude wiedergefunden hatten. Auch wenn das Schema der Sonic'schen Improvisationen schnell zu durchschauen ist (spiel' die ersten beiden Strophen - tauche dann ab in eine Fünf-Minuten-Feedback-Krach-Orgie - komm anschließend zurück in die Realität mit den restlichen Strophen), waren gerade die neuen Songs wie "Empty Page" oder das vor Power übersprühende "Rain On Tin" (bei dem Drummer Steve Shelley richtig aufdrehte) Großleistungen, die nur eine Band so atemberaubend perfekt rüberbringen kann, die wie Sonic Youth seit zwei Jahrzehnten zusammenspielt.
Sonic Youth Setlist Köln
Und gerade die neuen Stücke, aus denen die Zugabe "Disconnection Notice" auch live herausragte, bewiesen zudem, daß Sonic Youth inzwischen mit schlafwanderischer Sicherheit die Gratwanderung zwischen Rebellion und (Classic-) Rock beherrschen - wenn sie denn wollen. Denn daß Kim Gordons Stücke auch weiterhin kantig und sperrig sind, gehört genauso zum Programm der Band wie ihre jugendlich-ausgelassenen Tanzeinlagen bei "Kool Thing". Im Gegensatz zu 1998 war der Band an diesem Abend im fast ausverkauften E-Werk auch niemand böse, daß die alten Klassiker einmal mehr nur - wenngleich höchst willkommene - Filler waren, die zudem mit "Eric's Trip" und "Candle" aus dem Opus Magnum, "Daydream Nation" oder "Drunken Butterfly" aus "Dirty" sorgfältig ausgewählt worden waren. Daß gerade in diesem, nennen wir es mal "melodie-freundlichen" Rahmen ausgerechnet kein einziges Stück von der poppigsten Youth-LP "Washing Machine" auf der Setlist stand, paßte dennoch ins Konzept.

Unberechenbarkeit und Kompromißlosigkeit ist ihr Markenzeichen. Beim Konzert in Köln - das unglaublicherweise nach Ohrenzeugenberichten sogar vom Auftritt in Berlin wenige Tage zuvor noch getoppt worden sein soll - unterstrichen Sonic Youth das einmal mehr eindrucksvoll.

Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-


 
 

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