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Konzert-Bericht
 
Beyond Nashville

Lambchop
Kristofer Aström

Düsseldorf, Zakk
18.09.2002
Lambchop
Seinen vierzigsten Geburtstag feierte Lambchop-Mastermind Kurt Wagner zwar nicht im Kreise seiner Lieben zu Hause, aber trotzdem dort, wo er sich am wohlsten fühlt - auf der Bühne. Das war vor vier Jahren in der Hamburger Fabrik. Damals waren für ihn Tourneen noch reiner Urlaub. Elf Monate im Jahr arbeitete er als Handwerker in seiner Heimatstadt Nashville, Tennessee, und die restlichen vier Wochen blühte er als Kopf seines vielköpfigen Musikerkollektivs auf der Bühne richtig auf. Damals schien sich Wagner – nach einer Handvoll von den Kritikern hochgelobter, aber von der potentiellen Käuferschar mit Missachtung gestrafter Tonträger - schon mit seiner Existenz als Kultfigur abgefunden zu haben, für die am äußeren Rand des Americana-Hypes nicht viel mehr als ein paar gute Plattenrezensionen übrig bleibt. Doch dann kam zuerst "Nixon" und danach "Is A Woman", und die neuen souligen Tönevon Lambchop schossen sogar in die europäischen Verkaufshitparaden! Jetzt war Kurt bereits zum vierten Mal seit Jahresbeginn in Deutschland zu Gast, mitgebracht hatte er dieses Mal die komplette 11-köpfige Besetzung seiner Band.
Den ersten Teil des Abends im bestuhlten und so gut wie ausverkauften Zakk bestritt allerdings ein Mann alleine. Und der kam auch nicht aus Nashville, sondern aus Lulea in Schweden: Kristofer Aström. Immer noch besser bekannt für seinen Part in der Rock-Combo Fireside, beweist der sympathische Nordländer seit einigen Jahren solo auch eine ausgeprägte Vorliebe für Folk, Country und Blues. In Düsseldorf gab er nun - obwohl von einer heftigen Erkältung geplagt - ein beeindruckendes Gastspiel. Wissend, dass das Publikum eh in erster Linie auf Lambchop wartete, hielt er sich gar nicht erst groß damit auf, Songs aus seinem aktuellen Album "Leaving Songs" zu spielen (außer dem Titelstück gab es nichts von der Platte zu hören), sondern widmete sich lieber brandneuen Depri-Balladen wie dem hitverdächtigen "Is It Really Over" oder einem noch unbetitelten Meisterwerk, das er zwei Tage zuvor in Frankfurt geschrieben hatte und im Zakk mit Lambchop-Pianist Tony in Vollendung zelebrierte. Doch nicht nur seine todtraurigen Songs kamen beim Publikum gut an, auch seine witzigen Geschichten zwischendurch. So erzählte er bereitwillig von seinem Saufgelage in Berlin am Tag zuvor, was dazu führte, dass er im Zug einschlief und sich zur Soundcheck-Zeit nicht in Düsseldorf, sondern in Bonn wiederfand… Zum Schluss bedankte er sich artig bei Lambchop ("Das waren drei gute Tage - bis auf heute morgen"), sagte grinsend: "Ich habe noch zwei Songs zuspielen, nee, das ist Quatsch, ich hab noch 100 Songs zu spielen - vielleicht dann beim nächsten Mal" und verabschiedete sich mit einer ungewöhnlich arrangierten Version des amerikanischen Standards "You Are My Sunshine". Hut ab, das war große Klasse!
Und dann: Mehr als zwei Stunden Lambchop! Auf der neuen Platte greifen die Amerikaner bekanntlich zumeist nur auf Gitarre, Piano und Gesang zurück, und das war eine echte Herausforderung für die Band, weil es, wie Wagner kürzlich bestätigte, gar nicht so einfach war, acht Musiker wie drei klingen zu lassen. Etwas Ähnliches dachten sich wohl auch einige Zuschauer zu Beginn des Konzertes, denn die ersten Songs à la "The New Cobweb Summer" oder "My Blue Wave", allesamt von "Is A Woman", klangen auf der Sommertournee eigentlich genauso - und damals hatten nur sechs Musiker auf der Bühne gestanden! Erst bei "Flick" machte sich die 11-köpfige Besatzung in ihrer ganzen orchestralen Großartigkeit bemerkbar. Kurt war wie immer bestens gelaunt und gönnte dem Düsseldorfer Publikum sogar einen brandneuen Song, den er witzigerweise mit "Keine Angst, es ist wirklich nur einer, mehr habe ich noch nicht auf die Reihe gekriegt" ankündigte. Das fragliche Stück war jedenfalls sehr vielversprechend, verband es doch Lambchops soulige Seite mit den in letzter Zeit etwas in Vergessenheit geratenen poppigen Anfängen der Band. Apropos Anfänge: Obwohl die Band über weite Strecken das gleiche Programm wie im Sommer spielte, gab es doch eine echte Überraschung: Den lupenreinen Popsong nämlich, der in grauer Vorzeit die allererste Single der Band geziert hatte und der, wie Kurt schelmisch bemerkte, einen Titel hat, der sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch Sinn macht (zumindest phonetisch): "Nine"! Zwischendurch widmete Kurt einem anwesenden Brautpaar sogar noch einen Song ("Warum man an seinem Hochzeitstag zu einem Lambchop-Konzert gehen will, krieg ich zwar nicht in den Kopf rein, aber das Stück spielen wir trotzdem für sie"), und für die finale Zugabe erfüllten Lambchop dann sogar noch einen Zuschauerwunsch! Nachdem Kurt ewig lange in seinem Stapel Papier nach dem Text für das Stück gekramt hatte, spielten sie doch wirklich noch einmal das schaurig-schöne "This Corrosion" von den Sisters Of Mercy und im Gegensatz zur Studioversion hörte sich der Song an diesem Abend wieder wirklich goth-like an. Ein gelungenes Finale in jedem Fall: energiegeladen, laut und lang. Ein letztes Winken von Kurt - dann waren sie wieder weg. Wie immer hatten sie voll überzeugt! Aber wer seine Tour-Only-CD "Pet Sounds Sucks" nennt, hat eh gewonnen!
Surfempfehlung:
www.lambchop.net
lambchop.info
www.kristoferastrom.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Olaf Heine-


 
 

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