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Konzert-Bericht
 
Music to refuel your soul

The Fullbliss

Essen, Grend
02.10.2002
The Fullbliss
David Clemmons fängt wieder ganz von vorne an. Denn obwohl der Kalifornier mit seiner Band Jud schon vor Jahren die Langsamkeit des Seins in Töne gefasst hat und dafür reichlich gute Kritiken ernten konnte, spielten er und seine neuen Mitstreiter von The Fullbliss auf dieser Deutschlandtournee Abend für Abend für ein besseres Trinkgeld, häufig noch dazu im Vorprogramm von - zumindest auf dem Papier - nicht gerade passenden Hauptacts. In Bielefeld beispielsweise waren es The Convent, im Grend Thomas Elberns Escape With Romeo. In Essen fehlte The Fullbliss deshalb nicht nur das neue vierte Mitglied der Band - Geigerin Anne de Wolff - sondern vor allem die Zeit, ihre ganze Magie voll zu entfalten. Als Headliner stehen David Clemmons, Björn Werra und James Schmidt nämlich manchmal gut drei Stunden auf der Bühne, in Essen waren es weniger als 60 Minuten.
The Fullbliss
Dennoch sind The Fullbliss, deren zweites Album "The Temple Is Haunted" unlängst erschien, live wie auf Platte vorzüglich, wenngleich unter anderen Vorzeichen. Klingen die Gitarren auf dem Album eher Grunge-geprägt und die härteren Nummern am ehesten nach Stoner-Rock, liefern die drei auf der Bühne ein beachtliches Spiel aus Licht und Schatten, aus laut und leise, das wesentlich düstere Züge trägt. Nicht umsonst zählen die Herren wohl Tools "Lateralus" derzeit zu ihren Favoriten. Nichtsdestotrotz überzeugten sie in Essen vor allem mit Vielschichtigkeit und einigen klassischen Depri-Songs ("Never Trust A Man"), die auch Jeff Buckley gut zu Gesicht gestanden hätten. So gab es umarrangierte Stücke des Geigen- und Cello-lastigen Debütalbums "Fools And Their Splendor" ebenso wie Songs des aktuellen Werks und sogar eine brandneue Nummer, "The Lamb", die darauf schließen lässt, dass sich The Fullbliss auf ihrem nächsten Album noch mehr den Extremen ihres musikalischen Spektrums widmen werden. Fast schien es als hätten The Fullbliss ein Motto für diesen Abend ausgeben: "Wer zuhören und sich überraschen lassen will, ist hier richtig, wer nach purer Zerstreuung sucht oder dem neuen Soundtrack für den Abwasch, ist anderswo besser aufgehoben." Eine Band - ein Statement!

Text: -Carsten Wohlfeld-

BACKSTAGE WITH: THE FULLBLISS

Nach dem Konzert im Grend sprach Gaesteliste.de noch ein paar Worte mit James Schmidt und David Clemmons.

The Fullbliss
GL: Beim ersten Fullbliss-Album sind viele vor allem auf die Nick-Cave-Coverversion "Henry Lee" angesprungen. War das einfach ein Lieblingssong bzw. macht ihr euch viele Gedanken, ob Song vielleicht zu berühmt sein könnte, um ihn zu covern?

David: "Ich würde auf gar keinen Fall einen wirklich berühmten Song covern wollen. Wenn wir in Zukunft irgendetwas covern, dann vielleicht einen Tool-Song, aber wir würden ihn wohl ganz langsam spielen."

GL: Ihr seid ja eine ziemlich internationale Band - David Amerikaner, James in Deutschland geborener Brite, Björn Deutscher - führt das nicht manchmal auch zu logistischen Problemen?

James: "Bisher gab es die schon manchmal, obwohl man im Nachhinein nicht wirklich sagen kann, dass es echte Probleme waren. Für diese Platte, die erste die wir in dieser Besetzung eingespielt haben, wurde beispielsweise überhaupt nicht geprobt! David hatte mir Wochen vorher die Lieder geschickt, aber dann sind wir einfach ins Studio gegangen. Eigentlich war geplant, dass David auch Bass spielt, aber dann ist Björn ganz zufällig dazu gestoßen. Er wollte uns eigentlich nur einige Bässe leihen, ist dann aber dazu 'verdammt' worden, den Bass selber einzuspielen. Eigentlich haben David und ich also zu zweit angefangen, diese neue Scheibe zu machen. Wir hatten einfach Glück, dass Björn und Anne mit dazukamen."

GL: Live habt ihr im Gegensatz - zumindest streckenweise - geradezu überraschend düster geklungen...

James: "Ja! Wir schrecken live nicht vor Härte zurück! Wir spielen zwar harmonische, vor allem traurige Lieder, aber wir kommen ja alle aus härteren Richtungen. Ich habe jahrelang Metal gemacht und Björn hat viel Hardcore gespielt. Allerdings passen wir uns live auch immer der Situation an. Wir haben vor gut einer Woche zum Spaß bei einer Freundin in einer Kneipe gespielt - und zwar akustisch! In Berlin mussten wir erst noch auf Anne warten, da hat David einfach eine Stunde lang solo gespielt!"

The Fullbliss

GL: Was können wir denn vom nächsten Album erwarten?

James: "Das wird sehr bunt werden, sehr dynamisch, streckenweise bestimmt auch sehr hart, ohne gleich Metal zu sein. Wir haben noch nichts Konkretes gemacht, aber wir wollen auf jeden Fall die ganze Bandbreite der Dynamik ausschöpfen, um dem Zuhörer soviel Fullbliss wie möglich zu geben."

GL: Zum Schluss noch irgendwelche "berühmten letzten Worte"?

James: "Zur Zeit schäme ich mich, Brite zu sein!"

David: "George Bush sucks!"

Surfempfehlung:
www.fullbliss.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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