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Konzert-Bericht
 
"Ich habe einen Mann in Ohnmacht fallen lassen"

Kelly Willis

Philadelphia, Tin Angel Café
18.11.2002
Kelly Willis
Dass Kelly Willis in Philadelphia für gewöhnlich im Tin Angel spielt, mag vor allem damit zusammenhängen, dass das winzige Acoustic Café mit Wohnzimmer-Wohlfühl-Atmosphäre über dem Serrano Restaurant eine der ersten Adressen für Country und Folk in der US-Metropole ist - der himmlische Name lässt aber auch Rückschlüsse auf die Performance zu: Jedenfalls singt die Texanerin nicht nur wie ein Engel, sie sieht auch wie einer aus. Davon kann bekanntlich auch Tim Robbins ein Lied singen, dem sie vor gut zehn Jahren im Hollywood-Streifen "Bob Roberts" den Kopf verdrehte. Doch auch wenn sie zur Hälfte der Show stolz von ihrem Auftritt zusammen mit Mark Collie in einem Gefängnis in Tennessee erzählt ("Ich habe einen Mann in Ohnmacht fallen lassen - obwohl der wahrscheinlich auch beim Anblick eines Mithäftlings im Kleid in die Knie gegangen wäre!"), gibt sich Kelly auf der Bühne angenehm unglamourös.
Kelly Willis Band
Was zählt, ist die Musik, und dass die in den letzten 12 Jahren ganz schön vielschichtig geraten ist, bewiesen gleich die ersten Nummern: Auf den Uptempo-Opener "Take Me Down" gleich zu Beginn folgte das wesentlich beschaulichere "If I Left You" von Kellys wunderschönem neuen Album "Easy". Und ganz "easy" bahnte sich die Dame aus Austin mit ihren fünf Begleitern auch den Weg durch ein gut getimtes Programm mit Songs aus ihren fünf Alben, mit Highlights wie "Heaven Bound" aus "What I Deserve" und einer ganzen Reihe Songs aus dem neuen Album à la "Getting To Me" (geschrieben von Kelly mit Jayhawks-Mastermind Gary Louris) oder dem großartigen Titelstück. Der beste Beweis dafür, dass Contemporary Country Music weit mehr sein kann als die gruseligen Hitparadenverschnitte von Faith Hill, Shania Twain oder LeAnn Rimes. Ähnlich wie die Bostonerin Mary Lou Lord hat Kelly zwar durchaus Talent als Songschreiberin, ihre besten Momente auf der Bühne aber sind die sorgfältig ausgesuchten Cover - das countryfizierte "Find Another Fool" von Marcia Ball, das gelungene Kirsty-MacColl-Tribute "Don't Come The Cowboy With Me, Sonny Jim!", ein gestrafftes "Heaven’s Just A Sin Away" (The Kendalls) oder eine ganze Reihe Songs ihres Ehemanns Bruce Robison ("Auch wenn ich auf Tour bin, ich komme einfach nicht von ihm los") - und ihre manchmal schon fast zu ehrlichen Stories zwischen den Songs.
Kelly Willis
Von ihrer Familie (Kelly hat einen knapp zwei Jahre alten Sohn und erwartet im März Zwillinge) erzählt sie mit mindestens genauso viel Begeisterung wie von ihrer Musik, und weil sie weiß, dass sie im kommenden Jahr wohl eher die Rolle der Mutter und Hausfrau denn die der texanischen Country-Queen spielen wird, verabschiedete sie sich vom restlos begeisterten Publikum in Philadelphia auch nach gut 75 Minuten mit zwei echten Klassikern: Ihrer Debütsingle "I Don't Want To Love You, But I Do" und Marshall Crenshaws "Whatever Way The Wind Blows". Und auch für die einzige Zugabe hatte sie sich etwas ganz Spezielles ausgesucht. Als Hommage an einen der größten texanischen Songwriter ever gab's Doug Sahms "Texas Me". Genau der richtige Schluss für einen Auftritt mit viel willkommenem Understatement: Ein großes Konzert im kleinen Kreis. Zu schade nur, dass Kelly derzeit nur auf dem "falschen" Kontinent auf Tournee geht!
Surfempfehlung:
www.kellywillis.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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