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Konzert-Bericht
 
Das Jahr eins nach Emo

The Get Up Kids
Koufax

Bochum, Zeche
08.01.2003

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The Get Up Kids
"Heute ist zwar erst die vierte Show, aber es ist immer schön, eine Tour in Deutschland zu beginnen. Wir haben hier immer eine Menge Spaß", sagte uns Get-Up-Kids-Drummer Ryan Pope vor dem Konzert in Bochum. Was sich im ersten Moment wie typisches Rockstar-Geschwurbel anhörte, wurde von den fünf Herren aus Kansas City, Missouri, allerdings kurze Zeit später in der erwartungsgemäß sehr gut gefüllten Zeche eindrucksvoll in die Tat umgesetzt, und das, obwohl sie mit ihrem letzten Album "On A Wire" so manchem treuen Anhänger vor den Kopf gestoßen hatten. Doch vor dem Hauptgang gab es die Vorspeise in Form der ebenfalls deliziösen Koufax.
Die hatten zwar ein paar Probleme, das Publikum bei den eisigen Temperaturen warm zu spielen, doch das lag ganz sicherlich nicht an fehlender Klasse. Ganz ähnlich wie The Get Up Kids sind die Konzerte (und Platten) des Quartetts aus Detroit für das überwiegend junges Publikum eine nette Lehrstunde in Popmusik-Geschichte. Denn was die vier da auf die Bühne bringen, erinnert die älteren Semester an Könner wie Jonathan Richman And The Modern Lovers, XTC oder sogar Elvis Costello, an den Koufax-Sänger Robert Suchan nicht nur wegen seines Nasenfahrrads erinnert. Und an Joe Jackson, dessen Monster-Hit "Stepping Out" Koufax in Bochum ziemlich originalgetreu, aber gerade deshalb ziemlich gelungen auf die Bühne brachten. Doch auch wenn diese Coverversion ein echtes Highlight war: Vor allem die Songs des neuen Albums "Social Life" mussten sich dahinter keinesfalls verstecken. Koufax - übrigens ab Ende Januar nochmal alleine in Deutschland unterwegs - lieferten in Bochum ähnlich wie vor ihnen schon die Ben Folds Five den Beweis, dass amerikanischer 70er-Jahre-Radio-Pop zeitlos gut ist. Und dass ihr großartiges Schlussstück "Going To Happen" vor zwei Jahren kein Hit war, ist ebenfalls ganz und gar unverständlich!
Die Get Up Kids hatten danach leichtes Spiel, nicht nur die vorderen Reihen zum völligen Ausrasten zu bewegen. Kein Wunder, starteten sie doch anders als auf "On A Wire" nicht mit einer beschaulichen Nummer, sondern gleich mit dem alten Kracher "Holiday", und machten auch zügig mit den Songs weiter, die Menschen ohne Phantasie in die Emo-Schublade stecken würden. Aber natürlich war die Band nicht zuletzt nach Deutschland gekommen, um auch einige ihrer alten Fans zu bekehren und von den Qualitäten ihrer neuen, häufig etwas gedämpfteren Songs zu überzeugen. Um dem Publikum den Einstieg in die wunderschöne Akustiknummer "Overdue" etwas leichter zu machen, spielten sie sogar ein paar Takte von Extremes Edelschnulze "More Than Words" und hatten damit nicht nur die Lacher, sondern auch einige Skeptiker auf ihrer Seite. "Overdue" kam überraschend gut an, das nicht minder gute (und ähnlich leise) "Kansas Campfire" fiel wenig später dagegen leider etwas durch. Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil zu diesem Zeitpunkt die Bühne so langsam zum Revier der Stagediver wurde, die natürlich lieber Songs wie das Frühwerk "Woodson" oder "Mass Pike" hören wollten. Bei Songs wie diesen war die Meute vor der Bühne nämlich so außer Rand und Band, dass Sänger Matt Pryor so manches Mal die Stimmbänder schonen konnte und - sehr zur Freude der sichtlich ergriffenen Band - dem Publikum das Singen überlassen konnte. Mit dem bombastischen Schlussstück "Walking On A Wire" wagten sich die fünf dann schon fast auf britisches (Manic Street Preachers) Territorium vor, doch wer dachte, die Nummer sei nicht mehr zu überbieten, sah sich getäuscht. Denn da gab's gleich zu Beginn der Zugaben den Get-Up-Kids-Beitrag zur Compilation "Before You Were Punk Vol.2" - und das ist bekanntlich die außergewöhnlich gut gelungene Coverversion von The Cures "Close To Me"! Kurz danach war nach dem epischen "Hannah Hold On" und viel zu kurzen 80 Minuten wirklich Schluss. Und auch wenn wohl niemand in dem Glauben, hier die Zukunft des Rock gesehen zu haben, nach Hause gegangen sein wird - ihren Spaß, den hatten sie alle, egal, ob auf oder vor der Bühne!

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Surfempfehlung:
www.thegetupkids.com
www.koufaxmusic.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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