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Konzert-Bericht
 
Kurz und gut!

Neko Case

Köln, Studio 672
18.01.2003

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Neko Case
"Ihr könnt euch ruhig noch unterhalten!", begrüßte Neko Case ihr Publikum in Köln, während sie vor dem ersten Song ausgiebig ihre Gitarre stimmte. Es schien ihr fast ein wenig unheimlich zu sein, dass sich die Aufmerksamkeit der Leute vor der Bühne so schlagartig auf sie richtete. Aber wie kann man eine Frau nicht mögen, die ihre alte Band Neko Case And Her Boyfriends genannt hat und nebenher noch in einem Projekt namens The New Pornographers aktiv ist? Vor allem, wenn man es hier offensichtlich mit Frauenpower der ganz und gar unaufdringlichen Art zu tun hat?
In Köln war die leider ziemlich stark erkältete, rastlose Amerikanerin zudem in einer musikalisch interessanten Besetzung angetreten. Jon Rauhouse übernahm dabei den Part von mindestens zwei Gitarristen, indem er nicht nur die sechssaitige Gitarre, sondern auch noch Slide Guitar, Banjo und Pedal Steel virtuos bediente, und die One-Man-Rhythmusgruppe bestand aus Daryl White, der nicht nur den Standbass zupfte, sondern auch noch mit dem Fuß ein Tamburin spielte und - wenn immer er eine Hand erübrigen konnte - den Kontrabass als Percussioninstrument zweckentfremdete. Neko selbst spielte dazu eine viersaitige (!) Gitarre und konnte sich ansonsten ganz auf's Singen konzentrieren. Trotz der spartanischen Besetzung vermisste man die großen Namen - Nekos Singer/Songwriter-Kolleginnen Kelly Hogan und Mary Margret O'Hara oder die kompletten Giant Sand -, die auf dem großartigen aktuellen Album "Blacklisted" mitgewirkt haben, in keiner Sekunde. Im Gegenteil! Dass die doch recht düstere Grundstimmung des Albums in Köln streckenweise einer countryesken Wohlfühlstimmung wich, war sehr willkommen. Dennoch war auch das Konzert alles andere als einseitig. Wie auf der Platte fanden sich in den Songs neben Singer/Songwriter-Pop auch Spuren von Jazz und Blues und Bluegrass. Trotzdem war es ein Konzert wie aus einem Guss. Die Songs, die die drei spielten, stammten größtenteils von "Blacklisted" und - wie im Falle eines unerwarteten Highlights, Soon Yin Lees "Knock Loud" - von der ebenfalls neuen Tour-only-Platte "Canadian Amp", die Neko in ihrer Küche aufgenommen hat. Und ohne die Qualitäten von Nekos Songwriting schmälern zu wollen - die absoluten Höhepunkte des Abends waren die eingestreuten Coverversionen. Wirkte das countryfizierte "Buckets Of Rain" zu Beginn des Konzertes noch recht zahm, kam Neko bei "Look For Me (I'll Be Around)", das sich auch auf ihrem neuen Album findet, stimmlich so richtig in Fahrt. Der schönste Song des Konzerts war dennoch Hank Williams' "Alone & Forsaken", nicht zuletzt deshalb, weil Neko zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich bereits ziemlich schwer angeschlagen war und deshalb in ihrer Stimme genau das richtige Maß an Sehnsucht und Verzweiflung mitschwang, das eine tolle Hank-Coverversion einfach braucht.
Leider verabschiedete sich Neko, der es von Song zu Song sichtbar schlechter ging, nach nicht einmal einer Stunde, obwohl sie längst nicht alle Songs ihrer Setlist gespielt hatte, ohne Zugabe von der Bühne. Allerdings nicht ohne sich beim Publikum mehrfach für den kurzen Auftritt und den Verlust ihrer Stimme zu entschuldigen. Die letzte Nummer entschädigte allerdings mehr als nur ein wenig für das vorzeitige Ende, denn als "Rausschmeißer" gab's das Titelstück ihrer vorletzten Platte, "Furnace Room Lullaby", das noch einmal alle musikalischen (und beim A-Capella-Ende) auch stimmlichen Vorzüge Nekos voll zur Geltung brachte. Ein wirklich schöner Auftritt war's, vor allem, wenn man bedenkt, dass eine gesunde Neko noch viel besser hätte sein können!

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Surfempfehlung:
www.nekocase.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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