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Konzert-Bericht
 
Härter, schneller, lauter!

Ministry

Oberhausen, Turbinenhalle
25.02.2003
Ministry
Was ist im Allgemeinen das Wichtigste an Live-Konzerten, mal abgesehen von der Tatsache, seine Helden live und in Farbe vor sich zu sehen? Richtig, die große Lautstärke, die nur die wenigsten in den eigenen vier Wänden reproduzieren können, ohne sich den ewigen Zorn der Nachbarn bzw. der eigenen Familie zuzuziehen. Das wissen auch Ministry, und deshalb spielen sie ihre Konzerte im zumeist menschenverachtenden Dezibel-Bereich. Der Auftritt in Oberhausen, einer von nur fünf Showcases in Europa, bei dem Jourgensen, Barker und Co. ihr neues Album "Animositisomina" erstmals dem Publikum vorstellten, war da keine Ausnahme.
Los ging es vielversprechend mit dem Titelstück des neuen Albums: Al Jourgensen, offensichtlich bestens gelaunt, in Motorrad-Kluft über seinen - mit einem Motorradlenker verzierten - Mikroständer gebeugt, die Flasche mit dem Hochprozentigen fest im Griff. Passend zum Titel ("Das ist 'animosity' [Feindseligkeit] vorwärts und rückwarts, also durch und durch", hatte Al beim Interview erklärt) gab es auf der Großbildleinwand hinter der insgesamt siebenköpfigen Band eine George-W.-Bush-Collage zu sehen. Doch schnell zeigte sich, dass die höllische Lautstärke allenfalls dazu geeignet war, instrumentale Schwächen zu überdecken, wenngleich auch so auffiel, dass die zwei Schlagzeuger mitunter böse aneinander vorbeispielten. Jedenfalls killte die Lautstärke jegliche Nuancen im Sound und machte aus der Handvoll neuer Stücke den gleichen Soundbrei wie aus den alten Krachern à la "Filth Pig". Das gefiel höchstens der Hälfte des Publikums in der gut gefüllten Turbinenhalle, denn die Massen vor der Bühne ließen sich klar in die Schubser (die Metal-Fraktion, von denen sich einige Stumpfomatiker wiederholt mit der Security anlegten und für unschöne Jagdszenen in der Halle sorgten) und die Geschubsten (die Goth-Fraktion) einteilen. Letztere schauten bis zu den ersten Takten von "Just One Fix" nach gut drei Vierteln der Show doch teilweise etwas ratlos drein. Da half es nur bedingt, dass die letzten zwanzig Minuten des regulären Sets fast ausschließlich "Psalm 69"-Songs ("Hero", "N.W.O." und natürlich "Jesus Built My Hotrod") vorbehalten waren und Jourgensen seinen Ruf als Vollprolet eindrucksvoll unter Beweis stellte, indem er nicht nur des Öfteren ins Publikum rotzte, sondern auch einige geleerte Bierflaschen ohne Rücksicht auf Verluste im hohen Bogen in den Backstagebereich feuerte und auch seine Gitarren keinesfalls seinem Gitarrenroadie nach den Songs in die Hand drückte, sondern sie in Richtung seines Schergen meterhoch durch die Luft wirbelte.
Vor der Tour war von der Band vollmundig eine über zweistündige Show mit insgesamt drei langen Zugabenblocks angekündigt worden, in Oberhausen gab es als Dreingabe allerdings nur genau drei Songs: "Breathe", das gelungene Magazine-Cover "The Lights Pours Out Of Me" und eine wirklich große Version des ältesten Stücks des gesamten Programms - "Stigmata". Nach rund anderthalb Stunden war dann allerdings schon Schluss. Und außer einem deftigen Pfeifen in den Ohren blieben vor allem gemischte Gefühle zurück. Denn auch wenn man der (neuen) Backingband zugute halten muss, dass dies erst ihr dritter gemeinsamer Auftritt war und sie zudem sämtliche Klassiker gespielt haben - wirklich überzeugen konnten Ministry in Oberhausen nicht. Sich mit der Brechstange fast ohne Pausen zwischen den Songs durch das Programm zu knüppeln, steht der Band jedenfalls nicht wirklich gut zu Gesicht. Schade, da wäre mit ein bisschen mehr Sorgfalt wesentlich mehr drin gewesen.
Surfempfehlung:
www.animositisomina.com
www.prongs.org/ministry
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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