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Passagierprobleme

Tilman Rossmy Quartett
Locas In Love


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Tilman Rossmy
Endlich wieder auf Achse: Das Tilman Rossmy Quartett. Passend zur Veröffentlichung des fünften Post-Regierungs-Albums, betitelte "Seitdem man mich..." ging der Wahl-Münchner mit den Seinen auf die längste Tournee seit sieben Jahren und machte auf dem noch bis Anfang März andauernden, zweiwöchigen Trip quer durch Deutschland unter anderem auch in zweimal in Berlin, in Köln und erstmals überhaupt als Solokünstler in seiner alten Heimat Essen für Konzerte Station. Gaesteliste.de wollte sich das natürlich nicht entgehen lassen.
Berlin, Zosch, 16.02.2003

Der kleine Keller des Berliner Zosch war randvoll gefüllt mit erwartungsfroh dreinschauenden Menschen. Kein Wunder, denn viel Zeit war seit dem letzten richtigen Album "Passagier" vergangen und so bot sich nun erstmals wieder Gelegenheit, neue Tilman Rossmy-Songs live zu erleben. Den Anfang an diesem Abend machten jedoch Locas In Love, die Zweit-Band um Unser kleiner Dackel-Mastermind Björn Sonnenberg. Charmante Indiehymnen brachten die Jungs und Bassistin Stefanie zu Gehör und dem Publikum schien es zu gefallen. Immer ein wenig schräg und leicht dilettantisch kamen die Stücke rüber, was der Sympathie für diese Band jedoch keinen Abbruch tat. Wer sonst klaut schon so augenzwinkernd Songtitel wie die Locas in ihrem letzten Stück "Die Apokalypse erreicht Mühlacker"? Und so weit ist das ja auch gar nicht von Borkhorst entfernt! Als Zugabe gab es dann noch ein wunderbares Cover des Monkees-Hit "Daydream Believer" und - dem Applaus des Publikums nach zu urteilen - war das wohl eine gute Wahl. Nach kurzer Umbaupause betraten dann Tilman Rossmy und seine drei Mitstreiter die Bühne. Nach kurzen Bemerkungen zu Berlin ging's dann gleich mit einem alten Stück in die Vollen: "Ein Idiot mehr" war wahrlich ein feiner Konzertbeginn. Im weiteren Verlauf gab es dann erwartungsgemäß in erster Linie die Stücke des neuen Albums "Seitdem man mich..." zu hören. Songs wie "Der Stoff" oder "Junkie" kamen beim Berliner Publikum großartig an. Der sichtlich gut gelaunte Herr Rossmy beendete sein Set mit dem alten Hit "Willkommen zuhause", was verständliche Begeisterung hervorrief. Doch damit nicht genug, In der Zugabe gab es dann bekannte Songs satt. "Maria", "Raus aus diesem Büro" und eine lange, keyboard-begleitete Version von "Loswerden" ließen diesen schönen Abend angenehm ausklingen!

Text: -Carsten Wilhelm-

Berlin, Holz und Farbe (Secret Show), 17.02.2003

Der zweite Berliner Gig des Tilman Rossmy Quartetts war eigentlich keiner! Zumindest kein offizieller. Wer auf der Bandwebseite nachsah wurde mit einem lapidaren Hinweis "Secret Show" konfrontiert und auch der Blick in einschlägige Konzertdatenbanken und Stadtmagazine half wenig weiter. Glücklicherweise hatte man am Vorabend im Zosch Flyer ausgelegt und so hatten auch diesmal wieder eine Menge Leute den Weg in den Weddinger Keller des Holz und Farbe gefunden. Privat und intim und damit auf dieser Tour einzigartig dürfte man dieses Konzert wohl nennen. Wie zu hören war, ist Tilman mit Heiko, dem Macher des Holz und Farbe, befreundet und so hatte das Ganze was von einer kleinen Familienfeier! Die Band stand gedrängt in einer Ecke und der kleine Keller platzte aus allen Nähten. Mit einem lakonischen "Na, seid ihr auch alle Freunde von Heiko?" begann Tilman diesen denkwürdigen Gig. Vom Repertoire her entsprach das Set zunächst weitgehend dem Vorabend. Lediglich in Sachen Laune, Redseligkeit und Spielfreude war dieser Auftritt kaum zu überbieten. In der ersten Zugaberunde gab's dann den vielleicht bekanntesten Rossmy-Song "Wittgenstein sagt", das schöne "Raus aus diesem Büro" und wieder eine gänsehauterregende Version von "Loswerden" zu hören. Doch das begeisterte Publikum wollte mehr und so gab es noch eine Wunschrunde, in der Tilman etwas holprig den alten Regierungs-Hit "1975" zum Besten gab. Der letzte erfüllte Wunsch an diesem Abend war dann das wunderschöne "Ulrike, eine Lektion mehr in Liebe" und so ging ein Konzert zu Ende, das in seiner Intimität und schönen Atmosphäre noch vielen Anwesenden lange im Gedächtnis bleiben wird!

Text: -Carsten Wilhelm-

Köln, MTC, 19.02.2003

Der Abend stand unter keinem guten Stern: Tilman hatte eigenhändig die Locas In Love als Support-Band für die aktuelle Deutschland Tour verpflichtet; was - je nach dem, wie man es sieht - Sinn macht. Denn zuweilen tanzen die Locas mit ihrer eigenen Variante deutschsprachiger sentimentaler Liebeslieder auf ziemlich genau derselben emotionalen Schwelle, wie Herr Rossmy - was ja durchaus zu einer Art Konkurrenzsituation führen kann. Nur leider hatte letzterer es nicht für notwendig befunden, seine von weither angereisten Musikanten darüber zu informieren, die dann ihren Unmut darüber äußerten, da diese Tour für sie nun mal die einzige Möglichkeit war, live zusammenzuspielen. Das hatte zur Folge, dass die Locas in Köln gebeten wurden, die Tour ebendort zu verlassen. Auch wenn man die Argumentation der Band verstehen konnte: Das hätte man sensibler lösen können. Insofern herrschte bei dieser Show dann eine gewissermaßen gespannte Atmosphäre und einer der Sprüche von Locas-Sänger Björn kam dann auch auf dem Punkt: "Wenn ihr harten Rock mögt, dann seid ihr heute abend hier falsch", meinte er, und in der Tat: Außer im letzten Teil, zum Beispiel bei dem mit Verve dargebotenen "Here I Go Again" gab's eher Besinnliches und Beschauliches zwischen Stadtflucht und introspektiver Kontemplation. Deswegen spielten die Locas wohl auch nicht das gewaltige "Waves Of Fear" als Zugabe, sondern das eher sehnsüchtige "Daydream Believer". Drummer Kurt Kreikenbom legte dann noch eine gelungene Tilman-"Loswerden"-Parodie hin und erklärte im typischen, lakonischen Rossmy-Stil - mit Zigarette und Bierflasche in der Hand die Situation dem Publikum. Tilman selbst versuchte dann die Situation nach einer längeren Umbaupause noch zu retten, indem er in ein ausklingendes Eröffnungs-Instrumental den Locas indirektes Lob spendete, jedoch übertrugen sich die eher negativen Vibes auch auf die Show des ansonsten wortreichen Barden. Jedenfalls fielen die Ansagen zwischen den Songs dieses Mal ungewöhnlich knapp und einsilbig aus. Dafür gerieten die Stücke selbst dann Großteils zu ausgedehnten Jam-Sessions. Musikalisch konnte man der Band jedenfalls keinen Vorwurf machen: Die gutgeölte Landstraßenkapelle marschierte jedenfalls mit Schwung und Effét durch die Gegend, wie eh und je. Gerade die Stücke vom neuen Album "Seitdem man mich..." gefielen in diesem Kontext deutlich besser, als die eher knapp gehaltenen CD-Versionen. "Der Stoff" oder "Du bist es" basieren ja auf vergleichsweise simplen musikalischen Ideen, die indes durch das variantenreiche Zusammenspiel der Band bei dieser Show an Größe gewannen. Jedenfalls lag dieses Mal das Hauptaugenmerk deutlich eher auf der Musik, als auf dem Wort. Gitarrist Folke Jensen hatte von Tilman für den Abend sogar die "Lizenz zum Gniedeln" bekommen - indes saßen seine phantasiereichen Solos ziemlich genau und waren daher auch eher effektiv als überladen. Keyboarder Ralf Schlüter brillierte wie gewohnt durch die kongeniale Betätigung des rätselhaften Basscomputers und des E-Pianos - schaute dabei allerdings besonders bitterböse drein. Und Schlagzeuger Rob Feigel haderte eine ganze Weile mit dem Licht und dem Sound auf der Bühne - was indes seinem Vortrag eine recht kämpferische Note verlieh. Ansonsten gab es durchaus routiniert dargebotene Klassiker - "Die Stimme" etwa, oder Material von der neuen Scheibe wie "Ich mach meine Augen nicht auf" (mit Erklärungsgeschichte), darunter allerdings erstaunlich wenig balladeske Stücke wie "Hör auf die Flöte". Es war also kein wirklich schlechtes Konzert (darüber ist Tilman heutzutage durchaus weg - auch wenn er immer wieder gerne an diesbezügliche Probleme bei der Regierung erinnert) aber eben auch keines, das man für ewig im Gedächtnis behalten wird. Nun gut: Auch Tilman Rossmy ist schließlich nur ein Mensch.

Text: -Ullrich Maurer-

Essen, Grend, 22.02.2003

In Essen gab es wenige Tage danach dann also leider nicht die großartigen Locas In Love im Vorprogramm, sondern Rossmy pur. Trotzdem wurde es ein Auftritt unter ähnlichen Vorzeichen wie in Köln. Vielleicht lag es daran, dass Tilman das erste Konzert in seiner langjährigen Heimatstadt seit fast neun Jahren sichtlich nervös begann, vielleicht lag es daran, dass sich - unverständlicherweise - nur wenige seiner alten Weggefährten aus Essener Zeiten im Grend eingefunden hatten, vielleicht hatte es auch ein wenig damit zu tun, dass Drummer Rob ein bisschen kränkelte und es ihm von Song zu Song sichtbar schlechter ging - jedenfalls war es "nur" ein gutes Konzert, aber nicht der rauschende Abend, der es hätte sein können. Ähnlich wortkarg wie in Köln konnte sich das Quartett zwar einmal mehr von Tilmans großartigen Songs - egal ob alte Regierungs-Klassiker wie "Hennarotes Haar", Solo-Höhepunkte wie "Die Stimme" oder neuere Großtaten wie "Du bist es" - tragen lassen, das konnte aber nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass wir einige davon (das inzwischen selten gespielte "Natalie sagt" oder das ansonsten todsichere Highlight "Ich bin das Leben") schon in wesentlich besseren Versionen gehört haben. Richtig überzeugend wurde das Quartett erst, als es unfreiwillig zum Trio schrumpfte. Drummer Rob verabschiedete sich nämlich krankheitsbedingt nach "Willkommen Zuhause" und überließ Folke, Ralf und Tilman bei den Zugaben sich selbst. Und ohne vom geplanten Programm groß abzuweichen, liefen die drei dann doch noch fast zur gewohnten Form auf, spielten alles von "Sie" über "Wittgenstein sagt" bis zum obligatorischen "Loswerden" und verabschiedeten sich erst nach fast drei Stunden mit dem äußerst selten gebrachten "Zug nach Lübeck" (das so selten gespielt wird, dass die drei erst einmal nach den Akkorden forschen mussten) und - nachdem Tilman den Publikumswunsch "Wie glücklich ich bin" mit den Worten "Das spielt nicht in Essen" abgelehnt hatte - mit "1975" als krönendem Abschluss. Spätestens da hatten die meisten die kleinen Schwächen der ersten Hälfte schon wieder vergessen, trotzdem wissen wir: Die vier Herren können's eigentlich noch besser!

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Surfempfehlung:
www.tilman-rossmy.de
www.locasinlove.de.vu
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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