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Konzert-Bericht
 
8 1/2

Nada Surf

Düsseldorf, Zakk
19.03.2003

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Nada Surf
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Ruhe und Gelassenheit Matthew Caws, Daniel Lorca und Ira Elliott wenige Minuten nach ihrer Show aus dem Backstagebereich auftauchen und ewig lange mit ihren Fans – egal, ob alte Bekannte oder neu konvertierte Anhänger – reden, für unzählige Fotos posieren und alles signieren, was im Zakk nicht fest angeschraubt ist. Derweil räumen ihre Knechte auf der Bühne die Instrumente zusammen, was für Matthew Anlass ist, sich an die Zeiten zu erinnern, in denen sie nur zu dritt oder viert in seinem alten Van unterwegs waren, zum Beispiel zwei Tage nonstop von Minneapolis nach Seattle - während eines Schneetreibens. Oder er erzählt von seiner derzeitigen Lieblingsband, The Long Winters (deren - übrigens von Ken Stringfellow produziertes - zweites Album im Mai erscheint), lobt Rachel Haden (ex-That Dog) oder erzählt von seinem größten Moment als Gitarrist, eine Geschichte, in der ein französischer Marktplatz, ein Kirchturm und AC/DC vorkommen...
Mehr als sechs Monate sind die drei New Yorker inzwischen unterwegs, um ihr großartiges letztes Album "Let Go" live vorzustellen, und es werden viele, viele weitere Konzerte in Europa, den USA und Australien folgen. Pausen gibt es dabei keine. Ob er zumindest ein wenig Zeit für einen Nervenzusammenbruch eingeplant habe, wollen wir von Matthew wissen. Er erwidert grinsend: "Der ist für November angesetzt. Ich sage dann: 'Geht jetzt bitte mal alle kurz raus, gleich habe ich meine Panikattacke', hahaha!" Die gelöste Stimmung nach der Show hat sich auch schon auf der Bühne bemerkbar gemacht. Von der gespannten Intensität des Kölner Konzerts im November ist an diesem Abend wenig zu spüren, dafür weiß Matthew – der damals in einem witzigen Spinal-Tap-Moment Hamburg und Köln verwechselt hatte – an diesem Abend sofort, wo er ist, und lobt noch vor dem ersten Song das Düsseldorfer Altbier. Die Meute vor der Bühne nimmt's mit Begeisterung und sorgt gleich bei "Blizzard Of 77" für einen vielstimmigen Chor und ein wenig Gänsehautfeeling. Gleich danach folgt mit "Treading Water" eines der vielen weiteren Highlights von "Let Go", und das ist alles andere als eine Überraschung, hat die Band doch auf die üblichen Din-A-4-Setlists verzichtet und ein großes Flipchart zur überdimensionalen Setlist umfunktioniert, die für alle gut sichtbar am linken Bühnenrand positioniert ist. Manchmal hat es doch Vorteile, in soziokulturellen Zentren und nicht in 08/15-Rockschuppen zu spielen. Das Ganze hat zudem den netten Nebeneffekt, dass Matthew so einige dazwischengebrüllte Publikumswünsche im Keim ersticken kann: "Seht selbst, der Song steht nicht drauf!" Dass Stücke wie "Amateur" oder "Bacardi" sehr wohl auf der Setlist zu finden sind und frenetisch gefeiert werden, versteht sich von selbst, und dass das wunderschöne "Inside Of Love" zu einem weiteren enthusiastischen Singalong ausartet, der auch den dreien auf der Bühne sichtlich Freude bereitet, ist auch keine große Überraschung. Auch ein kurzer Kommentar zum Krieg darf (natürlich) nicht fehlen: "Egal, was man euch sagt, ich kenne keinen einzigen Menschen in den Staaten, der den Krieg unterstützt", erklärt Matthew, "und auch die Demonstrationen, die angeblich so klein gewesen sein sollen, waren riesig!" Nach mehr als einer Stunde geht es mit dem von Daniel - auch an diesem Abend als Freestyle-Hopser wieder geradezu preisverdächtig - gesungenen "Slow Down" in eine erste kurze Pause, die den Teil der Setlist einläutet, der Flipchart-technisch mit "to be announced" vermerkt ist.
Traditionell soll die erste Nummer der Zugabe die ergreifende Ballade "Blonde On Blonde" sein, doch leider meinen einige Menschen neben der Bühne - vermutlich sogar Iras in rauen Mengen angereisten Cousins und Cousinen - genau diese ruhige Nummer für eine alles übertönende Unterhaltung und schallendes Gelächter nutzen zu müssen. Selbst als Matthew den Song kurz unterbricht und die Störer freundlich auffordert, doch vielleicht für einen Moment etwas leiser zu sein, wollen sie nicht verstummen, und so dauert der Songs keine Minute, bis Matthew entnervt aufgibt... Als Entschädigung wird danach kräftig (und ohrenbetäubend) gerockt, und dass sich die drei von dem kleinen Zwischenfall die gute Laune nicht verderben lassen, zeigt auch die Tatsache, dass Matthew - der kurz vor Ende noch einen brandneuen, derzeit unbetitelten Song solo zum Besten gibt - kurz darauf irgendwas von "Demokratie" murmelt und das Publikum um Handzeichen bittet (!), wenn es denn auch noch den ominösen Song hören will, den die Band heute – nach eigener Aussage – nur noch alle Jubeljahre spielt. Mit einer knappen Mehrheit entscheiden sich die Zuschauer im gut gefüllten, aber alles andere als ausverkauften Zakk dafür, und so gibt's dann sogar noch "Popular"! In einer ziemlich miserablen Version zwar, trotzdem erntet der Song allenthalben glückliche Gesichter. Als krönenden Abschluss spielen Nada Surf dann noch den zweiten Versuch von "Blonde On Blonde" (dieses Mal ohne Zwischenfälle) und die Cheap-Trick-Hommage "The Way You Wear Your Head". Und damit geht nach weit über anderthalb Stunden ein weiteres ausgezeichnetes Nada-Surf-Konzert zu Ende. "Auf einer Skala von eins bis zehn war's eine grundsolide 8 1/2", wird Matthew später über den Auftritt sagen. Recht hat er!

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Surfempfehlung:
www.nadasurf.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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