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Konzert-Bericht
 
Filigranarbeit vs. Inferno

Logh
The Kills

Köln, Gebäude 9/ Köln, Normal Records (In-Store)
23.03.2003/ 24.03.2003
Logh
Logh und The Kills auf einer Bühne? Auf den ersten Blick hatten die beiden Bands, die an diesem Abend für ein gut gefülltes Gebäude 9 sorgten, nicht viel gemeinsam - abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass sie beide ganz ausgezeichnet sind. Den Anfang machten die Skandinavier von Logh (vormals Log), deren Tournee zwar schlecht getimt war - ihr erstes, niedlich betiteltes Album "Every Time A Bell Rings An Angel Gets His Wings" erschien bereits letzten Sommer, ihr zweites, "The Raging Sun", erwartet uns erst im Mai - aber das konnte weder den Enthusiasmus der Band noch die Begeisterung des Publikums bremsen. "Wir finden es einfach sehr, sehr wichtig, live zu spielen, deshalb gehen wir auf Tour, wann immer wir können", erzählte Jens Hellgren uns, wenngleich er zugeben musste, dass es ohne Zweifel für Logh bessere Paarungen als The Kills gibt. Jedenfalls waren Logh weit mehr als eine Vorgruppe und spielten nur deshalb zuerst, weil ihre Musik rein lautstärkenmäßig nicht an das Inferno der Kills heranreicht.
The KIlls
Was allerdings nicht heißt, dass die Songs von Logh nur so dahinplätscherten. Auch wenn den Schweden ein Hang zur Langsamkeit Codeine'scher Prägung nicht abzusprechen ist - Logh spielten in Köln geschickt mit Licht und Schatten, und es sind genau diese Gefühlsausbrüche, die das Quartett bereits des Öfteren fälschlicherweise in die Emo-Schublade manövriert haben. Viel interessanter waren da schon die New-Wave-Anklänge in "Off The Ground", die wahlweise an Joy Division oder Interpol erinnerten. Die an diesem Abend erstmals vorgestellten Stücke des kommenden Albums waren allesamt weniger kontemplativ als die des Vorgängers, doch vor allem das Titelstück und die nächste Single mit dem seltsamen Titel "The Contractor And The Assassin" lassen vermuten, dass das schöne Debütalbum der Nordlichter kein Produkt des Zufalls war.

Und dann war es Zeit für die Bonnie And Clyde des Garagenrock. Mit brachialer Power und streckenweise unmenschlicher Lautstärke sägten sich The Kills durch die Drei-Akkorde-Hymnen ihres Debütalbums "Keep On Your Mean Side" und brauchten dazu nicht mehr als ein paar Uraltverstärker, zwei Stimmen und eine (selten zwei) Gitarre(n). Die Beats - in bester, monotoner Jesus-And-Mary-Chain-Tradition - rumpelten vom Band dazu. "Keine Gefangenen"-Rock der allerfeinsten Sorte also, trotzdem sind die Songs von VV und Hotel ebenso simpel wie wirkungsvoll. Ohne große Worte zu verlieren ("Wir sind ein bisschen schüchtern", erklärte Hotel), preschten The Kills durch ihre Songs, als wäre dies kein Konzert, sondern eine Elektroschocktherapie. Kontrastprogramm zu unbarmherzig schrillen Nummern wie "Fuck The People" gab es nur selten. Für den slow blues "Monkey 23" blieb das Rhythmusgewummer vom Band aus, dafür gab Hotel mit einem in seinen Stiefeln eingehakten Tamburin den Beat vor. Für den Song hatten die beiden ihre Mikroständer parallel zur Bühne so nah zusammengerückt, dass sich beim Singen fast ihre Nasenspitzen berührten, doch gleich danach "flüchtete" VV wieder ans andere Ende der Bühne, so dass gut acht Meter zwischen ihr und ihrem Partner lagen. Doch diese Widersprüchlichkeit passt perfekt zur Musik, denn The Kills sind Himmel und Hölle, Zukunft und Vergangenheit des Rock gleichzeitig. Nichts für jeden Tag, aber an diesem Abend: Großartig.

Logh
Einen Tag später machten Logh (dieses Mal ohne The Kills) vor ihrer Weiterreise nach Paris noch kurz bei Normal Records Halt. Ein echter Unplugged-Auftritt war es nicht, denn die vier hatten auch hier ihre Verstärker und ihre Stromgitarren mitgebracht, doch die intime Atmosphäre und die gedämpfte Lautstärke tat vor allem den neuen Songs merklich wohl. Denn anstatt den einfachen Weg zu gehen und sich einfach die ruhigeren Momente ihres ersten Albums für diese kurze Performance auszusuchen, sprangen Logh lieber ins kalte Wasser und spielten eine ganze Reihe neuer Songs zum ersten Mal in reduziertem Arrangement, was des Öfteren zu witzigen, weil auf schwedisch geführten und damit unverständlichen Diskussionen über das Programm sorgte. "The Contractor And The Assassin" jedenfalls klang beim In-Store-Gig noch besser als am Abend zuvor und mit "A Vote For Democracy" hatten die Schweden auch noch ein weiteres Highlight des kommenden Albums für ihr kleines, aber feines Publikum parat. Für die (teilweise) klangliche Neuausrichtung auf ihrem zweiten Album haben die vier, übrigens Anfang April schon wieder zurück in Deutschland, ihre guten Gründe: "Ich denke, die ganz ruhigen Songs sind live einfach langweilig - sowohl für uns als auch für das Publikum", ließ uns Bassist Mathias Oldén wissen. Eine Aussage, die ist wie Logh selbst: Einfach bemerkenswert!
Surfempfehlung:
www.badtasterecords.se/logh
www.thekills.tv
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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