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Konzert-Bericht
 
Ohne Lizenz zum Rocken

Bobby Bare Jr.

Siegen, Lyz
25.04.2003

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Bobby Bare Jr.
So richtig glücklich sah Bobby Bare Jr. vor dem Konzert nicht aus. "Hast du gesehen, als was sie die Show angekündigt haben? Als NEW Country! Du weißt, was das heißt? Wenn wir nicht von der Bühne fliegen wollen, können wir heute nur die ruhigen Nummern spielen!", begrüßte uns der ansonsten stets bestens gelaunte junge Mann aus Nashville. Und richtig, mit dem New Country von LeAnn Rimes oder Garth Brooks hat Bobbys feines Solodebüt "The Young Criminals Starvation League" reichlich wenig zu tun. Noch schwerer wog allerdings, dass Bobby auf dieser Tournee auch nicht der Sinn nach dem Alt. Country-Sound seines Albums stand, sondern nach Rock N Roll.
So hatte er anders als auf dem Album – wo er größtenteils von Lambchop-Personal unterstützt wird – für diese Tournee einen Haufen junger Wilder (Chris Masterson/Gitarre, Tom Pappas/Bass, Doni Schroader/Drums und Cory Younts/Tasten) mitgebracht, um Europa so richtig aufzumischen. Wenn man sie denn gelassen hätte! Schnell stellte sich allerdings heraus, dass das Konzert zwar nicht unbedingt das werden würde, was sich Band und Publikum darunter vorgestellt hatten (ein Typ mit Cowboyhut meinte nach wenigen Songs etwas verstört: "Mit Country hat das aber nur recht wenig zu tun, oder?"), Band und Publikum aber dennoch einen gemeinsamen Nenner finden konnten. Gute Songs, eine sauber eingespielte Band und charmante Ansagen haben schließlich noch niemandem geschadet. Und dafür, dass selbst die auf ihre Kosten kamen, die von Bobby außer seinem Namen nichts kannten, sorgten zudem einige Coverversionen. "What Difference Does It Make" von The Smiths zum Beispiel, das an diesem Abend dem Original erfreulich nahe kam, oder das emotionale Tribute an den verstorbenen Shel Silverstein, "Paiting My Fingernails". Die wahren Highlights waren natürlich Bobbys eigene Songs wie das seinem texanischen Gitarristen Chris gewidmete "Stay In Texas" oder die ultra-groovige Version von "Dig Down", auf dem Album schon der beste Song und an diesem Abend noch um Längen besser, und selbst einige alte Songs seiner grungigen ersten Band Bare Jr. hatte Bobby wieder ausgegraben. Songs, von denen vor allem "Love-Less" zeigte, dass Bobby das Songschreiben nicht erst gestern gelernt hat. Dazu gab es einige Kuriositäten wie "ein Stück aus Amerikas Reggae-Hauptstadt – Nashville", das nicht zuletzt deshalb witzig war, weil der countryfizierte Reggaesong den poetischen Namen "Motherfucker" trug.
Ganz zum Schluss hatte Bobby zum Glück vergessen, dass ihm ein Rock-Verbot auferlegt worden war, und so gab's ein krachiges "Cum On Feel The Noize" von Slade als letzten Song. Der wiederum kam so gut an, dass eine Zugabe fällig wurde, bei der Bobby ohne seine Band ein herzzerreißend schönes Liebeslied für die "schönste Kellnerin in ganz Nashville" spielte (sie heißt übrigens Megan und ist nicht ganz zufällig Bobbys Freundin) und sich anschließend von jedem einzelnen (!) im Publikum per Handschlag verabschiedete! Und für einen kurzen Moment dürfte er sogar froh gewesen sein, dass die Zuschauerzahl den dreistelligen Bereich knapp verfehlte. Das Publikum aber wollte noch mehr, und nachdem Bobby seine Band wieder zusammengesucht hatte ("wenn sie noch alle ihre Klamotten anhaben, spielen wir noch ein Lied"), bat er ganz offiziell um die Erlaubnis, rocken zu dürfen – und das tat er dann auch. Zunächst wurde der 70s-Hit "She's My Best Friend's Girl" von The Cars durch die Mangel gedreht, als krönender Abschluss wurde "Baba O'Reilly" von The Who einmal auseinander genommen und wieder zusammengeschraubt. Spätestens da hätte sich vermutlich so mancher gewünscht, Bobby hätte mit dem lauten Zeug schon früher angefangen, denn auch wenn seine ruhigen Songs ohne Frage über jeden Zweifel erhaben sind, hat dieser Abend in Siegen ganz klar bewiesen: Seine wahre Berufung hat Bobby erst als Rocker gefunden.

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Surfempfehlung:
www.barejr.net
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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