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Konzert-Bericht
 
Konzert des Jahres

Lucinda Williams

Hamburg, Fabrik
15.05.2003
Lucinda Williams
Als das weibliche Pendant zu Keith Richards ist sie beschrieben worden und als Amerikas beste Songschreiberin der Gegenwart. Auf ihrer ersten Europa-Tournee seit Menschengedenken bewies sie bei ihrem Auftritt in Hamburg, warum. Zwar ist es gar nicht so einfach zu erklären, warum dieser Auftritt von Lucinda Williams und ihrer perfekt eingespielten dreiköpfigen Backingband - Doug Pettibone an Gitarre / Pedal Steel / Harmonika, Taras Prodaniuk am Bass und Jim Christie an Drums/Keyboard - so großartig war, fest steht dagegen, dass viele der rund 1 000 Menschen, die an diesem Abend trotz minimaler Promotion seitens des Labels und eines Eintrittspreises von Euro 24,50 an der Abendkasse den Weg in die Fabrik gefunden hatten, kurz nach Mitternacht in der Gewissheit den Heimweg antraten, gerade das beste Livekonzert ihres gesamten Lebens gesehen zu haben. Nein, das ist keine Floskel, und ja, die Show war wirklich SO GUT!
Lucinda Williams
Dabei machte Lucinda eigentlich wenig anders als unzählige andere amerikanische Singer/Songwriter. Der Unterschied war schlicht und ergreifend, dass sie alles, was sie tat, besser - um nicht zu sagen: perfekt - machte. Zudem war sie augenscheinlich gut gelaunt, beschwerte sich ausführlich über das reservierte englische Publikum und war ganz offensichtlich froh, nicht mehr wie in Großbritannien in großen Theatern, sondern in kleinen Clubs wie der Fabrik zu spielen. Wie auf ihren Platten war auch beim Konzert ihre Stimme fast doppelt so laut wie der Rest der Band, was allerdings nur unterstrich, dass sie nicht nur eine erstklassige Songwriterin, sondern auch noch eine hingebungsvolle Sängerin ist, die jede einzelne Note und Zeile singt, als ginge es um ihr Leben, egal, ob es sich dabei um das sanfte "Drunken Angel" (an vielen anderen Abenden der Tournee Kurt Cobain gewidmet), countryeske Uptempo-Nummern wie "Car Wheels On A Gravel Road" (bei dem ihr Tourmanager an der Mandoline aushelfen durfte) oder ganz zum Schluss des regulären Sets das laut Lucinda Paul-Westerberg-inspirierte "Bleeding Fingers" handelte.
Lucinda Williams
Lucinda war sogar so gut, dass sie problemlos auf Stücke wie "Out Of Touch" (die schönste Nummer ihres "Essence"-Albums von 2001), das in der Coverversion von Emmylou Harris bekannt gewordene "Sweet Old World" oder ihren - in der Version von Mary Chapin Carpenter - größten Hit "Passionate Kisses" verzichten konnte, ohne dass sich jemand beschwert hätte. Aber warum auch, wenn es als "Ersatz" nicht nur die besten Momente der letzten drei Alben, sondern auch vereinzelte Rückgriffe auf vergangene Großtaten wie "Changed The Locks" oder das wunderschöne "Side Of The Road" (das sie nur als Duo mit Gitarrist Pettibone spielte) gab? Dass sie sich nach einer Weltklasse-Version von "Lake Charles" allerdings für das große Finale vor allem schwerfällige Bluesnummern aufgehoben hatte, wollte nicht so recht zu dem passen, was sie zuvor so meisterhaft zelebriert hatte. Dass das die Begeisterung des Publikums allerdings dennoch nicht trüben konnte und sich folglich eine lange Schlange bildete, als Lucinda nach ihrem Zwei-Stunden-Auftritt noch geduldig Autogramme gab, unterstreicht nur, wie gut das Konzert gewesen ist - nämlich schlicht und ergreifend Weltklasse.
Surfempfehlung:
www.lucindawilliams.com
www.lonestarwebstation.com/lucinda.html
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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