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Konzert-Bericht
 
Ausgeschlafen!

Evan Dando & Band
Chris Brokaw/ Stars

Frankfurt, Mousonturm
26.05.2003

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Evan Dando
Dreimal haben wir bisher über Konzerte aus Evan Dandos Leben nach den Lemonheads berichtet, das erste war ein teils lustiges, teils mitleiderregendes Desaster, das zweite ziemlich großartig und das dritte nicht wirklich schlecht, aber äußerst unprofessionell. Man durfte also gespannt sein, wie sich der (ehemalige) Indie-Rock-König - erstmals wieder mit einer Band im Rücken - schlagen würde. Dass bei den Konzerten an den Tagen zuvor Coverversionen wie "I'm In Love With Your Mom" von den Angry Samoans oder "Cortez The Killer" von Neil Young (Letzteres übrigens spontan und ungeprobt) im Programm gewesen waren, ließ auch für Frankfurt einiges erwarten.
Zunächst standen jedoch die kanadischen Stars auf der Bühne, die mit ihrem theatralischen Pop, der ihnen in der Vergangenheit bereits Vergleiche mit sowohl Divine Comedy als auch Saint Etienne und sogar Morrissey eingebracht hat, durchaus zu gefallen wussten, ohne jedoch wirklich Begeisterung im Publikum auszulösen. Was vielleicht an der altbekannten Tatsache lag, dass es Vorgruppen (zumal, wenn es zwei an der Zahl sind) immer schwer haben, oder aber auch daran, dass vielleicht schon einige ahnten, dass die guten Sachen, die den Beifall wirklich wert waren, noch kommen würden.

Zum Beispiel in Form von Chris Brokaw, der nicht nur der aktuelle Saitengott in Dandos Band, sondern auch früher Musiker bei Codeine und Come war, sowie immer noch bei The New Year, Consonant, Pullman und Empty House Cooperative aktiv ist. Dass er auch als Solokünstler tolle Platten zu machen versteht, beweist sein brandneues Return-To-Sender-Album "Wandering As Water", das Brokaw an diesem Abend solo, nur bewaffnet mit einer Akustikgitarre und ein um den Fuß geschnalltes Tamburin, vorstellte. Los ging's gleich mit seinem vielleicht besten Stück für Come, "Recidivist", gefolgt von "My Idea", dem Song, den Brokaw für's neue Dando-Album beigesteuert hat (und mindestens so gut sang wie Dando). Und bevor er nach rund einer halben Stunde mit dem großartigen "The Fields" - ein Song, der auch Bob Mould stolz machen wurde - aufhörte, hatte er mit einigen Instrumentals sein großes Können als Gitarrist und mit einigen brandneuen Songs auch sein Talent als Schreiber tiefgründiger, vielschichtiger Popsongs unter Beweis gestellt. Ein hervorragender Auftritt!

An einem (für Dando) schlechten Abend hätte Brokaw seinen "Chef" mit seinem Set locker an die Wand gespielt. Aber Dando, der nachmittags noch nicht einmal zum Soundcheck aufgelaufen war - er fühlte sich zu müde - und es so seiner Band ermöglicht hatte, die Probe mit Stooges- und Van-Halen-Songs zu bestreiten - hatte keinen schlechten Abend. Im Gegenteil, schon kurz nachdem er um 22.45 mit dem deutschen Adler auf der Brust und einem Lächeln im Gesicht alleine die Bühne betreten hatte, um den Hauptteil des Abends mit einem kurzen Solo-Set zu eröffnen war klar: Der Mann ist in Topform. Songs wie "Why Do You Do This To Yourself?" aus dem etwas schwachbrüstigen neuen Album "Baby I'm Bored", Klassiker wie "My Drug Buddy" oder das immer wieder grandiose "Ride With Me" saßen alle wie eine Eins, und kaum waren Brokaw, Dinosaur-Jr-Trommler George Berz und der recht unbekannte Bassist Josh Lattenzi zu Dando auf die Bühne gekommen, fühlte sich so mancher im Auditorium an die klassische Lemonheads-Besetzung mit Nic Dalton und Dave Ryan erinnert. Wo gerockt werden konnte, wurde das getan, wo der Pop-Appeal der Songs im Vordergrund stehen sollte, nahm sich die Band gekonnt etwas zurück. Selbst die "Baby I'm Bored"-Songs klangen klasse, ein Indiz dafür, dass bei der Platte nicht die Stücke an sich das Problem waren, sondern nur die Flickenteppich-Produktion. Und eine ganze Reihe Klassiker à la "Confetti", "Big Gay Heart" oder "Hospital" gab's ebenfalls noch zu hören. Einzig der an sich perfekte Popsong "It's A Shame About Ray" litt unter einem unerwartet harten Sound, aber das war beim abschließenden "Rudderless" schon wieder vergessen. Bevor die Band sich nach einer einzigen Zugabe ("If I Could Talk I'd Tell You") etwas zu früh vom tobenden Publikum verabschiedete, versuchte sich Dando noch im Stagediven, tat dies allerdings so unvermittelt, dass er fast ins Leere sprang...

Ein bisschen länger hätte die Show ruhig sein können, aber was Dando und seine Gang in Frankfurt - auf etwas über eine Stunde komprimiert - ablieferten, war zweifelsohne besser als alles, was Dando in den letzten acht Jahren abgeliefert hat. All killer, no filler!

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Surfempfehlung:
www.evandando.com
wwww.evanlemon.com
www.chrisbrokaw.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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