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Konzert-Bericht
 
Hey, it's the Stones!

The Rolling Stones
AC/DC/ The Cranberries

Oberhausen, O.Vision Zukunftspark
13.06.2003
Rolling Stones Poster
"An diesen Abend werden wir uns noch lange erinnern. An einem einzigen Abend: The Rolling Stones, AC/DC - und die Cranberries", ließ Sängerin Dolores O'Riordan die 70 000 Zuschauer auf der Oberhausener Industriebrache mit dem geschönten Namen O.Vision Zukunftspark wissen. Und in der Tat schien dieses einmalige Erlebnis die Cranberries zu beflügeln, denn der 45-minütige Auftritt der Iren machte wesentlich mehr Spaß als noch ihr Hallenkonzert letztes Jahr in Düsseldorf. Besonders Dolores (auf deren Shirt witzigerweise vorne ihr Vorname und auf dem Rücken ihr Nachname stand) war in Topform, rannte unermüdlich von einer Seite der riesigen Bühne zur anderen und steckte mit ihrer guten Laune auch das Publikum sofort an. Denn seit wann, bitte schön, gibt es Singalongs beim Supportact des Supportacts? (Um die Frage selbst zu beantworten: Vermutlich, seitdem auch diese Bands mehr als 30 Millionen Tonträger verkauft haben). Bei der Songauswahl hatten sich die Cranberries geschickterweise auf ihre Uptempo-Nummern konzentriert und räumten mit "Zombie", "I Can't Be With You", "Salvation" oder "Promises" gehörig ab. Atempausen wie "Linger" blieben - wenngleich sehr willkommene - Ausnahmen.
Danach wurden fix die popmusikalisch wertvollen Vox-Verstärker der Cranberries aus dem Weg geräumt und zwei riesige Marshall-Türme aufgebaut. Neun auf der einen Seite, zehn auf der anderen. Die Bühne war bereit für ein einmaliges Schauspiel. Zum ersten Mal seit 1980 spielten AC/DC ein Konzert, bei dem sie nicht der Headliner waren. Die Erklärung dafür gibt's auf der bandeigenen Website nachzulesen, und die ist ebenso simpel wie treffend: "Hey, it's the Stones!" Für knapp 90 Minuten machten die fünf Australier genau das, was sie am besten können - AC/DC sein. Die Gesten, die Gimmicks, die Songs - alles war altbekannt, und trotzdem brauchte es nur ein paar Sekunden, um die meisten im Publikum davon zu überzeugen, dass die Stones den Beinamen "The Greatest Rock N Roll Band In The World" vermutlich nur deshalb für sich beanspruchen können, weil es sie zehn Jahre länger gibt als die Band um Malcolm und Angus Young. Die jedenfalls brannten pünktlich zum 30-jährigen Bühnenjubiläum ein Feuerwerk aus Hits und Hymnen ab, das seinesgleichen sucht. Klingt nach Floskel, war aber so. Oder wo sonst gibt es eine Band, die es sich erlauben kann, in den ersten 12 Minuten ihres Auftritts Hammersongs wie "Back In Black", "Dirty Deeds Done Dirt Cheap" und "Thunderstruck" zu verballern, ohne anschließend Gefahr zu laufen, das Tempo nicht halten zu können? Apropos Tempo: Abgesehen von dem Blues "The Jack" jagte erwartungsgemäß ein Riffrocker den nächsten: "Hell's Bells" (ja, selbst ihre gottverdammte Glocke hatten sie mitgebracht), "Bad Boy Boogie" (ja, auch als Supportact zieht Angus seine berüchtigte Striptease-Nummer durch), "Whole Lotta Rosie" (ja, auch der eingefleischte Stones-Fan kann selbst unter extremstem Sonnen- und Alkoholeinfluss noch an der richtigen Stelle "ANGUS!" brüllen) oder "Highway To Hell" (ja, die Band rockte wie Hölle). Nicht zuletzt auch deshalb, weil das 12 Jahre alte "Thunderstruck" das einzige "neue" Stück bleiben sollte. Alle anderen waren mindestens 22 Jahre alt, der Großteil stammte sogar noch aus der Bon-Scott-Phase. Aber darüber, dass die fünf gleich die Hälfte des "Let There Be Rock"-Albums spielten, wollte und konnte sich nun wirklich niemand beschweren. Und so war dann auch eine Zugabe fällig, die besser gewählt nicht hätte sein können. Mit Kanonenschlägen (ja, auch die Kanonen hatten sie mitgebracht) wurde zu den Stones übergeleitet: "For Those About To Rock (We Salute You)"! All killer, no filler.
Doch bevor die Herren Jagger, Richards, Wood und Watts (plus reichlich zusätzlichem Personal in Form von Darryl Jones am Bass, Chuck Leavell an den Tasten, einer Horn Section und drei Backingsängern) dann endlich auf der Bühne standen, ging erst einmal eine Stunde ins Land, was vermutlich mit "Wir mussten dem Veranstalter versprechen, um 21.30 auf der Bühne zu sein, aber natürlich gehen wir erst raus, wenn um 21.50 die Sonne untergegangen ist!" zu erklären ist. Ob es an dieser langen Pause gelegen hat? Jedenfalls verpufften ansonsten todsichere Kandidaten wie "Brown Sugar" und "Start Me Up" zu Beginn völlig, und selbst der von Jagger initiierte Singalong bei dem einzigen neuen Song des Abends, "Don't Stop", klang etwas gequält, vermutlich auch deshalb, weil Richards und Wood völlig aus dem Takt waren. Richtig gut wurden sie erst bei "Bitch" und "You Can't Always Get What You Want", doch selbst das war nur eine Aufwärmübung für die endlos lange, aber trotzdem ganz ausgezeichnete Bluescoverversion von "Rock Me Baby", bei der Malcolm und Angus Young mit auf der Bühne standen und mit Richards und Wood eine feine Jam-Session abzogen. Richards kurzes Soloset wurde kurz darauf zum Höhepunkt der gesamten Veranstaltung - "Thru & Thru" hatte wesentlich mehr emotionalen Tiefgang als beispielsweise Jaggers "Angie" (und der Vollmond, der hinter Richards auf der Großbildleinwand über der Bühne sichtbar wurde, tat stimmungsmäßig ein Übriges), und bei "Before They Make Me Run" war endlich auch Ronnie Wood aufgewacht und glänzte mit einem langen Solo.

Danach läutete die Band das große Greatest-Hits-Set ein. "Sympathy For The Devil" durfte ebenso wenig fehlen wie "Gimme Shelter" (das trotz eines tollen Solos von Backgroundsängerin bzw. Duettpartnerin Lisa Fisher auch schon mal strammer geklungen hat), "Honky Tonk Women" oder "Satisfaction". Dazwischen ging's noch kurz auf die mitten im Publikum aufgebaute "B-Stage", wo Jagger kraftloser, aber der Rest der Band viel packender klang und wo klasse Versionen von "It's Only Rock N Roll" und "Midnight Rambler" zum Besten gegeben wurden. Als Zugabe kam es nach mehr als zwei Stunden "Jumpin' Jack Flash". Neben der Musik hatte es alles gegeben, was zu einem guten Stones-Konzert dazugehört: Flammenwerfer bei "Sympathy For The Devil", versaute Comics (und eine gepiercte Stones-Zunge) auf der Leinwand bei "Honky Tonk Women", Konfetti-Regen bei "Satisfaction" und das obligatorische Feuerwerk nach der Zugabe. Auch das typische Jagger'sche Verrenkungsprogramm durfte nicht fehlen. Anders als früher bewegte er sich allerdings wesentlich effizienter. Seine berühmte Spurts auf den Laufstegen gab es in Oberhausen jedenfalls nicht. Dazu quasselte er wieder viel auf Deutsch, lobte das "geile Publikum" oder wollte wissen, ob wir unsere "Ärsche bewegen wollen". Ob solche Einlagen nun großartig oder überflüssig sind, mag jeder für sich selbst entscheiden. Nach den Auftaktkonzerten in München, bei denen selbst der Auftritt im Olympiastadion von langjährigen Kennern der Materie als Offenbarung eingestuft worden war, muss man für Oberhausen sagen: Gut war's, aber die angekündigte beste Show aller Zeiten ganz sicher nicht. Besonders auf der "Bridges To Babylon"-Tour hatten die Stones in der Rhein-Ruhr-Area mehr überzeugen können. Dass es nicht zuletzt wegen der zwei ausgezeichneten Supportacts dennoch ein unvergesslicher Abend war, steht außer Frage. Auch wenn es vielleicht unter dem Strich hätte besser sein können, lässt sich eine Tatsache dennoch nicht wegdiskutieren: "Hey, it's the Stones!"

Surfempfehlung:
www.rollingstones.com
www.iorr.org
www.frayed.org
www.ac-dc.net
www.acdc-germany.de
www.cranberries.ie
www.zombieguide.de
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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