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Konzert-Bericht
 
"Mir geht es gut"

Tom Liwa

Bochum, Bahnhof Langendreer
19.10.2000
Es war 21:00 Uhr und Tom Liwa stand schon seit einer knappen halben Stunde auf der Bühne und spielte, aber irgendetwas fehlte. Es hatte ganz einfach noch nicht "klick" gemacht. Und das war aus verschiedenen Gründen schade. Zum einen hatte Tom bereits einige seiner besten Songs gespielt, die aber leider wie Seifenblasen zerplatzt waren. "Eng in meinem Leben"...peng! "Kamera"...peng! "Liane" war ein besonderes Desaster, ist doch die Soloversion eh immer ein Balanceakt, und obwohl Tom damit die ersten schüchternen Lacher erntete, konnte auch dieser Song die Verbindung (noch) nicht herstellen. Zum anderen sah Tom mit seinem Schlabber-Sweatshirt und den umgekrempelten Jeans wirklich großartig aus auf der leeren, aber ausgezeichnet ausgeleuchteten Bühne des Bahnhofs. Die Atmosphäre stimmte jedenfalls und das Ambiente schien eigentlich viel besser für ein Liwa-Konzert geeignet als das Subrosa in Dortmund, wo Tom im Frühjahr zweimal gespielt hatte. Was fehlte, war die Kommunikation.
Irgendwann merkte Tom das dann wohl auch und sagte, sinngemäß: "Auch wenn ich vielleicht etwas verkniffener gucke und zwei, drei Sätze weniger sage als bei anderen Konzerten - ES! GEHT! MIR! GUT!" Dass es bis zu diesem Zeitpunkt ganz offensichtlich nicht so war, spielte eigentlich keine Rolle, denn damit war das Eis gebrochen und auch Tom taute merklich auf. So war dann der zweite Teil des Konzertes wesentlich besser als der Beginn, obwohl, oder gerade weil sich Liwa dort auf die Songs des aktuellen Albums "St. Amour" konzentrierte und uns ein paar Ausblicke auf sein im kommenden Frühjahr anstehendes neues Werk gewährte. "Making Of..." ("es handelt - glaube ich - vom Dreh meines letzten Videos, aber so ganz klar ist mir das noch nicht") erinnert in seiner Form ein bisschen an die ewig langen Songs von Bob Dylan 1965, die Zeilen mit Wortspielen und versteckten Anspielungen vollgepackt und der Text viel wichtiger als die Musik. Das als nächste Single anvisierte "Funky, Funky, Sexy" fiel dagegen in der Liveversion etwas ab, weil der ironische Touch des Songs nicht ganz klar wurde. Als besonderen Gag hatte Liwa auch den neuen Song "Maja" mitgebracht, den er als Geburtstags-Auftragsarbeit für die Freundin seines Lieblingsfotografen geschrieben hatte. Nicht nur, dass der recht Liwa-untypische Song sehr nett war, vor allem die Erklärung dazu war äußerst amüsant. Immerhin erklärte der Duisburger Troubadour dem Publikum allen Ernstes, dass er Geburtstagssongs so ziemlich für jede Frau schreiben würde, "für 500 bis 800 Mark". Es gäbe allerdings auch eine kostenlose Variante, nämlich die, dass er sich in die Freundin des Auftraggebers verlieben würde...

Mit "Während Du schliefst" verabschiedete Liwa sich dann nach gut anderthalb Stunden, nicht ohne vorher noch das geniale "Zuhause" von Florian Glässing gespielt zu haben. Das obligatorische "das ist mein letztes Lied" wurde von diversen Beileidsbekundungen aus dem Publikum begleitet, worauf Tom nur lässig meinte: "Ihr habt doch nicht geglaubt, dass das hier für 15 Mark noch Tage so weitergeht. Außerdem gehe ich jetzt doch eh nur von der Bühne, zähle bis 24 und bin dann wieder da!" Und natürlich kam er zurück (so schnell, dass man nur bis 15 zählen konnte), spielte "Für die Linke Spur zu langsam", obwohl er den Song anscheinend inzwischen nicht mehr so mag, erzählte die inzwischen bereits allseits bekannte Geschichte der drei Meter großen Frau und wollte dann mit "Nicht müde genug" den Abend eigentlich beenden. Inzwischen war das Publikum aber so enthusiastisch, dass er für eine weitere (echte) Zugabe zurückkam, und "als letzten Song, den ihr noch aus mir rauspressen könnt", gab es eine sehr, sehr seltsame Wahl. Bob Dylans "New Pony" nämlich, wenngleich in einer sehr guten Version.

Schade nur, dass der Anfang etwas träge war, denn ansonsten war der Auftritt in Bochum eines der rundesten Liwa-Konzerte, die ich seit langem gesehen habe.

Text: -Carsten Wohlfeld-



 
 

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