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Stars zum Anfassen

R.E.M.

Köln, Medienzentrum Schanzenstraße, Brainpool TV Studio
24.10.2003
R.E.M.
Nächste Woche gibt es "In Time - The Best Of R.E.M. 1988-2003", Grund genug für die legendäre Band, nach ihrer triumphalen Sommertournee noch einmal für einen kurzen Abstecher in die alte Welt zurückzukehren und einige Promo-Konzerte vor geladenen Gästen zu absolvieren. Der Auftritt in Köln - das einzige Konzert in Deutschland diesen Herbst - hätte eigentlich am 23.10. und im Rahmen der Viva-Sendung "Overdrive" stattfinden sollen. Doch wie das heute nun mal so ist - anstatt dass die Band froh ist, Werbung für ihr Album zu bekommen, und der Sender sich freut, eine so großartige Band exklusiv präsentieren zu können - man wurde sich nicht einig.
R.E.M. wollten trotzdem spielen, und so wurde die Show kurzerhand zum Radiokonzert (des Lokalradios NRW) umfunktioniert. Und weil man eh bei Stefan Raab zu Gast war, wurde das Konzert gleich am Set von "TV Total" aufgezeichnet. Zu nächtlicher Stunde übrigens, denn als die sechs Herren endlich die Bühne betraten, war es längst nach Mitternacht. Eine Handvoll Verlosungsgewinner, ein paar Dutzend Fanclub-Mitglieder und die üblichen Parasiten der Labels und Medien nahmen's dennoch mit Begeisterung auf - wann bekommt man schließlich eine der größten Bands der Welt schon mal vor rund 150 Leuten zu sehen? Eine Sternstunde war der Auftritt zwar nicht unbedingt, aber trotzdem weit mehr als eine Pflichtübung. So meinte Michael Stipe zwar noch nach dem flotten Beginn mit "What's The Frequency, Kenneth" und dem neuen "Animal", dass er heute weitestgehend auf Showeinlagen verzichten würde, damit alles im Radio möglichst sauber rüberkäme. Doch spätestens bei der großartigen neuen Single "Bad Day" war sie dann wieder "in full swing", die berühmte Stipe-Motorik. Lächelnd kündigte er "Daysleeper" als den Song an, der am schwierigsten zu singen sei, nur um nachher ebenfalls grinsend verlauten zu lassen, dass er ganz zufrieden mit sich sei, immerhin habe er neun von zehn Noten richtig getroffen...

Dass sich das Programm in erster Linie am Tracklisting der neuen Best-Of-Scheibe orientieren würde, war klar, kein Wunder also, dass "Orange Crush" (mit dem bekannten Megaphon-Einsatz) als "Oldie" frenetisch gefeiert wurde. Auch dieses Konzert im kleinen Kreis endete wie alle Sommershows mit "Walk Unafraid" und "Man On The Moon", bevor die Zugaben dann endlich noch ein paar echte Überraschungen zu Tage förderten. Das ansonsten selten gespielte, aber gerade derzeit politisch sehr treffende "Exhuming McCarthy" zum Beispiel oder "Nightswimming", dargeboten in Gänsehaut-Trio-Besetzung mit Stipe am Mikro, Mike Mills am Klavier und Ken Stringfellow an den Keyboards. Den Song mussten die drei übrigens zweimal ansetzen, nachdem Stipe mit dem Monitorsound ganz und gar nicht einverstanden gewesen war und das Stück nach wenigen Zeilen zunächst abgebrochen hatte. Danach hätte mit "Imitations Of Life" ("Unser erster Nummer-1-Hit in Japan", erklärte Stipe dazu, und in das aufkommende Gelächter hinein fügte er noch hinzu: "Wer's nicht glaubt, kann einen Google-Search machen - auf Japanisch!") eigentlich Schluss sein sollen, doch wegen des versägten Songs zuvor plagte die Band offensichtlich ein schlechtes Gewissen, und so gab es noch eine ungeplante Extra-Zugabe.

R.E.M. Setlist Köln
Und nicht nur, weil die sechs das Lieblingsstück eures Korrespondenten spielten, war's eine ganz ausgezeichnete Wahl: Kurz vor halb zwei Uhr morgens hätte nämlich nichts besser gepasst als der uralte, aber immer noch schwer rockende kleine Punkrocksong "Permanent Vacation", den die Band nach zwanzigjähriger Spielpause dieses Jahr endlich wieder ausgegraben hat. Bei den letzten Takten gab es im Publikum dann auch kein Halten mehr, und plötzlich sah sich die Band auf der (ebenerdigen) "Bühne" von Fans umzingelt. Die Herren nahmen es allerdings mit Humor. Stipe verteilte bereitwillig seine wie immer auf einem Notenständer bereitgehaltenen Liedtexte, und Mills schrieb eifrig Autogramme. Superstars zum Anfassen. So haben wir's gerne!
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Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Anton Corbijn-


 
 

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