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In guter Gesellschaft

Sophia

Berlin, Oxymoron
19.11.2003
Sophia
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, zum Beispiel wie die Veröffentlichung des lang erwarteten vierten Sophia-Albums "People Are Like Seasons", das Mitte Januar 2004 in die Läden kommt. Vor ein paar Dutzend geladenen Gästen im Berliner Oxymoron gab Mastermind Robin Proper-Sheppard mit seinem Sidekick am Keyboard, Will Foster, nun schon einmal einen ersten Einblick in das neue Werk. Und auch wenn die großartig produzierten Songs des Albums in ihren Studioversionen wesentlich üppiger klingen, ließ die leider nur sehr kurze Sophia-Performance in den Hackeschen Höfen dennoch einige interessante Rückschlüsse zu.
Zum Beispiel auf Robins derzeitiges Seelenleben. Denn auch wenn der kurze Auftritt ausgerechnet mit "I Left You" begann, zeigten die neuen Songs und Robins Ansagen doch klar, dass die superdüstere Phase, die uns die ersten beiden Sophia-Studioalben bescherte, nun ein für allemal passé ist. Dass Robin die alten Songs und die damit verbundenen Stimmungen und Gefühle trotzdem noch viel bedeuten, zeigten die Rückgriffe auf alte Songs, die bei dieser Art von Showcase eigentlich gar nicht unbedingt nötig gewesen wären. Trotzdem spielte Robin intensive Versionen von "If Only" und "So Slow", die einen hörbaren Kontrast zu den neuen Songs wie "Swept Back" (mit seinem wunderschönen E-Piano-Sound eines der Highlights des Albums) oder "Fool" bildeten. Dass nach gut der Hälfte der Show der Lärmpegel im Oxymoron merklich stieg (geladene Gäste halt!), irritierte Robin sichtlich, wenngleich er nur schelmisch bemerkte, dass es ihm richtig Spaß mache, mit der Lautstärke-Kulisse des Publikums zu spielen: In den ruhigeren Momenten wurde es nämlich auch im Publikum merklich leiser, bei den lauteren Passagen wurden auch die Unterhaltungen hörbar lauter. Mit dem Schlussstück des neuen Albums, "Another Trauma", verabschiedete sich Robin, der das Intro des Songs gehörig versägte, obwohl er auf der neuen Platte erstmals alle Gitarren alleine spielt, nach gut einer halben Stunde dann leider schon wieder. Nicht allerdings, ohne noch einen Vorschlag für die restliche Abendgestaltung loszuwerden: "Und nun lasst uns alle City Slangs Bier trinken, deswegen sind wir ja hier!" Wenn er sich da nicht mal vertan hat. Wir freuen uns jedenfalls auf ein Wiedersehen bei der im Februar anstehenden Band-Tournee!
NACHGEHAKT BEI: SOPHIA

Bevor sich der Kollege Ullrich Maurer zur Veröffentlichung des Albums "People Are Like Seasons" Mitte Januar in einem ausführlichen Feature mit Sophia beschäftigen wird, stellten wir Robin am Tag nach dem Berliner Showcase schon einmal vorab einige Fragen.

GL.de: Gestern stand nur Keyboarder Will Foster neben dir auf der Bühne. Nachdem die Besetzung ja in der Vergangenheit des Öfteren wechselte: Wer gehört denn nun derzeit - live und im Studio - zu Sophia?

Robin: Will Foster, Jeff Townsin und ich waren der Kern der Besetzung, die das neue Album aufgenommen hat. Und die beiden sind ja nun schon ziemlich lange dabei. Laurence O'Keefe von Levitation und Dark Star hat Bass gespielt, und mit Calina De La Mare, die schon die Streicher-Arrangements für "De Nachten" gemacht hat, habe ich sehr eng bei den Arrangements zusammengearbeitet. Es war also ein wesentlich engerer Kreis von Leuten beteiligt. Das Kollektiv wird zwar immer noch größer, aber irgendwie schrumpft es gleichzeitig auch. Auf der [im Februar startenden] Tournee wird neben Will und Jeff vermutlich auch Laurence dabei sein - wobei man sich bei Bassisten nie so sicher sein kann, sie sind manchmal schwer zu finden -, und Adam Franklin von Toshack Highway und Swervedriver wird [wie schon auf früheren Sophia-Tourneen] als Gitarrist mitkommen.

GL.de: Apropos andere Musiker: Auf der neuen Platte reichen die Bezugsquellen von Neil Young über Rückgriffe auf den Sound deiner alten Band God Machine bis hin zum Garage Revival. Gab es in letzter Zeit Platten, die du als besonders stimulierend empfunden hast?

Robin: Ich halte sie zwar nicht unbedingt für die coolste Band, aber ich muss gestehen, dass ich die letzte Coldplay-Platte ungemein inspirierend fand. Noch nicht einmal musikalisch, aber die Platte strahlt so eine gewisse Ehrlichkeit aus. Sie ist sehr episch, aber dennoch simpel. Ich mag das. Und das letzte Johnny-Cash-Album ist natürlich auch unglaublich.

GL.de: Gestern hast du scherzhaft gesagt: "Und nun lasst uns alle City Slangs Bier trinken, deswegen sind wir ja hier". Wie kam es zu der Entscheidung, das neue Album nicht wie die Vorgänger auf deinem eigenen Flowershop-Label, sondern eben via City Slang zu veröffentlichen?

Robin: Ich habe lang mit Christof [Ellinghaus, dem City-Slang-Macher] gesprochen und mich danach immer wieder gefragt: Will ich an diesem Punkt in meinem Leben einen solchen Vertrag unterschreiben? Christof hat mein Dilemma sehr gut verstanden, aber er meinte auch: 'Wenn du es machen willst, dann sollte es jetzt sein! Lass uns sehen, ob wir das zusammen hinbekommen!' Ich sagte zu ihm: 'Aber was ist, wenn ich dann auch nur 30 000 Platten verkaufe, wie ich es selbst über den Flowershop geschafft habe? Dann würdest du mich für einen Versager halten!' Darauf meinte Christof nur: 'Was denkst du, wie es mir geht? Du bist dieser coole Indie-Typ, der in seinem Leben noch keinen Penny für Marketing ausgegeben hat und trotzdem so viele Platten verkauft. Ich stehe doch auch unter Druck. Wir sitzen beide im selben Boot!' Ein Telefonat gab dann den Ausschlag. Ich saß zu Hause und grübelte darüber, ob ich das Angebot annehmen sollte. Am nächsten Morgen rief Christof vom Flughafen in Nashville an - er war gerade auf dem Weg zu Lambchop - und fragte, während er wirklich am Flughafen stand: 'Was ist nun mit unserem Deal?' Da dachte ich: Das ist Schicksal, das ist Karma, let's do it! Außerdem ist Wyndham [Wallace, der City Slang UK leitet] seit langem ein guter Freund von mir. Er sagt immer scherzhaft, dass er mich schon seit acht Jahren unter Vertrag nehmen wollte. Dabei gibt es Sophia erst seit sieben Jahren...

Surfempfehlung:
www.sophiamusic.tk
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Stefan Claudius-


 
 

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