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Konzert-Bericht
 
Draußen auf der Koppel mit:

Dirk Darmstaedter & Bernd Begemann

Dortmund, Cosmotopia
23.12.2003
Darmstaedter & Begemann
Dass Dirk Darmstaedter und Bernd Begemann gar keine so ungleiche Paarung sind, wie vielleicht einige im Vorhinein dachten, haben sie bereits mit ihrem ausgezeichneten Album "This Road Doesn't Lead To My House Anymore" bewiesen, doch dass die zwei die Platte live noch würden übertreffen können, hätten wohl die wenigsten erwartet. Mit dem vorweihnachtlichen Tourneeabschluss-Konzert im heimeligen Ambiente des gut gefüllten Cosmotopia taten sie allerdings genau das. Und zwar locker. Dabei hatte die Show erst um kurz vor zehn statt, wie auf dem Poster angekündigt, um 20.00 Uhr begonnen, weil die Band einige Probleme mit ihrem fahrbaren Untersatz hatte.Also begann die Frage mit der durchaus ernst gemeinten Frage, ob vielleicht jemand im Publikum direkt nach der Show mit einem geräumigen Kombi Richtung Hamburg fahre, was – vorwiegend im Publikum und ob der müden Resonanz nicht unbedingt auf der Bühne – für Heiterkeit sorgte. Letztendlich konnte der Tontechniker und Tourmanager doch noch einen Mietwagen auftreiben, auch wenn er fast die halbe Show dafür benötigte und die Band folglich ohne technischen Betreuer am Mischpult spielen musste.
Darmstaedter & Begemann
Dass der Sound trotzdem auch zu Anfang schon vorzüglich war, lag nicht zuletzt daran, dass Darmstaedter und Begemann eine großartige Band zusammengestellt hatten. Wie schon auf der Platte begleiteten das Duo nämlich Besser-Drummer Lars Plogschties am Schlagzeug und Folke Jensen ("In Hamburg nennt man ihn Folke 'Gott' Jensen, und jetzt wisst ihr auch, warum", sollte Begemann später sagen) vom Tilman Rossmy Quartett an Lap Steel und Stromgitarre sowie Frank Schmiechen am Bass. Die legten gleich mit zwei der besten Nummern des Albums ("I Got A Name" und dem Titelstück) los, und auch wenn abstimmungstechnisch nicht immer alles hundertprozentig stimmte, machten die fünf das doch mit Spielfreude und Feeling locker wieder wett. Dabei harmonierten Darmstaedter und Begemann auf der Bühne nicht nur gesanglich überraschend gut: Trotz Begemanns Hang zum Klamauk, den er auch in dieser Besetzung voll auslebte, und Darmstaedters Bemühen, ein ernsthaftes Konzert abzuliefern, hatte man selten das Gefühl, dass sich die zwei ins Gehege kamen. Vermutlich, weil ihre Liebe zur (gleichen) Musik stärker ist.

Vor dem Konzert liefen feine Sachen wie Lloyd Cole, die Go-Betweens, The Thrills oder Jay Farrar vom Band, und auch für das Konzert hatte das Duo eine ganze Reihe hochkarätiger Weihnachtsgeschenke in Songform für uns parat. So spielten sie zum Beispiel "The Tracks Of My Tears" (die beste Nummer von Smokey Robinson & The Miracles überhaupt), und das ziemlich perfekt. Oder sie brachten Buddy Hollys "Everyday" (mit Schmiechen am Sperrmüll-Banjo und Begemann mit stilechten Handclaps), eine tolles "Play With Fire" von den Rolling Stones und sogar eine ziemlich taugliche Oasis-Coverversion, mit Darmstaedter als nicht nur frisurtechnisch passendem Noel-Double und Begemann als Tamburin-schwingendem Liam-Ersatz. Nett auch, dass die zwei jeweils die Songs ihres Partners ankündigten, wobei Bernd seine Entertainer-Qualitäten bei Sätzen wie "Im nächsten Song erzählt euch Dirk, was er alles gemacht hat, bevor er hingerichtet wurde" nicht nur vor "Fade Away" voll ausspielen konnte. Überhaupt gelangen die Country-Rock-Avancen des Duos und seiner Mitstreiter ungewöhnlich gut. In ähnlich authentischer Form, die dennoch nicht nach Kopie klingt, bekommt man das hierzulande sonst nur noch von Tilman Rossmy zu hören. Also erzählten die "Kleinstädtler" Darmstaedter und Begemann bei "Thank God I'm A Country Boy" vom "morbiden Leben draußen auf der Koppel" und näherten sich damit langsam aber sicher nach der schönen Begemann-Ballade "True Love Is Quiet" als Abschluss des regulären Programms dem Freeform-Teil ihrer Darbietung.

Darmstaedter & Begemann
Für die Zugaben ließen die zwei Protagonisten nämlich ihren Vorsatz, ihre Songs ausschließlich in englischer Sprache darzubieten, kurzerhand über Bord gehen und brachten Ted Herolds Version von "Little Linda", bevor Begemann mit "Und jetzt nur noch die Hits" das große Finale einläutete. Also spielte zuerst Darmstaedter seinen größten Jeremy-Days-Hit "Brand New Toy" (mit einer schönen "For What It's Worth"-Coda) und dann Begemann das unausweichliche (aber ebenso immer wieder großartige) "Unten am Hafen", bei dem er das Publikum mit einem hundertprozentig ernst gemeinten "Eure letzte Chance, dieses Jahr bei einem guten Lied mitzusingen" zum Singalong aufforderte. Wie schon bei einem gemeinsamen Auftritt in Hamburg vor Jahren versuchten sich die zwei dann auch noch an "Into Your Arms" von den Love Positions bzw. Lemonheads und "So geht das jede Nacht" von Freddy Quinn (!), bevor Darmstaedter den rundum gelungenen Abend nach rund zwei Stunden mit einer Duo-Reprise von "This Road Doesn't Lead To My House Anymore" eigentlich stilvoll ausklingen lassen wollte. Kurz zuvor hatten die beiden allerdings in der Plattenkiste des Cosmotopia zwei alte Glen-Campbell-Scheiben gefunden, was zu einer anfangs ziemlich schiefen (weil komplett ungeprobten), aber dennoch sehr, sehr willkommenen Version von "Wichita Lineman" mit Begemann an der Gitarre und Darmstaedter am Schlagzeug (!) führte. Alles in allem ein Abend, der nach Wiederholung ruft, denn auch wenn Darmstaedter Begemann zum Schluss lachend als "meinen neuen Ex-Partner" vorstellte, ist diese Kombination eine zu gelungene, um sie nach nur einem Album schon wieder aufzugeben!
Surfempfehlung:
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Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-

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