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The next big thing

Roman Fischer

Köln, Blue Shell
25.02.2004

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Roman Fischer
An einem Aschermittwoch in Köln, noch dazu im Blue Shell, ein Konzert zu veranstalten, ist eine gewagte Sache. Vor allem, wenn es sich beim auftretenden Künstler um einen Newcomer handelt, von dem es noch keinen einzigen Tonträger im Handel gibt. Trotzdem schaffte Roman Fischer es, mehr Leute zum Kommen zu bewegen, als es vor Jahren den Sportfreunden Stiller bei ihrem ersten Auftritt in der Domstadt gelungen war. Beste Aussichten also für eine traumhafte Karriere?
Eigentlich schon, denn Roman ist nicht nur eine äußerst angenehme Erscheinung, er hat auch noch die richtige Frisur und - natürlich am wichtigsten - die richtigen Songs, um groß herauszukommen. Anders als auf seinem voraussichtlich im April auf Blickpunkt Pop erscheinenden Debütalbum "Bigger Than Now", auf dem der Teenager aus Augsburg fast sämtliche Instrumente selbst spielt und sich nur vereinzelt von Könnern wie Tobi Kuhn oder Jem unter die Arme greifen lässt, wissen seine Konzerte durch eine wesentlich intimere Atmosphäre zu überzeugen. Zwischen Akustikgitarre und Klavier wechselnd und von seinem einzigen Mitstreiter Hans-Peter an der zweiten Gitarre begleitet, kann sich Roman aber auch live ganz auf die Qualität seiner Songs verlassen. Die Abwechslung des Albums - dessen ruhige Songs uns an dieser Stelle bereits zu Vergleichen mit Maximilian Hecker hingerissen haben und deren Uptempo-Nummern mit den besten Miles-Songs mithalten können - kam an diesem Abend in Köln natürlich nicht ganz so heraus, wohl aber, dass Songs wie das Titelstück "Fashion" oder - vielleicht das Highlight der Platte - "Over Now" in jedem Arrangement hörenswert sind, zu zweit genauso wie mit einer vollen Band. Dass sich Roman und Hans-Peter im Wesentlichen darauf beschränkten, Songs des Albums zu spielen, bedeutete, dass nach rund einer halben Stunde leider schon alles wieder vorbei war. Aber zu einer Zugabe ließ sich Roman - dieses Mal alleine auf der Bühne - zum Glück dann doch noch bewegen. Für die Zukunft hat sich Roman vorgenommen, die passende Band (und einen vernünftigen Proberaum) für seine Musik zu finden, aber auch schon jetzt, egal ob alleine oder als Duo, sollte man diesen jungen Mann live nicht verpassen!
BACKSTAGE WITH: ROMAN FISCHER

Vor dem Konzert im Blue Shell plauderte Gaesteliste.de mit Roman nicht nur über sein erstes Album "Bigger Than Now".

GL.de: Heute Abend tretet ihr noch zu zweit auf, in Kürze aber sind auch Konzerte mit einer kompletten Band geplant…

Roman: Ich trete jetzt seit gut drei Jahren live auf, und eigentlich war der Wunsch, mit einer Band zu spielen, schon von Beginn an da. Anfangs kannte ich allerdings nicht die richtigen Leute, inzwischen kenne ich sie, aber es ist in Augsburg nicht einfach, einen Proberaum zu finden.

GL.de: Die Aufnahmen von "Bigger Than Now" hast du trotzdem fast sämtlich im Alleingang gemacht. Hast du da von Anfang an den Song schon fertig im Kopf, bevor du anfängst, ihn "schichtweise" einzuspielen?

Roman: Wenn ich das Lied schreibe, dann ist das oft mit einer Inspiration durch eine andere Band verbunden, deshalb ist schon ganz am Anfang ein Klangbild da. Ich weiß, in welche Richtung es gehen soll. Die richtig magischen Momente, die die Musik ausmachen, entstehen allerdings erst im Studio, wenn man dort sitzt, die Lieder spielt und auf einmal merkt: "Wow, das ist ja genau das, was ich wollte!"

Gl.de: Ein Kollege vermutete unlängst, dass du bestimmt eifrig die Platten aus der Sammlung deiner Eltern gehört hast.

Roman: Nein, die sind ganz auf Klassik eingestellt. Ganz früher hab ich deshalb erst einmal viele Fugen und Sonaten gehört, wobei mir das aber gar nicht so zugesagt hat. Weil ich auf dem Dorf groß geworden bin, wo es nicht besonders viel gab, habe ich danach viel Pop gehört. Das ist immer noch ein großer Einfluss auf meine Musik. Jetzt höre ich zwar Indie, was nicht unbedingt im Radio läuft, aber meine erste Erfahrung mit den Popsachen will ich dennoch mit in meine Songs einbringen. Die Lieder, die ich jetzt schreibe, gehen allerdings wohl eher in Richtung Muse, und Tobi Kuhn [von Miles und Monta] finde ich auch super."

GL.de: Ist Pop trotzdem auch weiterhin kein Schimpfwort für dich?

Roman: Nein, überhaupt nicht. Ich bin 'ne Popsau. Ich stehe auf diese Arrangements und finde teilweise auch Beyoncé oder Justin Timberlake wirklich gut.

GL.de: Du hast noch nicht einmal eine LP draußen, und trotzdem herrscht schon ein ziemlicher Rummel um deine Person. Machst du dir da Gedanken, wie du die Balance halten kannst?

Roman: Ich muss zwangsläufig darüber nachdenken. Nach dem Demo aus dem letzten Jahr gab es ziemlich viele Erwartungen, und blöderweise habe ich gedacht, darauf hören zu müssen, und versucht, meine Musik in eine Richtung zu treiben, die für möglichst vieles kompatibel ist. Das ist nach hinten losgegangen, weil mir das völlig den Mut genommen hat. Das musste vermutlich so kommen, damit ich daraus lernen konnte. Jetzt versuche ich, überhaupt nicht mehr daran zu denken. Manche Songwriter, die ihr Geld damit verdienen, für große Popstars zu schreiben, können das vielleicht, aber bei mir geht das halt nicht.

GL.de: Bei deinem Album ist der konstante Wechsel zwischen langsamen/ruhigen und rockigen/schnellen Nummern auffällig. Obwohl du ja bekanntermaßen auch Tocotronic magst, scheint Midtempo ein Fremdwort für dich zu sein?

Roman: Das hat einfach mit meinen Hörgewohnheiten zu tun. Ich mag nun mal vor allem sehr rockige oder total ruhige Sachen, wobei meine Platte ja eher ruhiger ist, als dass sie kracht. Meine Musik an sich ist ja nicht extrem. Das einzig Extreme sind deshalb die Tempowechsel!

GL.de: Schreibst du die - ruhigen wie schnellen - Songs in besonderen Gefühlslagen?

Roman: Meinst du etwas wie: "Wenn meine Freundin mich gerade verlassen hat?" (lacht)

Gl.de: Ja, denn wenn man verliebt ist, schreibt man keine Songs, sondern sitzt zusammen am See und isst Eiskrem. Wenn sie dich dann aber verlassen hat…

Roman: Ich habe gelesen, dass die Wissenschaft beobachtet hat, dass bei ganz vielen Musikern ihre Arbeiten aus einem Dahin-Vegetieren entstehen. Es gibt eben nur bestimmte Momente, in denen man schreiben kann, und die kann man nicht erzwingen oder planen. Mir gelingt es am besten, wenn ich abends oder nachts alleine zu Hause sitze und noch nicht einmal ein Lied schreiben will, sondern einfach nur zur Gitarre greife und etwas spiele. Dass das besser funktioniert, wenn ich besonders gut oder schlecht gelaunt bin, könnte ich allerdings nicht sagen.

GL.de: Ist die Musik nun Hobby oder potentieller Job für dich?

Roman: Genau das Problem hatte ich letztes Jahr. Ich habe mir immer gedacht: Setz dich gefälligst hin und schreib was, vorher gehst du nicht schlafen. Letzten Endes habe ich ein Jahr lang gar keine Lieder mehr geschrieben, obwohl ich sie dringend gebraucht hätte. Ich werde Marc [Liebscher, vom Blickpunkt-Pop-Label] auch kein neues Album versprechen, bevor ich nicht die Lieder dafür habe. Zu sagen: "Im Januar geht’s ins Studio, bis dahin musst du die Songs zusammen haben", mag für andere funktionieren, aber für mich ist diese Art von Druck nichts. Vielleicht sind die Songs derjenigen, die so arbeiten, aber auch weniger stimmungsvoll? Lieder zu schreiben ist ja etwas ganz Magisches. Wenn ich einen Song schreibe, bin ich so darein vertieft, dass ich mich oft erst nachher frage, wie ich überhaupt darauf gekommen bin.

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Surfempfehlung:
www.romanfischer-music.de
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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