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Good times

The Shins
Springfall/ Preston School Of Industry

Münster, Gleis 22/ Berlin, Mudd Club
06.04.2004/ 09.04.2004

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The Shins
Einen Teil seiner Kindheit verbrachte The-Shins-Sänger James Mercer im pfälzischen Miesenbach, keine Frage also, dass das Konzert in Münster - der erste Deutschlandauftritt seiner Band überhaupt - ein besonderes Ereignis für den inzwischen in Portland, Oregon, heimisch gewordenen Kopf der Band ist. Doch auch für den Rest der Band - inzwischen bereits gut ein halbes Jahr auf Tour, um das sensationelle neue Album "Chutes Too Narrow" zu promoten - hat der erste Trip auf das europäische Festland wohl etwas von Schulausflug. Keyboarder Marty Crandall jedenfalls erzählt stolz von seinem Stadtbummel und den Klamotten, die er sich zugelegt habe, die ihn fortan immer an dieses Konzert in "Munssta" - die lokalen Helden Springfall ersetzen übrigens mit ihrem gekonnten Emocore die leider verhinderten Preston School Of Industry ganz gut - erinnern würden.
Dabei brauchen The Shins natürlich eigentlich gar keine großartigen Ansagen, können sie sich doch voll und ganz auf ihre Musik verlassen. Nun gut, ausgerechnet mit einer ihrer sperrigsten Nummern, "Pressed In A Book" (vom 2001er Debüt "Oh, Inverted World"), anzufangen, ist schon ein bisschen gewagt, aber die Skepsis verfliegt schnell, ist doch die zweite Nummer gleich "Kissing The Lipless", der grandiose Eröffnungssong des neuen Albums. Überhaupt stehen die Stücke von "Chutes Too Narrow" natürlich im Mittelpunkt, und das ist auch gut so. Rauer (und nicht selten auch schneller) als auf der Platte spielen die vier die Songs an diesem Abend, verzichten auch live nicht auf die wunderbaren Backing Vocals bei "Saint Simon" und schaffen es an diesem Abend auch ohne Pedal Steel, den "twangy" Sound von "Gone For Good" auf die Bühne zu zaubern. Dazu gibt es nur die besten Songs des Debütalbums: Eine fast schon punkige Version von "Girl Inform Me" zum Beispiel und den vielleicht besten Shins-Song überhaupt, "New Slang", mit den unschlagbaren Zeilen "Godspeed all the bakers at dawn / May they all cut their thumbs and bleed into their buns 'til they melt away". Sogar zwei ganz alte, im Münsteraner Publikum wohl kaum jemanden bekannte Singletracks sind ins Programm gerutscht: "Eating Styes From Elephant's Eyes" und "When I Goose-Step" zeigen eindrucksvoll, wie sehr sich die Band in den letzten vier, fünf Jahren entwickelt hat, obwohl auch die alten Nummern durchaus ihren rauen Charme haben. Eine außergewöhnliche Band!
...und ein paar Tage später in der Hauptstadt:

Berliner Szenegänger und tanzende Indierocker kennen den Mudd Club vor allem wegen des "Karrera Klubs". Dass der Laden dafür sicherlich besser geeignet ist als für Konzerte, sollte sich im Laufe des Abends zeigen, denn die mangelhafte Technik in dem Weinkeller-artigen Gemäuer in Berlin-Mitte war mit dafür verantwortlich, dass die Hauptstadt-Premiere der Indierock-Sensation aus Albuquerque, New Mexico, eine leicht skurrile und chaotische Note gewann... Doch zunächst spielten Preston School Of Industry eine Dreiviertelstunde lang Rock mit schrammeligen Gitarren, Pedal Steel und ihrem neuen Album "Monsoon" im Gepäck. Das Publikum so richtig mitreißen konnten die Jungs um Scott Kannberg leider nicht, und dass jener früher Mitglied bei Pavement war, wussten wohl auch nicht viele. Aber gut war's trotzdem. Angesichts überragenden Songs wie "Walk Of A Gurl", "Caught In The Rain" keine große Überraschung.

Als die Shins um halb elf auf die Bühne gehen, ist der Mudd Club rappelvoll. Draußen müssen sogar einige Leute wieder nach Hause geschickt werden, nachdem es früher am Abend noch Karten gegeben hatte. Diejenigen, die drin waren, wurden – wie in Münster – mit "Pressed In A Book" und ein paar freundlichen Worten von James Mercer und Marty Crandall begrüßt: Man sei froh, dass die Tour so gut laufe und überall in Deutschland vor vollen Häusern spiele. Die Songs jedoch sprechen für sich: "Saint Simon", "Pink Bullets" oder das alte "Know Your Onion". Was beim Support noch nicht so störend aufgefallen war, macht sich bei James Mercers klarer und relativ hoher Stimme leider sehr negativ bemerkbar: Die Anlage im Mudd Club verdient die Bezeichnung "P.A." nicht und zerrt in Passagen mit lautem Gesang. Der Mann an den Reglern – Phil Ek, seines Zeichens auch der Produzent von "Chutes Too Narrow" und als früherer Producer von Built To Spill und Modest Mouse ein ausgesprochner Könner – ist machtlos und frotzelt, dass der Laden wahrscheinlich eh gleich in sich zusammenfalle und er dabei von einem herabfallenden Deckenrohr erschlagen würde.

Wie dem auch sei, The Shins spielten relativ unbeeindruckt weiter, trotz Problemen en masse, einer gerissene Bass-Saite gleich nach dem ersten Song, seltsamer Geräusche (Nein, es war kein Furz, wie jemand im Publikum rief) und einem offenbar nicht sehr verlässlichen Gitarrenverstärker, der die Band zwang, "When I Goose-Step" insgesamt dreimal neu zu beginnen... Was trotz aller technischen Schwierigkeiten, die kokett überspielt wurden und den Spaßfaktor auf beiden Seiten ungemein steigerten, deutlich wurde, war das große Potential der Songs: "I found a fatal flaw in the logic of love" sang James Mercer an einer Stelle und klang dabei viel älter als er ist. Im Zugabenteil dann schließlich neben dem finalen "Girl On The Wing", "Caring Is Creepy" und dem langen "One By One All Day" Gott sei Dank auch das großartige "Gone For Good", der vielleicht beste Song auf "Chutes Too Narrow". Die behutsamen Americana-Anleihen des Stücks (Chris von Preston School Of Industry kam zurück auf die Bühne und spielte Pedal Steel) weisen möglicherweise auf den staubigen Weg, den The Shins in Zukunft einschlagen werden. Format besitzen sie schon jetzt, und das wurde in Berlin eindrucksvoll bewiesen, trotz widriger Umstände, die aber eigentlich niemanden störten. Good times!

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Text: -Carsten Wohlfeld (MS) / Christian Spieß (B)-
Foto: -Carsten Wohlfeld-

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