Gaesteliste.de Internet-Musikmagazin



SUCHE:

 
 
Gaesteliste.de Facebook RSS-Feeds
 
Konzert-Archiv

Stichwort:





 
Konzert-Bericht
 
Zwei Seiten der Alt.Country-Medaille

Bobby Bare Jr.
Caitlin Cary

Münster, Gleis 22
21.04.2004
Bobby Bare Jr.
Solange sie existierten, interessierte sich nur ein Spartenpublikum für sie, doch nachdem der frühere Whiskeytown-Frontman Ryan Adams nun zu "everybody's darling" aufgestiegen ist, ist auch das Interesse am Verbleib der anderen Mitglieder der Alt.Country-Band gestiegen. Caitlin Cary veröffentlichte letztes Jahr ihr ausgezeichnetes zweites Album "I'm Staying Out" (auf dem zwei weitere ex-Whiskeytowner, Mike Daly und Skillet Gilmore, aushelfen), das sie nun auf einer kurzen, von Gaesteliste.de präsentierten Tournee auch in Deutschland vorstellte.
Caitlin Cary
Die Amerikanerin zeigte sich in Münster erkältungsbedingt stimmlich leicht angeschlagen, aber bestens gelaunt und erklärte die Minimalbesetzung (sie an der Geige, einmal auch an der Melodica sowie als Sängerin, Bobby Memphis an der Akustikgitarre und als zweite Stimme) kurzerhand damit, dass Bobby so gut sei, dass er zwei Gitarristen und einen Bassisten in sich vereine, und ihre ziemlich wilde Frisur den Drummer ersetze! Nun gut, einigen Songs fehlte schon ein wenig der Punch einer kompletten Band, doch die kleine Besetzung hatte auch ihr Gutes. Durfte Caitlin so doch an diesem Abend die Nummer "Pony" spielen, die von ihrem Ehemann (und Schlagzeuger) Skillet Gilmore handelt und in dessen Anwesenheit ob des wenig schmeichelhaften (aber natürlich lieb gemeinten) Vergleichs mit der Tierwelt nicht im Programm ist. Dabei sei sie mit ihm so glücklich, dass sie gar keine traurigen Liebeslieder mehr schreiben könne. "Please Break My Heart", das Country-lastigste Stück des ganzen Abends, handelte übrigens genau davon. Das vielleicht schönste Stück ihres rund 45-minütigen Sets war allerdings eine Coverversion: Alejandro Escovedos "By Eleven" hat Caitlin für das geplante Escovedo-Benefiz-Album aufgenommen, und sie präsentierte den Song in Münster in einer herzergreifenden Version, die ausgezeichnet zu ihr passte, "weil Alejandro das Stück vermutlich aus weiblichem Blickwinkel" geschrieben habe, wie Caitlin erklärte. Überhaupt galt für ihre Songs: Je persönlicher, desto besser. So waren dann auch der "Cello Song" (über die junge Cellospielerin, die Caitlin dazu inspirierte, an ihren Fertigkeiten auf der Violine zu arbeiten) und ganz zum Schluss das ihrer Tante Rosie gewidmete "Rosemary Moore" (von der "Waltzie" EP) weitere sichere Highlights. Dem kleinen, aber feinen Publikum gefiel's - eine Zugabe war der Dank!
Bobby Bare Jr.
Auch Bobby Bare Jr. plagte danach ein kleines Kratzen in der Stimme, doch davon ließ er sich natürlich nicht irritieren. Mit einer im Vergleich zur Vorjahres-Tournee komplett umbesetzten Band unterstrich er gleich zu Beginn, dass sein Livesound mit Americana nur recht selten zu tun hat, obwohl auch auf seinem neuen Album "From The End Of Your Leash" wieder diverse Lambchop-Mitglieder ihr Können beweisen. Einige Songs hatten in den neuen, völlig umgekrempelten Arrangements fast schon Jam-Band-Charakter: "Flat Chested Girl From Maynardville" beispielsweise oder "Motherfucker", das auf der letzten Tour noch ein Reggaesong war. Überhaupt war die vierköpfige Band - den Keyboarder hatte man dieses Mal gleich zu Hause gelassen - viel mehr als noch im letzten Jahr auf Rock eingestellt. Selbst Bobby spielte seine Gibson SG häufiger als seine schrottreife Akustikgitarre. Doch es gab natürlich auch Altbewährtes: Die Smiths-Coverversion "What Difference Does It Make" zum Beispiel oder die großartige Silverstein-Nummer "Painting My Fingernails", für die Bobby sicherheitshalber den Text vor sich auf die Monitorbox geklebt hatte. Das Konzert war halb um, als mit "I'll Be Around" eine der schönsten Nummern des neuen Albums lief, die Bobby selbst anscheinend so gut gefällt, dass er sich zu dem augenzwinkernden Kommentar "Das war unsere beste Nummer, von hier an geht es jetzt nur noch abwärts" hinreißen ließ. Das war übrigens glatt gelogen, denn mit dem brandneuen "Music City" (einer Hommage an seine Heimatstadt Nashville mit witzigen Zeilen wie "The cops carry capos, in case you wanna change your key, in Nashville, Tennessee") hatte er sich ein echtes Highlight bis kurz vor dem Ende aufgehoben, bevor das Main Set mit einer (be-)rauschenden Version des Groove-Monsters "Dig Down" zu Ende ging. Da Bobby allerdings keinerlei Lust verspürte, vor den Zugaben die Bühne zu verlassen, bat er das Publikum kurzerhand, sich allerhand Klischee-Szenarios - riesiger Tourbus, Alkohol, leichtbekleidete Celebrities - für die Pause vor den Zugaben vorzustellen, um dann eine weitere hervorragende neue Nummer, "Valentine", nahtlos anzufügen. Dieser Song stammt ebenfalls aus dem in Kürze erscheinenden Album, "von dem ich euch schon jetzt eine Kopie verkaufe - wenn ihr schön lieb seid", wie Bobby das Münsteraner Publikum schmunzelnd wissen ließ. Ein feines Konzert!
Surfempfehlung:
www.barejr.net
www.caitlincary.com
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

Copyright © 1999 - 2017 Gaesteliste.de

 powered by
Expeedo Ecommerce Dienstleister

Expeedo Ecommerce Dienstleister