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Konzert-Bericht
 
Allein und eine Klasse für sich

Elliott Smith

Seattle, WA, The Breakroom
28.02.2000
Elliott Smith
Elliott Smith ist ein Genie. Soviel steht fest. Ende Februar / Anfang März war er auf einer anstrengenden Tournee kreuz und quer durch Amerika unterwegs, spielte wie zu Anfang seiner Solo-Karriere vor sechs Jahren wieder solo und akustisch und in Läden, die für ihn mit einer Kapazität von weniger als 250 eigentlich viel zu klein waren. So war das Konzert in Seattle beispielsweise innerhalb eines Vormittags restlos ausverkauft und bei seiner "Hometown-Show" in Portland standen Größen wie Steve Malkmus von Pavement, Janet Weiss von Sleater-Kinney (und jetzt Go-Betweens) oder Elliotts ehemalige Band Heatmiser dekorativ in der Gegend herum.
In Seattle schien Elliott erstaunlicherweise Probleme bzw. keine Lust zu haben, die wie gewohnt brillanten Songs aus seinem brandneuen fünften Album "Figure 8" erstmals dem Publikum zu präsentieren. Zwar spielte er ein paar Stücke wie "Son Of Sam" oder "Sweet Mary K", aber der Großteil der Show bestand - sehr zur Freude des äußerst enthusiastischen Publikums - aus seinen alten "Hits" wie "Needle In The Hay", "Rose Parade" oder "Division Day", wobei Elliott bei letzterem witzigerweise den Text vergaß und mitten im Song mit sich selbst schimpfte. Und auch seine Hymne "Say Yes" durfte nicht fehlen und wurde auf Zuruf aus dem Publikum prompt zum Besten gegeben.

Einen Tag später wagte er sich vier Autostunden weiter südlich, in seiner langjährigen Heimatstadt Portland, ein bisschen weiter hinaus aufs glatte Eis und spielte nicht nur Wünsche der Zuschauer, sondern auch fast ein Drittel der neuen Platte und auch einige ungewöhnliche Songs wie "I Figured You Out", einen seiner besten Songs, den er nie selbst aufgenommen hat und vor vier Jahren an seine Freundin und Touringkollegin Mary Lou Lord weitergegeben mit der Begründung hatte, der Song klänge zu sehr nach den Eagles. Was natürlich Blödsinn ist, denn in Elliotts Version klingt der Song sogar noch besser, weil zynischer, und man darf nur hoffen, dass wir ihn nun auch von Mister Smith häufiger zu hören bekommen. Zum Schluss gab's sogar noch zwei Coverversionen, das herzergreifende "Night Time" von Big Star und ein wackliges, aber amüsantes "I'm Only Sleeping" von den Beatles. Dass Eliott keine Marathon-Konzerte gibt, ist längst bekannt, aber trotzdem war der einzige Wermutstropfen, dass der "Bob Dylan seiner Generation" in Seattle nur eine Dreiviertelstunde und selbst in Portland nur etwas mehr als 60 Minuten auf der Bühne stand.

In Deutschland wird er im Spätsommer wohl wieder nur mit kompletter Band vorstellig werden und - analog zu seinem neuen Album - eher wie eine Melange aus Beatles und Velvet Underground klingen. Was alles andere als schlecht ist, aber nicht an die Magie heranreicht, die selbst ein offensichtlich tourmüder Elliott Smith solo zu versprühen weiß.
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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Autumn Dewilde-


 
 

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