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Konzert-Bericht
 
Seit 1975 die Nr. 1 im Musikgeschäft

Tilman Rossmy Quartett

Dortmund, Subrosa
10.09.2004/ 11.09.2004

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TRQ
Bei der letzten TRQ-Tournee schickten wir gleich drei Gaesteliste.de- Korrespondenten zu den Konzerten nach Berlin, Köln und Essen los, doch alle drei waren nicht gerade überwältigt. Rund 18 Monate später standen Tilman und die Seinen nun erstmals wieder auf der Bühne und präsentierten sich auf ihrer Minitournee mit gerade einmal vier Konzerten wie ausgewechselt. Dass die Band über jeden Zweifel erhaben ist, ist nichts Neues, doch so engagiert wie an den beiden Abenden im Subrosa haben wir Tilman wohl zuletzt vor fünf Jahren auf der "Passagier"-Tour gesehen. Das lässt sich allein schon mit einem Blick auf die Setlist untermauern. Als das TRQ vor zweieinhalb Jahren zum ersten Mal zwei Abende hintereinander im Subrosa gastierte, war das Programm bei beiden Auftritten fast identisch. Dieses Mal gab es nicht nur zwei völlig verschiedene Sets, sondern auch zwei Abende mit ganz unterschiedlicher Grundstimmung. So abwechslungsreich haben wir das Quartett wohl noch nie zuvor gesehen, und das ganz ohne "Bodycount T-Shirt", "Raus aus diesem Büro" oder "Alles gar nicht wahr"!
Am ersten Abend sparte Tilman sein Frühwerk weitestgehend aus und zauberte mit seiner gut geölten Landstraßenkapelle (Ralf Schlüter an den Keyboards, Folke Jensen mit neuer Lap-Steel und Schlagzeuger Rob Feigel) ein eher gedämpftes - fast hätten wir gesagt "erwachsenes" - Programm auf die Bühne: "Ein Idiot mehr" gleich zu Beginn blieb einer der wenigen Abstecher zu Regierungs-Zeiten, bei "Ein Gospel mehr" mussten wir alle "hingehen, wo es wehtut", und für "Blau, blau ist die Nacht" ging's nach Hamburg mit seinen "Budnikowski"-Leuchtschildern. In solch relaxter Stimmung verwunderte es kaum, dass das sparsam instrumentierte "Die alte Wohnung" zu einem unerwarteten Highlight des Abends wurde. Das passte allerdings auch gut zu den Songs des neuen Albums "Alles muss gehen", das so neu ist, dass Tilman den Tonträger zwar auf der Tournee schon verkaufte, es aber noch ein bisschen dauern dürfte, bis er auch in den Läden steht. Dass auf der Platte bisweilen weniger gerockt wird als früher, sei auf Drummer Rob zurückzuführen, der die anderen während der Aufnahmen mehrfach gebremst hätte, erklärte Tilman unter dem Gelächter der Umstehenden. Anscheinend spielt der Mann am Schlagzeug inzwischen lieber mit den Besen als mit den Stöcken. Aber wie gesagt, das passte ganz hervorragend zum eher gediegenen Ambiente des ersten Abends, aus dem eigentlich nur das überraschend aufgetauchte "Corinna" und das in der Zugabe zur Aufführung gebrachte "1975" (inzwischen wieder im rockigeren Regierungs-Arrangement und nicht mehr in der verlangsamten Version von "Reisen im eigenen Land") etwas hervorstachen.
Dass der Samstag ein völlig anderes Konzert bringen würde, zeigte sich bereits am Anfang. Gleich drei alte Regierungs-Nummern gab's zum Auftakt, darunter "Hennarotes Haar" mit spaßiger Erläuterung der Tatsache, dass die Junkies am Hauptbahnhof in den 70er Jahren noch viel besser gekleidet gewesen seien: "So wie David Bowie!" Sogar aus dem neuen Album gab es teilweise andere Songs als am Vorabend zu hören. Vor allem eines bewiesen die neuen Lieder aber: Die 2004er-Inkarnation des TRQ ist viel weniger auf ihren Kopf fokussiert als früher noch. Natürlich ist Tilman – der mit neuen Songs wie "Der Wanderer" unterstrich, dass er seinen Platz in dieser Welt anscheinend immer noch nicht ganz gefunden hat - auch weiterhin der Chef, aber gleichzeitig ist er viel mehr Teil der Band als noch vor wenigen Jahren, was sich nicht nur durch die stetig länger werdenden (und am zweiten Tag auch ziemlich rockig geratenen) Instrumentalparts zeigte. Da war es schon ein ziemlich guter Gag, dass Tilman ausgerechnet an diesem Abend sagte, er habe keine Freunde, und dann auf Robs Bemerkung "Aber wir spielen doch schon seit acht Jahren zusammen" konterte: "Das ist eine rein professionelle Beziehung!" Nach dem vielleicht schönsten Song des letzten Albums "Seitdem man mich" ("Du bist es") und dem obligatorischen (aber immer wieder gerne gehörten) "Willkommen Zuhause" als Schlusspunkt vor den Zugaben gab es dann zum Ende des zweitägigen Dortmund-Abstechers mit "Zug nach Lübeck" und "Wittgenstein sagt" die ersten und einzigen Songs aus "Selbst" zu hören, und Tilman spielte sogar noch "Professioneller Fan" und machte damit einen, na ja, professionellen Fan sehr glücklich. "Loswerden" gab's natürlich auch noch als Ausklang, am Samstag wegen Nachbarn und Lärmschutz wirklich nur zu zweit mit Klavier und Stimme, dafür mit einigen neuen Anekdoten, die zuvor selbst in der Endlos-Spoken-Word-Version noch nicht vorgekommen waren. Kompliment! "Irgendwie sind die diversen Alben von der Regierung und vom TRQ zu einer Art Soundtrack fürs Leben geworden. Ich wundere mich immer wieder darüber, dass sich Tilmans Musik mit meinem Musikgeschmack entwickelt hat", schrieb kurz darauf ein Besucher ins Gästebuch der Tilman-Website, und wir können nur bestätigen: Genau so ist es!

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Surfempfehlung:
www.tilman-rossmy.de
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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