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Konzert-Bericht
 
Für Nostalgiker und solche, die es werden wollen.

Robin Gibb
Lucia

Bonn, Museumsplatz
18.09.2004
Robin Gibb
Robin Gibb lächelt viel an diesem Abend. Und das nicht nur für die Kameras, die das Konzert in Bonn für eine geplante DVD aufzeichnen, sondern vor allem deshalb, weil er das Unterwegssein wohl doch ein wenig vermisst hat. 18 Monate nach dem Tod seines Zwillingsbruders Maurice und dem damit verbundenen jähen Ende der Bee Gees als Bruder-Trio und 13 Jahre nach der letzten Welttournee ist Robin Gibb, der an diesem Abend jugendlich wie eh und je wirkt - zwar allein auf dem Konzertplakat abgebildet, solo steht er aber natürlich nicht auf der Bühne. Neben seiner Band - interessanterweise die Prog-Rocker Brazen Abbott - hat Gibb auch das 30-köpfige Orchester Neue Philharmonie Frankfurt mit dabei, die die auch so schon großen Songs des Briten auf geradezu episches Ausmaß ausweiten und leider auch manchmal seine Stimme etwas untergehen zu lassen drohen.
Als Supportact steht Lucia auf der schönen Open-Air-Bühne im alten Bonner Regierungsviertel, eine hübsche Amerikanerin, die mit ihren melancholischen Rocksongs artigen Applaus (aber nicht mehr) des zum größten Teil aus Pärchen in den besten Jahren bestehenden Publikums einheimst. Was die ehemalige Frontfrau der Düsterrocker Drill, zudem früherer Sidekick von KMFDM-Gründer Sascha Konietzko und zuletzt mit den Digital-Hardcore Industrial-Noise-Terroristen Panic DHH in Deutschland unterwegs, mit Robin Gibb verbindet, bleibt hingegen – passend zur Musik! - im Dunkeln.

Dann endlich der Meister selbst und ein Feuerwerk aus Klassikern: Was Robin Gibb in Bonn präsentiert, sind keine Hits der Herzen, sondern ganz einfach altmodische Nummer-1-Hits aus den Verkaufscharts. Von den 18 Stücken des Abends sind sagenhafte 13 als Nummer-1-Songs für Gibb solo, die Bee Gees oder als Auftragsarbeiten für andere Künstler notiert. Den Anfang macht (noch mit einigen Soundproblemen behaftet) "Emotions" - kein Hit der Bee Gees, aber in der Version von Destiny's Child dennoch bestens vertraut, und gleich danach "I've Gotta Get A Message To You" als frühes Highlight. Auch noch in der ersten Hälfte der Show: die an einem lauen Samstagabend besonders passenden Klassiker aus "Saturday Night Fever": "How Deep Is Your Love" und eben "Night Fever". Letzteres in einem besonders knackigen Arrangement, wenngleich es bei einem Robin Gibb-Soloauftritt etwas seltsam erscheint, dass sich der Protagonist bei einigen Nummern vor allem der Disco-Ära zu seinem eigenen Backing-Vokalisten degradiert: Scheinbar ist es ihm genug, seinen Originalpart der Alben zu reproduzieren, während die (zum Teil führenden) Stimmen seiner beiden abwesenden Brüder von den vier Backing-Sängern seiner Band übernommen werden. Als Ausgleich gibt es feine "echte" Robin Gibb-Songs aus der Frühphase der Bee Gees: "New York Mining Disaster 1941" (als einziger Song Arrangement-technisch umgekrempelt, in einer gar nicht einmal so üblen Rockversion) und natürlich ein nahezu perfektes "Massachusetts", mit der wirkungsvollen Orchesterbegleitung quasi im Originalarrangement.

Auf ein besonderes Schmankerl muss das Bonner Publikum hingegen verzichten: An den anderen Abenden der Tour ist der britische Casting Show-Star Alistair Griffith als zusätzlicher Support mit dabei und singt zusammen mit Gibb das Nummer-1-Duett "My Lover's Prayer", doch in der früheren Bundeshauptstadt gibt es den Song in Griffith Abwesenheit "nur" mit einigen Abstimmungsproblemen und Backingsänger Errol-Reid als Gesangspartner. In der zweiten Hälfte der recht kurzen, 80-minütigen Show scheint Gibb dann erst richtig warm zu werden und singt selbst auf Platte von seinem Bruder Barry übernommene Songs wie "To Love Somebody" und "Words", als hätte er nie etwas anderes gemacht. Der Song, der ohne jeden Zweifel das absolute Highlight des gesamten Abends ist, stammt dagegen alleine aus Robins Feder. Für sein 1969er-Solodebüt hatte er damals nicht nur - zum ersten und einzigen Mal in seiner fast fünfzigjährigen Karriere - alle Songs allein geschrieben, sondern auch alle Gesangsparts mittels Multitracking allein eingesungen. Kein Wunder also, dass "Saved By The Bell" auch in Bonn die beste Nummer ist. Zum Ende des regulären Sets gelingt dann sogar "You Win Again" (noch eine Barry-Nummer) vorzüglich, und bei "Juliet" brechen alle Dämme. Minutenlang feiert das Publikum nach diesem Song seinen Star, der mit "Tragedy" (und dem Orchester ein letztes Mal in Bestform) den Abend beschließt. Nicht ohne jedoch für zwei Zugaben zurückzukommen. "Jive Talkin'" klingt überraschend leblos, doch "Stayin' Alive" sorgt für das erwartet grandiose Party-Highlight ganz zum Schluss. Fazit: Trotz einiger soundtechnischer Unstimmigkeiten ein feines Konzert, an dem es höchstens zu bemängeln gibt, dass bei diesem Solokonzert die vier echten Robin Gibb-Nummern in keinem Verhältnis zu den 14 Bee-Gees-Songs standen. Nostalgie pur!
Surfempfehlung:
www.robingibb.com
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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