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Auf den Punkt gebracht

Samba
Versus/ Hasenheim

Essen, Grend/ Berlin, Magnet Club
25.09.2004/ 09.10.2004

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Samba
"Für eine Band, die doch immerhin auf einem Majorlabel begonnen hat, nur um dann feststellen zu müssen, wie relativ das ganze Business doch ist, machen Samba aus Münster eine ausgezeichnete Figur", schrieb Kollege Ullrich Maurer unlängst über das brandneue Samba-Werk "Aus den Kolonien", und das lässt sich problemlos auch auf die Liveauftritte von Knut Stenert, Götz Grommek und Hirzel Hirzelsen übertragen. Schien bei den letzten Platten der Münsteraner der Weg manchmal bereits das Ziel zu sein, haben sie auf der neuen Platte so zielsicher wie noch nie ihre Stärken in den Mittelpunkt gestellt, und das tat auch dem Konzert merklich gut.
Den Anfang machte allerdings Hasenheim, Münsters "Band für alle Fälle" (Selbstbeschreibung). Uns von einem liebenswert-chaotischen Auftritt in Oberhausen (damals auch im Vorprogramm von Samba) noch bestens in Erinnerung, bewiesen die drei Herren im Grend, dass man den Titel ihres neuen Albums "Klüger jetzt 2" durchaus auch auf ihre Musik beziehen darf: Reifer und besser gab sich das Trio, trotzdem ist es auch heute noch für jeden Spaß zu haben. Versus bestritten danach zwar ihren ersten Auftritt, waren aber dennoch alte Bekannte: Stefan und Christian von Astra Kid nämlich, die kurzerhand ihre Rhythmusgruppe zu Hause gelassen hatten, um alte (und vor allem neue) Songs im etwas anderen Gewand zu präsentieren. Wer aber geglaubt hatte, die beiden Sänger und Gitarristen der Band würden den Abend lediglich mit zwei Akustikklampfen bestreiten, sah sich getäuscht: Stefan - mit Brian Johnson-Gedächtnismütze - spielte wie gewohnt Stromgitarre, sein Bruder Christian dagegen saß am Schlagzeug. Los ging's bei Dattelns Antwort auf die White Stripes mit einem eigens für den Abend komponierten Intro und einer ganzen Reihe feiner brandneuer Songs, zu denen wir nur sagen können: Wenn sie bei den Aufnahmen nicht alles falsch machen, dürfen wir uns schon jetzt auf das dritte Astra Kid-Album freuen. Dass die Stücke mitunter so neu waren, dass die zwei hier und da über Textzeilen stolperten, machte übrigens gar nichts - im Gegenteil, es gab dem Ganzen erst die besondere Note. Zumal es auch noch einige besondere Schmankerl wie ein nie veröffentlichtes "sonniges" Liebeslied, ein längst vergessen geglaubtes Demo "("Eigentlich hier") und einige umarrangierte Klassiker à la "Heute ist ein schlimmer Tag" und "Rockmusik" (mit reichlich gesanglicher Publikumsbeteiligung) gab. Überhaupt wurde das Publikum von Anfang an in die Aktivitäten auf der Bühne eingebunden: Als Christians Drumkit fast von der Bühne rutschte, wurden spontan einige 1-Euro-Jobs eingerichtet und diverse Fans durften dem Arbeitsgerät auf der Bühne mehr Standfestigkeit geben. So kann Hartz IV in der Tat ein Erfolg werden, wie Stefan am Ende des Konzerts richtig bemerkte.
Samba präsentierten sich danach genauso großartig, wie man das ob ihres neuen Albums "Aus den Kolonien" auch erwarten durfte. Da wurde - vor allem dank Drummer Hirzel - mitunter ziemlich gerockt, ohne allerdings die popmusikalisch wertvollen Hooklines zu vergessen, und das Ganze mit einer - früher nicht immer so deutlich spürbaren - lässigen Abgeklärtheit präsentiert. Besonders Letzteres tat auch alten Hits wie "Satzkiller" oder "Feuerwehr Pizzaservice" gut, wenngleich die absoluten Highlights fraglos vom neuen Album stammten. Songs wie "Durch die Gassen" oder "Bis der Tag beginnt" hatten auch in der etwas abgespeckten Drei Mann-Version den perfekten Groove – so etwas gelingt einer Band vermutlich wirklich erst bei den Songs des fünften Albums. Mit dem schon im Frühjahr als Highlight ausgemachten "Hochtief" ("inspiriert von einer großen deutschen Baufirma", sagte Knut - genau genommen sogar einer Essener) konnten Samba auch im Grend glänzen, bevor dann zum Endes des regulären Sets auch noch die Freunde des ganz alten Liedguts des Trios ("Fahrt ins Grüne", "Zuckerkick", "Route 66" standen auf der Setlist) auf ihre Kosten kamen. Ein wirklich schönes Konzert einer Band, die, je weniger sie sich über ihre kommerzielle Relevanz Gedanken macht, immer besser wird.

Ein paar Tage später in Berlin...

Im Berliner Magnet Club hieß es zwar nicht ausverkauft, aber randvoll war der Schuppen schon und wie sich zeigte war ein Großteil des sehr jungen Publikums nicht zufällig hier, sondern wusste den Rundumschlag von Sambas Setlist voll zu würdigen. Knut Stenert begrüßte das Publikum zwar mit den Worten:"Hallo! Wir sind Samba aus Münster und spielen heute Lieder von unserer neuen Platte", aber damit sollte es an diesem Abend nicht genug sein. Was auffiel war, dass die Band vorwiegend Stücke der ersten beiden und des aktuellen Albums zum Besten gab und damit vielleicht ungewollt der Meinung mancher Kritiker entgegenkam, die ohnehin der Meinung sind, dass die beiden auf Blickpunkt Pop veröffentlichten Alben "Millionen ziehen mit" und "Kommando" eher schwächer waren.

Die Mischung am heutigen Abend stimmte jedenfalls und mit "FCKW" gab's auch gleich in der Anfangsphase was für Nostalgiker. In Sachen Spielfreude gab es übrigens nichts zu meckern und das Publikum dankte es der Band mit seiner Begeisterung. Manche Stücke der neuen Platte, so etwa der Titeltrack "Aus den Kolonien" kamen auch live so unverschämt ohrwurmig, dass es der Klassiker gar nicht bedurft hätte. Dennoch erinnerte man mit Liedern wie "T-Shirt, ich liebe mich", "Zuckerkick" oder "Kummer" daran, welche großartige Songs man dieser Band schon zu verdanken hat. Nach einer knappen Stunde war dann Schluss mit dem offiziellen Set, doch das begeisterte Berliner Publikum klatschte Stenert und Co. noch für zwei Zugabenblöcke zurück auf die Bühne. Das dabei auch noch das wunderbare "Hölle, ich bin ein Rebell" gespielt wurde, soll hier besonders positiv erwähnt werden. Danke!

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Surfempfehlung:
www.samba-pop.de
www.astrakid.de
www.hasenheim-band.de
Text: -Simon Mahler (E) / Carsten Wilhelm (B)-
Foto: -Simon Mahler-

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