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Konzert-Bericht
 
Die Schau des Jahres

Anajo
Pelécaster

Dortmund, Subrosa
15.10.2004
Anajo
Wenn man Anajo auf der Bühne von ihrem letzten Abstecher in den Ruhrpott nach Essen und Dortmund erzählen hört, fragt man sich unweigerlich: "Wie zur Hölle habe ich es eigentlich geschafft, diese sensationelle Band bisher immer zu verpassen?" Immerhin veröffentlicht das Augsburger Trio seit fünf Jahren fleißig Demos und ist ebenso lange auch schon landauf, landab livehaftig zu bewundern. Die Antwort auf unsere Frage hält das Bandinfo bereit: "Anajo ist keine dieser Bands, die vom ersten in den fünften Gang geschaltet hat, um endlich gehört zu werden." Und genau dieses Understatement sorgte an auch im Subrosa für einen großen Abend.
Pelecaster
Für das Rahmenprogramm (und das im wahrsten Sinne des Wortes) hatte man den Pelécaster engagiert. Der junge Mann aus Datteln ist den meisten als ein Viertel von Astra Kid und seit neuestem auch als die Hälfte von Versus ein Begriff, doch in Dortmund musste er - abgesehen von seiner Telecaster - ohne jegliche Begleitung auskommen, um ein paar Songs zu spielen, die "Astra Kid weggeworfen haben oder die ich heute geschrieben habe". Auf diese "vielversprechende" Ankündigung folgte dann gleich auch eine brandneue Nummer, die zwar durchaus gelungen war, aber Performance-technisch doch etwas darunter litt, dass Stefan des Öfteren auf den Textzettel schielen musste. Deshalb konnte das auch schon mit Versus aufgeführte Liebeslied "Gäbe es die Sonne nicht" schon mehr überzeugen, bevor der Pelécaster dann mit ein paar Astra Kid-Hits à la "Rhythmuskäfer" und "Ob Star, obskur oder unbekannt" (bei dem für eine "Vorgruppe" ein wirklich passabler Singalong zustande kam und Stefan den Zuschauern noch ein extra einstudiertes Gitarrensolo spendierte) vor den Augen und Ohren seiner drei Bandkollegen auch noch das angereiste Fanclub-Kontingent glücklich machte. So glücklich sogar, dass er für das "Afterhours"-Programm nach Anajo noch einmal ran durfte.
Anajo
"Dazwischen" traten also Anajo an, um ihr ausgezeichnetes, just diese Woche veröffentlichtes Debüt vorzustellen. "Nah bei mir" ist die Art von Platte, mit der Anajo drauf und dran sind, zu einer Konsensband wie Kettcar zu werden, denn auf dem Album streift das Trio alles, was großartige Popmusik ausmacht, ohne dabei die vielen Bands, an die man sich hier und da erinnert fühlt, einfach nur stumpf zu imitieren. Zudem haben Anajo - wenn man ihr Album und das Konzert in Dortmund als Maßstab nimmt - einfach keine schlechten Songs. Rund ein Dutzend Lieder gab es im Subrosa zu hören, und die ließen sich allesamt in die Kategorien "sehr gut" oder "großartig" einordnen. Dessen war sich wohl auch die Band selbst bewusst (wer würde es sich schon erlauben, einen sensationellen Song wie das Schlussstück "Einsam" noch nicht einmal auf Platte zu veröffentlichen?), denn selbst als ein Zuschauer auf die Ankündigung von Sänger und Gitarrist Oliver, dass nun der Song "Honigmelone" folgen würde, nur barsch "Das mag ich nicht" in den Raum warf, ließen sich die drei nicht irritieren. Im Gegenteil: Bassist Michael reagierte mit einem coolen "Da musst du jetzt durch", und weiter ging's. Mit "Die Sonne über Haunstetten" zum Beispiel, einer Nummer über den hässlichsten Vorort von Augsburg, im Subrosa angekündigt mit dem netten Seitenhieb "als wir das Lied geschrieben haben, sind wir noch nie im Ruhrpott gewesen". Dazwischen immer wieder Songs, die eigentlich Superhits sein müssten: "Vorhang auf", "Monika Tanzband" oder "Lang lebe die Weile".

Nun gut, die Frage nach Deutschlands bestem TV-Privatdetektiv beantwortete ein Scherzbold mit "Derrick" (war der nicht Kommissar?), aber natürlich gab es auf diese Frage nur eine Antwort, nämlich die "Ein Fall für zwei"-inspirierte Single "Ich hol dich hier raus". Ein Song, in dem alles zusammenzukommen scheint, was Anajo ausmacht: Das Lo-Fi-Understatement, der Hang zum Drei-Akkorde-Ohrwurm-Pop (der auch mal rocken darf), die kleinen Ausflüge in Elektronik-Gefilde und die intelligente Wortgewandtheit. Für das Fazit tun wir einmal so, als wären wir in England und Gaesteliste.de kein Online-Magazin, sondern eine der britischen Music-Weeklies, dann würde dort nämlich stehen: Wir haben die Zukunft der deutschen Popmusik gesehen, und ihr Name ist Anajo!

Surfempfehlung:
www.anajo.de
www.astrakid.de
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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