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Stadt ohne Hafen?

Tele

Duisburg, Asta-Keller
06.11.2004

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Tele
"Ich muss sagen, ich fand euch besser als Virginia Jetzt!", gestand ein Zuschauer nach dem Konzert der Band freudestrahlend am Devotionalienstand. Das war natürlich als Kompliment gemeint, kam aber bei Tele nur bedingt so an (und das hat nichts mit der Geringschätzung ihrer Kollegen zu tun). Auch wenn der junge Mann die gewünschten Autogramme trotzdem bekommen hat – in einen Topf mit den anderen Bands des deutschsprachigen Rock- und Pop-Phänomens geworfen zu werden, ist den Exil-Berlinern verständlicherweise nicht wirklich recht. Obwohl Tele mit ihrem aktuellen Album "Wovon sollen wir leben" alles richtig gemacht haben, sitzt das sechsköpfige Quintett (!) leider weiterhin zwischen den Stühlen.
Zu oft wird immer noch überhört, dass die Band zwar deutsche Texte hat, sich ansonsten aber an internationalen Künstlern orientiert, die in Deutsch-Indiehausen ansonsten kaum eine Rolle spielen. Wenn man sich so gekonnt wie Tele die britische und amerikanische Pop-Grandeur der letzten 25 Jahre zu Eigen macht, ist das Prädikat "Deutschrock" natürlich so etwas wie die Höchststrafe. Zumindest auf dem Papier passt da schon besser ins Konzept, dass Tele im November sowohl Sting bei einem einzelnen Auftritt als auch Phoenix auf ihrer kompletten Deutschland-Tournee supporten werden. Dabei hatte die "Ignoranz" des Duisburger Publikums durchaus auch ihr Gutes. Die recht überschaubare Menge vor der kleinen Bühne teilte sich in Studenten und Rockmusikzeitungs-Leser, die entweder zu jung waren, um die Anklänge an die großen Pop-Momente von Steely Dan oder die Bees Gees als Zitate wahrzunehmen, oder zu "indie", um beispielsweise die Hommage an die R&B-Helden TLC als solche zu verstehen. So kamen erwartungsgemäß die Uptempo-Songs etwas besser an als die keinen Deut schlechteren langsameren Nummern.

Mutig ging's gleich mit den beiden vielleicht besten Songs des aktuellen Tele-Werkes los. Auf das großartige "Rot" (ob Francesco sich wohl traut, den "You don't have to put on the red light"-Abstecher auch im Sting-Vorprogramm in Chemnitz zu bringen?) folgte sofort das nicht minder schlechte "Wunder In Briefen", und auch wenn der Sänger einmal mehr mit dem Mikroständer haderte, zeigte sich schon früh am Abend, dass er heute ausgezeichnet aufgelegt war. Einige witzig-gekonnte Solo-Raps und eine kurze A-Cappella-Version des Carpenters-Classics "Close To You" sollten das im Laufe des Konzerts noch untermauern. Überhaupt sorgte der eher familiäre Rahmen der Veranstaltung für eine ziemlich gelöste Stimmung auf der Bühne. Da durfte Bassist Fabian ruhig mal Stefans Gestik beim Schlagzeugspielen in Frage stellen oder das Publikum raten, mit welchen "Herr der Ringe"-Charakteren sich die Tele-Musiker am meisten identifizieren könnten. Da fiel es den Zuschauern auch leicht, Francesco einen groben Schnitzer zu verzeihen: Der glaubte nämlich, das fein rockende "Es kommt ein Schiff" sei in Duisburg mangels Gewässern fehl am Platze, nur, um von einer Lokalpatriotin umgehend darüber aufgeklärt zu werden, dass Duisburg den größten Binnenhafen der Welt besitzt. Der Sänger rettete sich danach mit einem augenzwinkernden "Ich habe mehr vergessen, als ihr je wissen werdet". Tele 1 Duisburg 0.

Für die größte Begeisterung sorgte fraglos die Single "Falschrum", und auch die Publikumsanimation bei "Dilemma" klappte - nicht zuletzt wegen der von der Band mitgebrachten "Texttafeln" - ganz ausgezeichnet. So gut sogar, dass uns Tele dazu fürs nächste Jahr auch noch den passenden Tanz versprachen! Da mussten natürlich Zugaben her, und wie hätten die anders enden können als mit dem heimlichen Hit "Now Now Now"? Die Frage, ob deutschsprachige Popmusik unaufdringlich sein kann, ohne dabei an Tiefgang zu verlieren, ob sie leichtfüßig und groovy sein kann, ohne dabei kitschig und seicht zu sein, konnten Tele an diesem Abend mit einem klaren "Ja!" beantworten. Die Frage von Gitarrist Tobias nach Ende des feinen 100-Minuten-Auftritts ("Was geht denn jetzt noch hier in Duisburg?") blieb dagegen unbeantwortet...

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Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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