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Under a communist moon

The (International) Noise Conspiracy
ZSK

Bochum, Matrix
11.11.2004

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T(I)NC
"Als wir mit der Band anfingen, hatten wir diesen großen Antrieb, veröffentlichten all diese Singles und LPs und tourten ohne Unterlass, aber nach zwei Jahren des Plattenveröffentlichens und Nonstop-Tourens, kamen wir im November 2002 an den Punkt, an dem innerhalb kürzester Zeit jeder von uns fünfen am liebsten aus der Band ausgestiegen wäre", erzählte Noise-Conspiracy-Frontman Dennis Lyxzén Gaesteliste.de vor ein paar Monaten. Deshalb tastete sich die Band erst langsam wieder an das Livespielen heran, absolvierte einige Aufwärm-Konzerte in unseren Breiten im Mai, um nun zur eigentlichen Tournee zu ihrem aktuellen Knüller-Album "Armed Love" anzutreten.
Vor der Kür kam allerdings die Pflicht, namentlich ZSK aus Berlin, deren Banner im Bühnen-Hintergrund schon einen Hinweis auf die kommende dreiviertel Stunde Punkrock gab: "From Protest To Resistance" stand dort in großen Lettern zu lesen. Der Titel der aktuellen Scheibe von ZSK. Es ging auch direkt von null auf hundert in weniger als einem Akkord los, auch wenn Sänger Joshis Gitarre anfangs nicht so recht funktionieren wollte. Es gab anständigen Punkrock zu hören (inkl. "If The Kids Are United" von Sham 69), sowie die üblichen Botschaften gegen Nazis, Rassisten und Polizei-Schutz für rechte Demos. So richtig ankommen wollte die Musik beim Publikum aber nicht, es reagierte recht verhalten, und so musste man schon etwas schmunzeln, dass ausgerechnet der red- und schreiselige Drummer Flori der größte im Raum anwesende Fan der Band zu sein schien und nach jedem Song erstmal die Faust gen Decke reckte und einen Jubelschrei losließ.

Schon in der Umbaupause zeigte sich dann der Unterschied zwischen den Berliner Punks und den schwedischen Garagenrock-Göttern: Bei ZSK waren nur die Haare des Sängers rot (gefärbt), bei der Noise Conspiracy ist die gesamte Lebenseinstellung rot. Nun mag das Bekenntnis zum Kommunismus nicht jedermanns Sache sein, aber die Schweden sind intelligent genug, um das mit einzukalkulieren: Auch diejenigen, die nur zum Biertrinken und Herumspringen gekommen waren, kamen voll auf ihre Kosten. Smarter als üblich waren übrigens auch die Knechte der Band: Dass die Roadies beim Stimmen der Instrumente irgendwelche Heavy-Metal-Riffs anstimmen, ist man ja gewöhnt, aber welche Band beschäftigt schon Personal, das beim Line-Check "Freude, schöner Götterfunken" von Beethoven auf der Orgel spielt?

Kurz nach 21.00 Uhr gingen dann die Lichter in der Matrix aus und ein wahrlich beachtliches Schauspiel los: Mit schier unbändiger Power tobten die fünf Schweden über die Bühne des Bochumer Kellergewölbes. Nur selten standen die Herren dort, wo sie den Positionen der Verstärker und Mikros nach zu urteilen eigentlich hingehört hätten: Mal knubbelten sie sich vor dem Schlagzeug, dann wieder sprangen sie auf die Monitorboxen, und Sänger Dennis war schon zu Beginn des Konzertes gleich mehrmals kurz vor dem Abflug ins Publikum. Der Funke sprang jedenfalls gleich beim ersten Song, "Black Mask", über. Eine Nummer, die richtungsweisend war, denn das "Armed Love"-Album gab es so ziemlich in Gänze, dagegen waren - von der Hymne "Capitalism Stole My Virginity" einmal abgesehen - alte Nummern rar gesät. Wohl auch deshalb, weil sich die Band dadurch zu sehr an eine Phase ihrer Karriere erinnert fühlen würde, die sie endgültig hinter sich gelassen hat.

Mit den neuen Songs im Gepäck gelang es den Nordlichtern spielend, jede Menge Spaß zu haben und ganz nebenbei den Menschen noch ihre Botschaft von einer besseren (wenngleich streckenweise wohl auch utopischen) Welt mitzugeben. "Das Leben ist keine Probe, man muss das Beste daraus machen", ließ Dennis seine Bochumer Fans wissen und erteilte den Anwesenden auch gleich die Absolution fürs Downloaden der Noise-Conspiracy-Platte, weil das das kapitalistische System so schön untergräbt. Die fünf Herren verausgabten sich auf der Bühne so sehr, dass Dennis kurz vor Schluss lachend gestehen musste: "Ich bin zu kaputt, den Mikroständer wieder hochzuschrauben." Das musste er dann auch gar nicht mehr tun, denn die Begeisterung über ohrwurmige Kracher à la "Under A Communist Moon", "A Small Demand" oder das Lieblingslied der Band, "Armed Love", war so groß, dass er kurz vor Ende vom Publikum auf Händen getragen wurde. "Wir brauchten alle ein wenig Zeit, um uns darüber klar zu werden, was in unserem Leben wirklich wichtig ist", hatte uns Dennis im Sommer erklärt. "Sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen? Unsere politischen Überzeugungen? Die Band? Wir mussten unsere Akkus neu aufladen und das Gefühl überwinden, morgens aufzuwachen und zu denken: Warum zur Hölle mache ist das alles überhaupt?" Eine Frage, die inzwischen beantwortet sein dürfte: Für solch rauschende Auftritte wie in Bochum nämlich!

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Text: -Simon Mahler & David Bluhm-
Foto: -Simon Mahler-

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