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Old Man?

Rich Hopkins And The Luminarios

Köln, MTC
05.06.2005

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Rich Hopkins
Also eigentlich ging es nur darum, dem Meister beliebige Neil Young-Titel zuzurufen. Je nach Gemütslage lässt sich der gute Rich dann ja auch hin und wieder dazu hinreißen, einen zu spielen. Und irgendwo zwischen "Powderfinger" und "Hurricane" verlangte dann jemand auch nach "Old Man". Und der blieb Rich dann mit einem zerknirschten "Shit!" im Grinsen hängen. "Die Leute haben ja Recht", meinte er dann nach der Show, "ich bin ja langsam auch ein Old Man." Nun ist es natürlich noch nicht ganz so schlimm, es fällt aber doch auf, dass sich z.B. das Durchschnittsalter der Rich Hopkins-Fans auf einem soliden Midlife-Crisis-Level eingependelt hat. Das macht aber nix, denn somit sind die Fans auch in der Lage, die Cover-Versionen aus den 60s, die Rich auf der soeben zuende gegangenen Tour spielte, tatsächlich auch wieder erkennen zu können.
Und davon gab's dieses Mal einige: Gleich zwei Beatles Tracks - "Rain" und "Cold Turkey", Dylans "Watchtower" - inkl. "Don't Fear The Reaper", "I had Too Much To Dream Last Night" sowie zuguterletzt ein obskurer Loretta Lynn-Titel namens "Don't Come Home Drinking". Wie alles andere natürlich dargeboten im ausufernden No Nonsense Rich Hopkins-Style - denn, so stellte Bassistin Anna Rosales, die den letztgenannten Titel auch sang, noch mal deutlich fest: "We hate Country Music!" Damit war's aber mit den Referenzen noch nicht vorbei: Adrian Esparza machte sich nämlich noch einen Spaß daraus, durchaus virtuos immer wieder berühmte Gitarristen der Weltgeschichte zu zitieren: Ob nun Jimi Hendrix, Duane Eddy und / oder Allman, Keith Richards oder George Harrison. Adrian hatte immer in passendes Lick oder Riff parat, um seinen Idolen zu huldigen. "Da hast du aber gut aufgepasst", räumte er nachher seine Schandtaten freimütig ein, "ich bin zwar ein absoluter Rolling Stones-Fan, mag aber auch die Beatles. Und da müssen solche Zitate manchmal sein." Nun, Adrian kann sich das erlauben, denn er ist ein wirklich souveräner Gitarrist, der technisch durchaus besser spielt, als Rich selber und dem man deshalb auch so ziemlich jeden Scherz dieser Art abnimmt. Ach ja: Sagten wir eigentlich schon, dass es hier eigentlich um ein Konzert von Rich Hopkins und den Luminarios ging? Natürlich gab es obendrein eine ganze Reihe, der gewohnten Rich-Klassiker - ob kurz und knackig ("Touch U Girl") oder moderat ausufernd ("Dirt Town"), ob alt ("Ace In The Hole") oder aktuell ("Red, White & Blue") - da gab's auch nix dran auszusetzen. Aber: Es schien, dass es an diesem Abend gar nicht so sehr um Rich und seine Songs, sondern schlicht um Spaß an der Sache zu gehen. Rich z.B. überließ Adrian und Anna mindestens je drei Songs und konzentrierte sich stattdessen einfach auf's Gitarre-Spielen. Und die Setlist bestand dann halt aus Stücken, die einfach nur gut sind (wie Rich meinte) und die den Musikern Spaß machten - egal aus welcher Quelle sie stammten. Da es sowieso keine neue CD vorzustellen gab, und sich auch deshalb das Publikum eher aus familiären Zirkeln zusammensetzte, machte das auch durchaus Sinn.

Und dass Rich mittlerweile auf eine solide Fanbasis zurückgreifen kann, zahlte sich aus: Für einen Sonntagabend mit Gitarrenmusik in Köln war das Konzert sogar recht gut besucht. Wie dann jeder Fan weiß, sind Rich Hopkins-Konzerte auch immer Tagesform-abhängig. Und da zum Tourabschluss alle bestens aufgelegt waren, gab's demzufolge auch eine recht inspirierte Show, weitab etwa vom Kampfsieg. Von Langeweile oder bloßer Pflichterfüllung gab's jedenfalls keine Spur. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass - Mike Davis hin oder her - dieses die bislang besten Luminarios bislang überhaupt waren. Rich ging sogar so weit zu sagen, dass alles, was vorher gewesen sei, nichts dagegen gewesen sei. Auch wenn das vielleicht ein wenig unfair erschien - unter dem Strich boten die aktuellen Luminarios durchaus die beste Schnittmenge was handwerkliches Können und Unterhaltungswert angeht. Auch George Duron, kurzfristig für diese Tour als Drummer angelernt, überzeugte im soliden Klangbild der eingespielten Band als variantenreicher und gleichzeitig raumgreifender Rhythmus-Anker. Sicherlich: Irgendwelche Finessen fanden sich auch nach 20 absolvierten Konzerten nur im Detail (ein Beispiel: Adrian Esparza spielte Rhythmusgitarre mit Tremolo) - dafür ist Rich zu sehr Rock'n'Roller - aber wer nichts anderes suchte, wurde hier allerbestens bedient. Es ist ja auch nicht notwendig, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Und wenn sich Rich mal als Gitarrenfreak zurücknimmt (außer Billy Sedlmeyers "Unglued" blieb bei diesem Konzert zeitlich z.B. alles im Rahmen), kann auch eine Rich Hopkins Show noch verdammt kurzweilig sein. Rich wird uns dieses Jahr übrigens noch ein Mal beglücken - im Oktober zur Aufzeichnung des WDR Rockpalast Crossroads Festivals in der Bonner Harmonie - bevor dann im nächsten Jahr die Aufnahmen zur neuen CD anstehen.

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Surfempfehlung:
www.richhopkins.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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