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Straight From The Heart

Mark Olson And The Creekdippers
Simon Anderson

Köln, Gebäude 9
13.07.2005

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Mark Olson
"Also wir spielen jetzt schon so lange zusammen, aber ich habe dennoch das Gefühl, dass es immer besser wird", meinte ein sichtlich gutgelaunter Mark Olson nach dem Konzert im Kölner Gebäude 9 zu seinem Booker. Und das spiegelte auch irgendwie die Stimmung der für eine Tour ohne aktuelle Scheibe erstaunlich gut besuchten Show wider. Trotz nicht näher bezeichneter persönlicher Probleme (Victoria Williams war ja nicht mit dabei) arbeiteten Mark und seine beiden Mitstreiter, der bewährte und konzentriert agierende Creekdipper-Drummer Ray Woods sowie der virtuos aufspielende Steven Retzler an der Gitarre sich vergleichsweise locker und gelöst durch das Programm - das dieses Mal tatsächlich die ganze Bandbreite von den Jayhawks bis zum Political Manifest abdeckte.
Eröffnen durfte den Abend im bestuhlten kleinen Saal des Gebäude 9 Simon Anderson. Der sympathische Engländer, der aufgrund der momentanen Ereignisse doch irgendwie unter seiner Herkunft aus Leeds leidet und mit trauriger Stimme verkündete, dass er im Fernsehen sogar die Straße wiedererkannt habe, in der er aufgewachsen sei, gehört seit ungefähr zehn Jahren zur Kölner Szene der Unentwegten. Er sei der "Nicht-Country Teil der folgenden Ereignisse" stellte er sich vor und spielte dann unverdrossen seine sympathisch altmodischen, hochkomplexen Mersey-Beat-Songs mit Jazz-Touch, derentwegen er in der Kölner Szene - je nach Sichtweise - bewundert wird oder gefürchtet ist. Denn machen wir uns nichts vor: Leichte Kost ist das, was Herr Anderson bringt, trotz allen britischen Humors nicht gerade. Denn schließlich kann ihm kaum ein Stück verstiegen und komplex genug sein. Hinzu kommt, dass seine puristische Herangehensweise, sich selbst auf einer extrem trockenen Jazz-Gitarre ohne jede unterstützende Effekte zu begleiten, den Unterhaltungswert des Vortrages nicht unbedingt steigert. Das muss man aber anerkennen, denn Simon versteht sich weniger als Entertainer denn als Songwriter - und hier reicht ihm so schnell keiner das Wasser. Obwohl das bitter nötig gewesen wäre, denn die heiße Sommerluft stand quasi in fast greifbaren Blöcken in dem hermetisch abgeriegelten Raum.

Dem versuchte Mark Olson dann schließlich etwas Gutes abzugewinnen, indem er mutmaßte, dass Konzerte unter solchen Bedingungen gut für die Figur seien. Und dann ging's gleich mit dem ganzen Spektrum los: Ein klassischer Lokomotiven-Folk ("Hummingbird"), eine politische Moritat ("Poor G.W.") und ein solider Rocker im Stile der gloriosen Vergangenheit, das mit Gary Louris verfasste "Say You'll Be Mine" läuteten das Set ein. Später kamen noch die unvermeidlichen Ausflüge auf dem Dulcimer dazu sowie eine Funk-Eskapaden im Stile von "One Eyed Black Dog Moses" hinzu (zu dem die belgische Tourbegleiterin auf die Bühne gebeten wurde, die indes - trotz zwei eigener Bands - Bedenken äußerte, die zwei Akkorden aus denen der Song besteht, spielen zu können). Mark zeigte an diesem Abend also tatsächlich alles, was er kann. Dabei gefielen eigentlich dann unter dem Strich die Tracks am besten, bei denen er auch noch seine Pop-Sensibilitäten ausleben kann, am besten: "Say You'll Be Mine", geriet dank Steve Retzlers beseelter Soli (die Mark per Notbremse beenden musste, um den Song abschließen zu können), gleich zu einem beeindruckenden Höhepunkt, "December's Child" wurde dann zu einer verstiegenen, seltsamen Angelegenheit, bei der Ray Woods mit einer Triangel hantierte - die indes das Stück in einem ganz neuen Licht erscheinen ließ und der alte Jayhawks-Song "Pray For Me" von "Tomorrow The Green Grass" litt eigentlich nur darunter, dass Mark und Steve beide Gitarre spielten und somit keiner mehr für den Bass zur Verfügung stand.

Dann schockte Mark noch, indem er den Programmpunkt für Großeltern ankündigte. Damit meinte er jedoch zum Glück nicht die Anwesenden, sondern seine Großeltern - Jo Ellen, vom gleichnamigen Album und seinen Großvater, den "Valentine King" - den einzigen Mann außer George Bush, den er kenne, der seinen Verstand mit einer Krone auf dem Kopf verloren habe. Unter dem Strich war das eine der abwechslungsreichsten Olson-Shows seit langem - auch wenn ein vierter Mann (oder die allseits vermisste Victoria Williams) sicherlich noch Akzente hätte setzen können. Dennoch war die Veranstaltung für Freunde ehrlichen, ungekünstelten Songwritings und Vortrages sicherlich genau das richtige. Wie meint Mark selber schließlich ganz richtig: "Ich mag den Klang der Instrumente so wie sie sind - was soll ich da noch mit Effekten arbeiten?"

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Surfempfehlung:
www.creekdipper.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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