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Schadensbegrenzung

Blues Explosion

Köln, Gebäude 9
19.07.2005

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Blues Explosion
Dass der Name des Meisters beim letzten Werk "Damage" nicht mehr im Vordergrund stand, ist natürlich auch als Hutlüpfen vor dem kreativen Input von Jons wackeren Mitstreitern, Judah Bauer und Russell Simins, zu verstehen. Und in der Tat: Beim Konzert im Kölner Gebäude 9 (in dem Jon Spencer immer schon ein gern gesehener Gast war) gab's eine durchaus paritätische Dreiteilung zu beobachten: Auch wenn Judah die Lead-Vocals nur bei "Fuck Shit Up" übernahm: Gitarrenmäßig hielt z.B. eher der zweite Mann das Geschehen zusammen als der Spencer (nun gut: Der hatte mit seinen agitativen Vocals und Verrenkungen am Bühnenrand auch alle Hände voll zu tun). Und auch Russell Simins erschien letztlich unverzicht- bzw. ersetzbar.
Simins spielte vor einigen Jahren mal mit seiner eigenen Band im Kölner Underground und machte dort mit einem zweiten Drummer eine weniger energische Figur als hier alleine hinter dem Drumkit der Blues Explosion. Es stimmt also: Die Blues Explosion sind heutzutage eine gnadenlos gutgeölte Rock'n'Roll-Maschine, die als Einheit brilliert - und nicht als Frontman mit Musikanten. Nicht umsonst stellte Spencer seine beiden Mitstreiter wenigstens drei Mal namentlich dem Publikum vor. Musikalisch galt das, was auch für das aktuelle Werk gilt: Es gab zwar ein paar neue Stücke - ansonsten aber blieb alles beim alten. Spencer - mit modischem Kurzhaarschnitt kaum zu erkennen - holte das Letzte aus seinen Stimmbändern heraus. Der Mann fraß dabei sein Mikro sprichwörtlich beim Singen. Dazu spielt er seine Mörder-Gitarre und war bemüht, das Publikum mit knappen Ansagen (und ungefähr 100 "Ladies & Gentlemen") und energischen Verrenkungen auf Augenhöhe zu halten. Zuweilen gelang es ihm sogar, die Leute zum Mitklatschen oder Mitsingen zu bewegen. Das meint in dem Fall: Das akklamative Ausrufen titelgebender Slogans wie "Damage" oder "Fuck You" in jeder beliebigen Variante. Dazu steuerte Judah Bauer, wie gesagt, die ganze Chose sicher und elegant um alle möglichen Klippen, die etwa den Flow unterbrochen hätten. Was nicht ganz einfach ist, da Spencer die Titel seines Sets spontan zusammenstellte, spontan auf Publikumswünsche einging und die Jungs ihm dann stante pede nach Ansage folgen mussten. Dass bei so viel Impulsivität dann sogar einige synchron laufende Soli möglich waren, spricht schon für die unglaubliche Routine, die sich die Jungs erspielt haben.
Ansonsten blieb alles schön überschaubar: Es gab eine Exkursion Jons zum Theremin, ein (zugegeben exorbitantes) Mundharmonika-Solo von Judah und dezidiert kein Drumsolo von Simins. Das musste als Unterhaltung dann auch schon reichen. Natürlich neben einer unglaublichen Portion Energie und Rock'n'Roll und - ja, man darf es immer noch so nennen - Blues. Zumindest an diesem Abend war die Blues Explosion nämlich näher dran an Bo Diddley als etwa an den Stooges - nur um die ungefähre Richtung anzudeuten. Dass dabei alle Stücke gleichförmig ineinander übergingen, störte dabei bemerkenswerterweise immer noch kaum. Die JSBX spielen halt nur einen Song - den allerdings auf einzigartige Weise. Alle Experimente in Richtung Funk, Elektronik, Rap und Noise - und was immer Jon & Co. sonst noch zwischenzeitlich ausprobiert bzw. illustre Gäste beigetragen haben mögen - blieben jedenfalls beim Live-Erlebnis außen vor. Ebenso wie alles, was als Zögern, Druckabfall oder etwa gar als Ballade hätte ausgelegt werden können. Ein unter Hochspannung stehender Talking Blues mit schneidend scharfen Solo-Licks ist ungefähr das Versöhnlichste, was eine Blues Explosion Show gebiert. Dazu gehört übrigens auch, dass trotz aller anarchistischen Attitüde die Jungs immer schön freundlich und auf ihre Art sogar höflich bleiben - "Ladies and Gentlemen" ... Ansonsten gab's die Blues Explosion pur. Bis auf ein paar Soundeffekte: Zuweilen schaltete Jon z.B. einen Teufelskasten namens "Altair" in die Leitung - und der ersetzte einem den Bassisten dann schon. Schadensbegrenzung mussten übrigens nur all jene betreiben, die sich etwa ohne Ohrstöpsel vor die Boxen stellten. Aber wer das tat, war's selber schuld. Immerhin weiß man ja, was von einem Blues Explosion Konzert zu erwarten ist: Eine Blues Explosion eben. Von der sich alle Nachgeborenen stets eine Scheibe abschneiden können. Müde geworden sind Jon & Co. jedenfalls nach über zehn Jahren Dauerfeuer immer noch nicht.

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Surfempfehlung:
www.blues-explosion.com
www.mute.com/artists/publicArtistLoad.do?id=918
www.mute.de/artists/bx.shtml
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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