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Konzert-Bericht
 
Summertime Blues

Chuck Prophet
Teddy Thompson

New York, South Street Seaport
17.08.2005

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Chuck Prophet & The Mission Express
Es hätte wohl kaum eine passendere Location für dieses Sommer-Konzert von Chuck Prophet geben können. War er bei seinem letzten Besuch in New York noch fast verhaftet worden, weil er auf der Bühne des kleinen Fez-Clubs zur Zigarette gegriffen hatte, so konnte er sich unter dem freien Himmel vor dem legendären Pier 17 im alten Hafen nach Belieben ausleben. Die Freiluftbühne, auf der in jedem Jahr im August kostenlose Open Air-Konzerte von einer lokalen Radiostation ausgerichtet werden, ist mittlerweile zu einer Institution geworden, die sogar waschechte New Yorker Ureinwohner bewegt, sich zu dem ansonsten ausschließlich von Touristen bevölkerten Ausflugsziel zu bewegen. So ist der Zuspruch also stets gesichert und dennoch bleibt die Situation - aufgrund der permanenten Urlaubsstimmung - immer recht überschaubar, gelöst und relaxed. Die Tage zuvor waren die heißesten in der Stadt seit Aufzeichnung der Wetterdaten gewesen, doch der Tag des Konzertes selber geriet dann zu einem angenehmen Sommertag mit erträglichen Temperaturen und vor allen Dingen ohne tropische Luftfeuchtigkeit. Und so saßen bereits zu Beginn der Show um 19 Uhr ganze Familien inkl. Kindern und Großeltern vor der kleinen Bühne und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
Die Show eröffnete Teddy Thompson. Der Sohn von Richard und Linda Thompson lebt in New York und arbeitet dort gerade an seiner ersten CD. Bislang, so meinte er mit breitem englischen Akzent, gäbe es von ihm nur eine EP die unglaublich gut und billig sei. Die Ansagerin der Radiostation kündigte Teddy als einen Künstler an, der klassisches Songwriting auf seine ganz eigene Art betreibe. Ungefähr das bot der junge Mann dann auch. Teils solo-akustisch und teils mit Unterstützung einer ausgezeichneten Band von lokalen Musikanten (die man dann Abend für Abend in einem der zahlreichen Showcase-Clubs in der Lower East Side wiederfinden kann) gab Thompson seine Version der Americana. Anders als bei seinen Eltern waren dabei kaum keltische Elemente auszumachen, sondern stattdessen eine gute Prise US-Rock. Obwohl Teddy stimmlich dann doch ein wenig nach seinem Vater klingt, gelang es ihm, sich mit diesem Tun vom Werk seines Altvorderen deutlich abzusetzen. Auch wenn Teddy als Songwriter sicherlich noch Wachstumspotential hat (insbesondere seine Balladen gerieten dann doch etwas zu besinnlich), wird er mit diesem Ansatz zweifelsohne seinen eigenen Weg gehen.
Chuck Prophet und seine Band, The Mission Express - zu der nach wie vor Stephanie Finch und Tom Heyman (ex Go To Blazes) gehören -, hatten das Programm des letzten Albums, "Age Of Miracles", bei uns bereits vor Monaten vorgestellt und so überraschte es nicht, dass Chuck, der ja auch als impulsiver Setlisten-Gestalter bekannt ist, sich hier und jetzt nicht darauf beschränkte, einfach die aktuellen Stücke zu spielen. Stattdessen arbeitete er sich genüsslich durch seinen Backkatalog und ließ nahezu alle Tracks zu ausufernden, funkigen Space-Operas ausarten - mit einer gehörigen Portion Blues. Wie schonmal erwähnt, ist ein Chuck Prophet-Konzert immer abhängig von der Stimmungslage des Meisters und die musste hier wohl - angeregt durch die einzigartige Umgebung mit dem Fluss auf der einen und den Hochhäusern des Financial District auf der anderen Seite - großartig gewesen sein. Zwar gab es dieses Mal keine Solo-Einlage von Stephanie Finch, dafür sang sie aber bei fast jedem Song Harmonie-Vocals. Dafür lieferte sich Chuck mit Tom Heyman klassische Gitarrenduelle - letzterer dabei meistens an der Steel Gitarre, die sich besonders mit Chucks Slide-Einlagen hervorragend ergänzte. "Wenn ich einen Song für jede Gelegenheit hätte, dann wäre ich ein reicher Mann", witzelte Chuck, "für diese Gelegenheit habe ich jedoch einen passenden Song!" Und dann spielte er eine beseelte Version von "Summertime Thing", die zusammen mit "Pin A Rose" den Höhepunkt des Konzertes darstellten. Chuck war dabei so intensiv bei der Sache, dass er offensichtlich gar nicht auf die Idee kam, den Versuch zu machen, auf der Bühne eine Zigarette zu rauchen. (Was bei einem Open Air-Konzert tatsächlich noch legal gewesen wäre.) Manchmal sind die Gitarren-Auswüchse Chucks ja ein wenig vorhersehbar: Hier stimmte jedoch alles. Kollege Steve Wynn, der mit einigen Freunden im Publikum stand, lobte auch artig: "Normalerweise schaue ich mir ja nicht jede Show bis zum Ende an", erklärte er abschließend, "die hier war jedoch richtig klasse." Eigentlich ist die Sache am Seaport so konzipiert, dass die Zuschauer "um zehn zu Hause" sein könnten. Doch ließ es Chuck sich nicht nehmen, nach dem offiziellen Time-Out noch ein paar Zugaben dranzuhängen (darunter "Automatic Blues", das sich - warum auch immer - zu einem Favoriten entwickelt hat). Mit diesem Konzert stellte Chuck Prophet eindrucksvoll unter Beweis, dass man auch dann, wenn man bereits lange Zeit mit aktuellem Material getourt ist, noch mit Begeisterung bei der Sache sein kann.

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Surfempfehlung:
www.chuckprophet.com
www.teddythompson.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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