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Muttertag

Heather Nova
Julian Heidenreich

Köln, E-Werk
12.10.2005

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Heather Nova
Köln war immer gut zu Heather. Hier, im E-Werk, begann von ca. zehn Jahren ihre Karriere mit einem beeindruckenden Auftritt auf der Popkomm beim Showcase ihres damaligen Labels, Big Cat. (Obwohl es vorher schon eine Show im damaligen Luxor gegeben hatte, bei dem Heather mit Band erst gegen zehn Uhr abends aus dem Stau direkt auf die Bühne kullerte und von ca. 30 neugierigen Fans spielte.) Im E-Werk entstand auch der Mitschnitt zu ihrer Live-Scheibe "Wonderlust" und hier gab es mal ein exklusives "Fan-Konzert". Und es fanden sich sogar Stücke - wie z.B. "Walk This World" -, die sie bei all diesen Gelegenheiten und natürlich auch auf der von Gaesteliste.de präsentierten Tour spielte. Die Frage stellte sich also: Was hat sich bei oder wie hat sich Heather Nova seither verändert? Das insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sie selber ja nicht ganz unrichtig darauf hinweist, dass sie - von kleinen aber wichtigen Experimenten abgesehen - nichts wirklich Neues macht?
Bevor es aber an die Beantwortung der o.a. Frage ging, durfte Songwriter Julian Heidenreich mit seinem Cellisten den Abend eröffnen. Der junge Songwriter aus München, der seine Karriere als Sänger einer Grungeband begann, überraschte hier - ohne seine Band The Truck Drivin Buddhas - mit den melancholischen, warmherzigen Akustiksongs seines Solo Debüts "The Secular Proof". Zugegeben: Julian hat die Vorbilder studiert und erinnert mit seiner ernsthaften, grüblerischen Art auch an die großen des Genres. Das macht aber nix, denn er hat sein Ding sehr gut drauf und überzeugte mit inbrünstigem Vortrag und ordentlichem Songmaterial. Und obwohl sich die üblichen Vergleiche sofort aufdrängten, machte er ja eigentlich nichts anderes, als Heather Nova - besonders zu Beginn ihrer Karriere, damals, noch mit Cellistin Heather Langman, die in London noch mal beim Line-Up dabei war - ja auch öfter gemacht hatte. Insofern passte das alles sehr gut und war als Einstimmung denkbar geeignet.

Dachte man. Denn als dann Heather mit ihrer eingespielten Live-Band die Bühne betreten hatte, gleich zu Beginn mit "Redbird" das Thema des Abends einläutete und sich dann mit einigen Klassikern wie z.B. "Angel" warmgespielt hatte, stellte sich immer mehr heraus, dass die Gute sich tatsächlich dazu durchgerungen hatte, es noch mal mit der Rock-Schiene zu versuchen. Das war insofern schon erstaunlich, als dass sie im Vorfeld noch hatte verlauten lassen, dass sie es "ruhiger angehen" lassen und "weniger Rock'n'Roll" machen wollte. Und noch anlässlich von "Wonderlust" hatte sie gesagt, dass man das große Publikum nicht mit allzu krassen Tönen verschrecken könne - weswegen sie im Prinzip Auftritte in kleinen Clubs bevorzuge, weil das dort eher möglich sei. Schnee von gestern. Natürlich muss Heather auch heutzutage noch darauf Rücksicht nehmen, dass in ihrem Publikum auch Leute sind, die nur gelegentlich zu Konzerten gehen und natürlich nicht mit Hardrock Riffs weggeblasen werden können. Auch ist es kaum denkbar, dass sie etwa ihre Balladen etwa in Punk-Versionen aufführt. Ansonsten lässt sie aber wahrlich keine Gelegenheit aus, ihre Songs atmen zu lassen und deren Eigenleben zu fördern. Was sowieso ein erklärtes Ziel der Performerin Heather Nova ist, ansonsten aber eher subtil vonstatten geht. Großen Anteil am überraschend aggressiven Tenor des Abends hatte Gitarristin Berit Fridahl, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit schneidend scharfen Soli auftrumpfen durfte. Das artete zuweilen gar - im positiven Sinne, denn es machte Spaß - in wahre Schweinerock-Orgien aus. Bei "Walk This World" gab es dafür sogar Szenenapplaus. Ein schönes Beispiel für das Eigenleben von Stücken war Heathers erklärtes "Lieblings-Stück" "Winter Blue", das an diesem Abend wiederum runderneuert daherkam und mit einer Art "Riders On The Storm"-Doors-Reminiszenz direkt in "Done Drifting" überging.

Heather selbst betrieb dabei das Entertainment auf Sparflamme und ließ stattdessen lieber die Songs sprechen. Lediglich zu ihr wichtigen Tracks wie z.B. "Miss My Sky" gab es einige Erläuterungen, die indes nichts wirklich Neues zu Tage förderten. Nun ja: Im Prinzip blieb sie sich hier treu. Es ist ja geradezu ihr Markenzeichen, auf der Bühne immer ein wenig gelangweilt zu wirken. Das täuscht aber: Sie hat lediglich kein Lampenfieber und schwört sogar Stein und Bein, auf der Bühne tatsächlich auch Spaß zu haben. Ach ja: Natürlich gab es auch eine akustische Portion, bei der Bassist Matt Round zum akustischen Gerät griff und bei der Heather auch mal die Gitarre beiseite legte (dann allerdings - ähnlich wie weiland Bob Dylan - nicht so richtig wusste, was sie tun sollte). Witzig und erwähnenswert war vielleicht noch der Umstand, dass heutzutage auch ältere Tracks - und nicht nur Stücke wie "Motherland" dem Kinderthema gewidmet zu sein scheinen. Zum Schluss gab's dann noch "Island" (und sogar hier wurde gerockt) und "The Sun Will Always Rise" - wo Heather gesanglich noch mal so richtig brillieren konnte. Fazit: Nach diesem Konzert wäre zu wünschen gewesen, dass dieses anstelle der im Vergleich viel unverbindlicheren "Wonderlust"-Show mitgeschnitten worden wäre. Es ist Heather Nova hoch anzurechnen, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt musikalisch noch mal einer Adrenalinkur unterzogen hat - schon alleine deswegen, um all jene abzustrafen, die das Thema Heather Nova als "zu mainstreamig" oder "zu lasch" bereits abgehakt hatten. Nötig hätte sie so etwas eigentlich nicht.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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