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Im Wunderland

Keren Ann

Bonn, Harmonie
22.10.2005

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Keren Ann
Dass es an diesem Abend etwas gediegener zugehen würde, war schon daran zu erkennen, dass der Roadie anstelle der ansonsten üblichen Bierflaschen Rotweingläser auf der Bühne verteilte. Nun ja: Immerhin ist Keren Ann Zeidel ja vor allen Dingen in Frankreich erfolgreich und dort ist so etwas ja üblich. Sie habe Hamburg im Regen gesehen und Schweine auf Skateboards in Berlin. Und in Leipzig habe sie Kartoffeln gegessen - erklärte die Gute in durchaus erkennbarem Deutsch bei ihrem Auftritt in der Bonner Harmonie - das habe sie zu einem glücklichen Menschen gemacht. Mal sehen, was Bonn jetzt so bringe...
Für jemanden ohne eigentliche Muttersprache ist das Erlernen neuer Sprachen offensichtlich weniger schwierig: Das nächste Mal, so kündigte die Künstlerin mit den israelisch-holländischen Wurzeln an, könne sie dann alles auf Deutsch sagen. Oder es gäbe zumindest Untertitel. Dabei war es eigentlich gar nicht notwendig, irgendetwas zu übersetzen. Kerens Englisch ist einwandfrei, ihre französischen Texte erläuterte sie sowieso und ganz mal davon abgesehen ist Kerens Musik nun wirklich selbsterklärend. Durchaus im Stil ihrer zurückhaltend inszenierten CDs trumpfte die smarte Songwriterin auch in der Harmonie nicht mit lauten Tönen auf, sondern mit zwar subtilen, nuancierten - aber im Gegensatz zur Konserve radikal anderen - Arrangements in der Besetzung Gitarre, Bass, Drums und Trompete. Zugegebenermaßen hatten dabei allerdings sowohl Bass wie auch Schlagzeug nicht allzuviel zu tun. Allzuoft reichten nämlich bloß Kerens Stimme und ihr zurückhaltendes Gitarrespiel aus, die Songs zu tragen. Wie z.B. beim Opener, "Chelsea Burns", der den Tenor für den ganzen Abend vorgab. Keren Ann gab sich hierzulande betont unfrankophil, sondern spielte unverhältnismäßig viele englischsprachige Songs - doch mit Rockmusik hatte die Sache dennoch recht wenig zu tun. Was nicht am Unvermögen lag: Bei ausgewählten Stücken, wie z.B. "Nolita" oder dem letzten offiziellen Track, "Sur le fil", steigerte sich das ansonsten allgemein vorherrschende Flüstern durchaus auch mal zu einem Sturm - jedoch eben nicht im Rock-Modus, sondern eher auf organische, atmosphärische Art. Aber auch folkselig wirkte die Angelegenheit keineswegs. Denn zum einen spielte Keren hauptsächlich eine Gretsch-E-Gitarre und zum anderen sorgten insbesondere ihre Duette mit dem Trompeter Ari dafür, dass sich der Vortrag stilistischen Schubladen entzog. Ganz im Gegenteil: Keren schien es geradezu darauf angelegt zu haben, all ihre Einflüsse in ihren Vortrag einfließen zu lassen. So arbeitete sie leichtfüßig mit Swing-, Jazz-, Chanson-, Samba- und sympathisch altmodischen Pop-Anleihen -, allerdings stets zu ihren Bedingungen. Die Rhythmusgruppe tat ein Übriges, mit relativ unkonventionellen Maßnahmen wie Bass-Streicheln oder Tambourine-Klopfen ihren Beitrag zu einem bemerkenswert freigeistigen und ungewöhnlichen Konzertabend zu leisten. Dabei kam das alles so selbstverständlich und natürlich daher, dass nun wahrlich kein Kalkül unterstellt werden konnte oder durfte. Es ist offenbar vielmehr Keren Anns ganz persönlicher Stil - zu dem auch gehört, dass sie geschickt und unaufdringlich mit dem Wah-Wah-Pedal hantierte, was zu einigen schönen Soundbildern führte. Hinzu kamen Kleinigkeiten, wie z.B. die Pfeif-Solo-Einlage des Trompeters beim charmant dahingestolperten "Midi dans la salon du duchesse", die nicht nur zum Schmunzeln anregten, sondern obendrein deutlich machten, dass hier Leute am Werk waren, die sich Gedanken darüber gemacht hatten, wie sie ohne großen Aufwand auf originelle Weise unterhalten können.
Inhaltlich wählte Keren hauptsächlich Stücke ihrer letzten drei CDs (insbesondere natürlich die von "Nolita") und ließ die mit Benjamin Biolay konzipierten früheren Pop-Alben weitgehend aus. Das war sicherlich die richtige Entscheidung, denn so musste sich Keren Ann nicht sonderlich verbiegen, um die Stücke den Möglichkeiten ihrer Live-Band anzupassen. Obwohl sie das auch hinbekommen hätte, wie z.B. "Sur le fil" von ihrem Debüt "La Biographie de Luka Philipsen" zeigte. Bevor der Abend dann mit einer A-Cappella-Darbietung zu Ende ging - bei der wirklich die sprichwörtlich fallende Stecknadel zu hören gewesen wäre - überraschte Keren Ann noch mit einer ziemlich heiteren Version von Joni Mitchells "Big Yellow Taxi". Überhaupt besteht sie ja - zu recht - darauf, dass ihre Musik zwar melancholisch aber keineswegs depressiv sei, was an diesem Abend anschaulich verdeutlicht wurde. Wie auf der "Nolita"-CD zeigte Keren Ann darüber hinaus auch live ihre vielen Gesichter. Oder waren es die ihres Alter-Egos Alice? Aber wahrscheinlich ging es ja gerade darum, dass dies jeder für sich herauszufinden sollte...

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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