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No Kaffeekränzchen

Maria Taylor
Firefox/ Julia Noack

Köln, Blue Shell
02.11.2005

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Maria Taylor
Einen Damenabend der besonderen Art gab es im Kölner Blue Shell zu bestaunen: Nicht nur auf, sondern auch vor der Bühne waren die Mädels tonangebend und in der Überzahl. Immer noch ein seltenes Bild in Kölner Clubs. Der Grund dafür war relativ einsichtig: Zumindest auf ihrer Solo CD "11:11" bedient Maria Taylor (eine Hälfte von Azure Ray, Mitglied bei Now It's Overhead, Gast-Vokalistin bei Labelkollege Conor Oberst und Bright Eyes sowie Moby) vor allen Dingen die Musikfreunde (und besonders eben auch Freundinnen), die nicht unbedingt auf straighten Rock stehen. Auch wenn das Konzert dann doch einige Überraschungen bot, blieb das auch im Live-Ambiente ähnlich.
Als Support für den Support spielte Julia Noack aus Köln mit ihrer Band. Die "aufstrebende junge Künstlerin", wie sie sich selbst nannte, ist ganz dem klassischen Songwriting verpflichtet, wie man es von großen Vorbildern wie etwa Carole King oder Carly Simon / James Taylor her kennt. Das ist in Zeiten, wo immer alles auf den Punkt gebracht werden muss, ja eher ungewöhnlich. Deswegen überraschten Julias vielschichtig arrangierte, verspielte, vertrackte Kompositionen, die von der kompetenten Band ohne Probleme umgesetzt wurden, doch schon etwas. Dazu gab's eine markante Singstimme, wie sie hierzulande gewiss ihresgleichen sucht. International erinnerte Julias Organ in Bezug auf Intensität durchaus an Kolleginnen wie Aimee Mann oder Maria McKee. Wenn Julia jetzt noch ein wenig an den etwas plakativen Lyrics feilt und ihre Ansagen in den Begriff bekommt, dann könnte da durchaus etwas Größeres draus werden. Musikalisches Potential ist jedenfalls en masse vorhanden. Ob es unbedingt den deutschsprachigen Zwangs-Comedy-Titel "Politikverdrossenheit" gebraucht hätte (der musikalisch durchaus interessant erschien), darf diskutiert werden, denn das englischsprachige Metier liegt ihr eindeutig mehr. Vielleicht muss man sich manchmal eben doch entscheiden?

Entschieden hatte sich bereits Andrea Kellermann alias Firefox alias "die Ehefrau von Tiger Lou (Frontmann Rasmus Kellermann)" wie es im Info-Zettel vom Blue Shell hieß. Die energiegeladene ungefähr 1,50 m große Schwedin gefiel im Blue Shell mit ihrem einzigartigen Konzept "MP3-Player und Rhythmus-Gitarre" und jeder Menge erstklassiger Electro-Pop-Songs. Ohne erkennbare Ermüdungserscheinungen und mit vielen gutgelaunten "Thankyouuuus" durchsetzt, spielte Firefox einen potentiellen Hit nach dem anderen. Dazu gehörten solche von ihrer bereits erschienenen EP, neues Material, das auf ihrer kommenden CD zu finden sein wird und dazu eine Cover-Version von der befreundeten Band Acid. Das alles machte Spaß und überzeugte durch den mit positiven Energien durchsetzten No-Nonsense Approach, der weder Zeit zum Nachdenken, zum Atemholen oder für spieltechnischen Firlefanz ließ: Einen so straighten Act hat es schon lange nicht mehr gegeben.

Vielleicht lag es daran, dass Maria mit ihrer Band - zu der auch Bruder Macey und Schwester Kate gehörte - zwei Nächte ohne etwas zu tun in Amsterdam abgehangen hatte: Der Beginn der Show wirkte sympathisch unorganisiert. Zuerst verhedderte sich Maria auf der Suche nach ihrem Kapodastro in ihrer Handtasche und dann sorgte ein defektes Kabel für Verwirrungen. Musikalisch schlug sich das aber zum Glück nicht nieder. Wesentlich konkreter und greifbarer als auf der zum Ätherischen tendierenden Solo-Scheibe, pflügte Maria mit ihrer Band durch ein stilistisch bemerkenswert offenes und abwechslungsreiches Programm, bei dem sich bestenfalls erahnen ließ, welche Songs Maria da gerade in die Mangel nahm. Nicht nur, dass es stellenweise richtig laut und druckvoll wurde, auch was die Arrangements betraf schöpfte Maria aus dem Vollen. So zahlte sich z.B. der komplette Verzicht auf Elektronik ebenso aus wie die Tatsache, dass die meisten der Tracks auch in anderen Settings gegeben wurden als auf der CD. "Speak Easy" mutierte z.B. vom verspielten Swing zur showstoppenden Edel-Lounge Nummer, die Maria - nur von Macey und Kate begleitet - im Mittelteil spielte, um die lautstark brabbelnden Thekengäste zur Raison zu bringen. (Vergeblich, übrigens.) "Light House", auf der Scheibe ein verträumter Pop-Song, kam fast rockig rüber und "Birmingham 1982" blühte im reichhaltigen Band-Treatment förmlich auf. Dazu rundete Maria das Programm ab mit einem neuen, gerade einstudierten Stück, das sie selbst noch nicht richtig drauf hatte (wie sie meinte), sowie mit ausgewählten Cover-Versionen. Gleich zu Beginn gab sie z.B. Lucinda Williams' "Metal Firecracker" (von "Car Wheels") - genau wie die eigenen Songs kaum wiederzuerkennen - und am Ende solo als Zugabe Roberta Flacks "The First Time" - bei dem sie zwar ihre Schwester bat, dabei zu bleiben, um ihr beim Text zu helfen, das sie indes dann doch alleine hinbekam. Letztlich war dieser Auftritt ein Triumph - einfach deswegen, weil es hier mal jemand verstand, das Live Medium als etwas anderes aufzufassen, als die möglichst originalgetreue Reproduktion des Konservensounds. Maria Taylor entpuppte sich hier (ebenso wie ihre Band) als vielseitige, zupackende Allroundmusikerin mit einem sicheren Gespür für das jeweils gerade Richtige und war somit verdammt weit entfernt etwa von dem Bild der zerbrechlichen Songwriterin, das sich vielleicht aufgrund ihrer Azure Ray und Solo-Aktivitäten herausgebildet hatte. Insgesamt war das ein spannender, unterhaltsamer Konzertabend. Denn selten genug bekommt man drei dermaßen unterschiedliche Acts geboten, die dann - jeder auf seine Weise - in jeder Hinsicht überzeugen.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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