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"Ich glaub' es geht los!"

Goldrush
Dorian

Köln, Blue Shell
31.01.2006

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Goldrush
Dorian gehören heutzutage ja schon zum Urgestein der Kölner Szene. Seit ca. acht Jahren wühlt sich die unermüdliche Combo durch den Bodensatz der Live-Szene - hat aber niemals aufgegeben. Ein echtes Underground-Gewächs also, das sein Potential im Laufe der Zeit kontinuierlich auszunutzen verstand. Zwar ist Frontfrau Barbara immer noch keine große Sängerin, doch dieses Manko hat man erkannt und in immer poppiger werdende Gitarrensongs umzusetzen verstanden. Stücke wie das schleppende, artrockige "Sunshine In Your Heart" landen heutzutage auf den B-Seiten, während sie früher der Hauptbestandteil des Oeuvres waren. Dorian machen ihre Sache heute recht geschickt: Mit Smiths-Riffs antäuschen, eine Prise PJ Harvey hinterherschieben und dann doch irgendwo das eigene Ding herschieben, das ist nun das Motto. Das Ergebnis sind Stücke, wie die aktuelle Single "Impossible", die von stakkatoartigen Gitarrenattacken vorangetrieben und mit geschickten Dynamiksprüngen am Leben erhalten werden. Nur an der Bühnenpräsenz muss noch gearbeitet werden. Zum Beispiel indem man dem Gitarristen einmal beibringt, nicht in jede Ansage hineinzubrazen und diese somit unverständlich zu machen.
Goldrush sind schon ein wenig komplizierter als Dorian. Die Band kommt aus England - Oxford noch dazu -, macht aber eher amerikanisch geprägten Gitarrenpop (so eine Art Velvet Countryground). Die Jungs sehen dabei allesamt zehn Jahre jünger aus, als sie klingen - und dann auch wieder nicht; weil sie sich nämlich mit Bärten und Hippie-Frisuren dann wieder zehn Jahre älter machen. Das gehört aber sicher zum ganz speziellen Humor von Frontmann Robin Bennett und seinen Jungs. Und der drückt sich beispielsweise darin aus, dass die Herren reihum deutsche Slogans aus einer entsprechenden Broschüre vortrugen (z.B. "Ich glaub' es geht los!") und dem Publikum unbedingt ihre T-Shirts erklären und Tapes aufdrängen wollen. So erfuhr man z.B., dass "Ozona" - der Titel ihrer neuen CD - eine Stadt in Texas ist, in der es viele Tapes gibt, die man auch kaufen kann, auf denen sich dann aber die gespielten Stücke nicht befinden. Hm. Wenn sie dann auch mal Zeit finden, Stücke zu spielen, dann erweist sich das Quintett als fantastische Live-Band, die zu jeder Sekunde zu überzeugen weiß. Im Vergleich zu den dann etwas blasseren Versionen ihrer Studio-CD blühen die Live Treatments geradezu auf. Bestes Beispiel z.B. der treibende Opener der CD "Wait For The Wheels". Das Potential, das sich auf Konserve bestenfalls andeutete, wurde im Live-Kontext bis zum Exzess ausgelotet. Von drei Gitarren getrieben drifteten die Jungs in ihre eigene psychedelische Zwischenwelt und nahmen die Zuhörer gleich mit. Alle Beteiligten amüsierten sich offensichtlich köstlich und Robin sang dazu mit Inbrunst und jener eigenartig heiseren Stimme, die schon auf Tonträger beim Zuhörer virtuelle Phantom-Halsschmerzen auslöst.
Kleine Probleme, wie z.B. der Exitus der "E"-Seite auf der Akustikgitarre beim ersten Akkord wurden mit kleinen Scherzen beiseite geschoben (wann hat man z.B. zum letzten Mal das Wort "splendid" auf der Bühne gehört?). Angereichert wurde der ansonsten recht bodenständige Sound mit einigen wilden Keyboardkapriolen, recht ordentlichem Harmoniegesang und ein wenig Trompete. Ansonsten aber können Goldrush mit den Besten um die Wette schrammeln! Gleichermaßen übrigens bei Up-Tempo Pop-Nummern wie "Come On Come On", straighten Rockern wie "Vacations" oder auch balladesken Stücken wie "Feel". Ganz zum Schluss zeigten Goldrush dann noch mal, wessen Kind sie sind. Was zunächst noch als Gag begann, weitete sich dann zu einer grandiosen (und durchaus ernsthaften) Version von "See Me, Feel Me - Listening To You" aus, die mit den Schlussakkorden von "Green Tambourine" krönend zum Abschluss gebracht wurde. Eine Zugabe brauchte da wirklich keiner mehr. Fazit: Mit dieser Tour empfehlen sich Goldrush als exzellente, bodenständige und sympathische Live Combo aus einer Ecke, aus der man sie nicht unbedingt erwartet hätte.

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Surfempfehlung:
www.goldrush.mu
www.dorian-pop.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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