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Konzert-Bericht
 
Die Ruhe vor dem Sturm?

Elliott Murphy

Bonn, Harmonie
15.03.2006

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Elliott Murphy
Einen Tag vor seinem Geburtstag spielte Elliott Murphy mit seinem bewährten Gitarristen Olivier Durand ein vergleichsweise relaxtes Konzert in der Bonner Harmonie. Dass die Sache so relaxed war, lag unter anderem auch daran, dass nur eine überschaubare Schar von Elliott Fans den Weg hierher gefunden hatte. Diese kamen dann allerdings in den Genuss einer gelungenen Elliott-Show, die nur teilweise unter dem Motto "Blues" stand - obwohl es ja eigentlich die Tour zur "Murphy gets Muddy"-CD war, auf der Elliott den alten Recken Tribut zollte. Immerhin: Im Mittelteil des Sets gab es einen Block, in dem Elliott und Olivier ganz schön schwarz wurden.
Zunächst einmal erklärte Elliott, wie er überhaupt zum Blues gekommen sei: Er habe die Blues Brothers gefragt, ob er, als alter Rock'n'Roller, so etwas überhaupt dürfe. Da habe ihn Elmore Blues gefragt, wie oft er denn verheiratet gewesen sei. Drei mal, so habe Elliott eingestehen müssen. Dann, so Elmore Blues, könne Elliott auch ruhig den Blues spielen. Das Thema scheint Elliott übrigens besonders zu belasten: Auf die Frage nämlich, was denn aus dem angedachten Projekt geworden sei, einmal eine Duett-Scheibe mit einer Sängerin aufzunehmen, antwortete er vor dem Konzert schmunzelnd: "Ich habe in jeder Beziehung noch nicht die richtige Frau gefunden." Und dann setzte er noch eins drauf: "Was ist der Unterschied zwischen mir und B.B. King?", fragte er ins Publikum, "nein es ist nicht das Alter, sondern die Tatsache, dass B.B. sieben Mal verheiratet war." Langer Rede kurzer Sinn: Je öfter man also verheiratet ist, desto größer der Blues. Elliott spielte dann im Folgenden Robert Johnsons "Terraplane Blues" von 1937 - ein Stück über ein Auto und inhaltlich eigentlich so etwas wie der erste jemals aufgenommene Rock'n'Roll Song überhaupt - oder B.B.'s "The Thrill Is Gone". Und auch Muddy Waters erwies er die Ehre, weil er gerade dessen Biographie gelesen habe. Daneben spielte sich das Duo - wie stets - durch eine sorgsam ausgewählte Sammlung eigener Stücke aus alt und neu und auch ein Track des Elliott Freundes Bruce Springsteen fand den Weg ins Set. Er spielte eine interessant verschleppte Version von "I'm On Fire" - weil das der beste Weg sei, Brucens Songs aus dem System zu bekommen, wenn sie sich einmal festgesetzt haben.
Insgesamt machten Elliott und Olivier den Eindruck, als seien sie nunmehr auf einem Level angekommen, das sich kaum noch perfektionieren lässt. Blind teilen sie sich die Gitarrenparts - wobei Olivier naturgemäß mehr die Solo-Partituren übernimmt und auch mal am Rande der Bühne post. Insgesamt aber macht sich langsam auch Elliotts "Erziehung" bemerkbar. "Ich habe Olivier geholfen, ein besserer Gitarrist zu werden", hatte er uns nämlich einmal erzählt, "indem ich ihn auch mal mit anderen Stilen als Rock'n'Roll - wie z.B. Django Reinhardt - konfrontiert habe." In der Tat ist Olivier im Laufe der Jahre sehr viel vielseitiger geworden - was dem Vortrag im Allgemeinen zu Gute kommt. Dieses Mal hatte er z.B. eine Dobro Gitarre mitgebracht, die er als Slide-Gitarrist mit einem Bottleneck bearbeitete. Auch der Einsatz der Effektpedale kommt heutzutage sehr viel eleganter daher, als früher. Die größte Überraschung war dann allerdings, dass Olivier bei "I Want You" als Sänger in Erscheinung trat und einige Zeilen auf französisch vortrug. Elliott selbst verzichtete auf Gimmicks und leistete sich lediglich beim Intro von "You're Never Know What You're In For" ein einsames Mundharmonika-Solo. Abgerundet wurde das Programm dann durch bewährte Klassiker wie "Elvis Presley's Birthday". Warum auch nicht? Gehören solche Standards doch stets zu den Höhepunkten der Show. Auch noch hervorzuheben wäre der ausgezeichnete Sound in der Harmonie, der die Veranstaltung auch klangtechnisch zu einem Genuss werden ließ. Fazit: Elliott mag vielleicht schon spektakulärere Konzerte gegeben haben, jedoch war dieses sicherlich eines der angenehmsten, das auch vom Publikum dankbar aufgenommen wurde. Wollen wir hoffen, dass er sich nicht ganz von unseren Bühnen verabschiedet, denn anderswo in Europa - namentlich in Frankreich, Italien und Spanien - findet Elliott heutzutage einen größeren Zuspruch.

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Surfempfehlung:
www.elliottmurphy.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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