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Konzert-Bericht
 
Zwischen Elvis und den Engeln

Kieran Goss
Marc Schönberger

Köln, Kulturkirche
11.03.2006

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Kieran Goss
Bereits zum zweiten Mal gastierte Kieran Goss, der kleine Ire mit dem großen Herzen und der überschaubaren Frisur, in der Ehrenfelder Kulturkirche - dieses Mal mit dem aktuellen Album "Blue Sky Sunrise" im Gepäck, das bei seinem letzten Besuch an gleichem Ort noch in der Mache gewesen war. Vielleicht lag es daran, dass er selber der Meinung ist, dieser Veranstaltungsort sei ihm etwas zu förmlich - jedenfalls zeigte sich Kieran beim letzten Termin seiner von Gaesteliste.de präsentierten Tour besonders gut aufgelegt. Ergo machten die abenteuerlich unterhaltsamen Geschichten, mit denen er zwischen den Songs in ausgezeichnetem Deutsch unterhielt, jede Ehrfurcht vor dem ehrwürdigen Ort vergessen. Glücklicherweise hatte die Kirche soeben eine neue Heizung erhalten, so dass auch die draußen vorherrschende bittere Kälte, die an diesem Abend wieder einmal den Winter hinauszögerte ebenfalls nicht vom Vortrag ablenken konnte.
Als Support hatte Kieran eigens den in Köln ansässigen Songwriter Marc Schönberger eingeladen, der seine Stücke zusammen mit der hier ebenfalls nicht ganz unbekannten Amy Antin, die ihm die Texte auf den Leib schneidert, schreibt. Marc singt ernsthafte Lieder über Engel aller Art und sieht auch selber ein wenig so aus. Im Vergleich zu Kierans mit leichter Hand vorgetragene Mixtur aus stilistisch höchst unterschiedlichen Songs und ungezwungener Plaudereien wirkte der Vortrag des jungen Eleven dann doch ein wenig zu ernsthaft und spröde. Zumal auch sein Material ein wenig gleichförmig dahinplätscherte.
So etwas gibt es bei Kieran Goss natürlich nicht. Der Mann hat sein Publikum von der ersten Sekunde an im Griff und versteht es nicht nur, dieses dauernd in seine Bemühungen mit einzubeziehen, sondern es obendrein exzellent und intelligent zu unterhalten. Kieran könnte wohl auch als Stand-Up Comedian bestehen - jedenfalls machen seine Stories heutzutage wenigstens 50% des Reizes einer Goss-Show aus. In Anbetracht dessen, dass sein Publikum eine bemerkenswerte Bandbreite aufzuweisen hat, ist das schon eine ordentliche Leistung. Doch Kieran ist auch ein exzellenter Handwerker: Was er als Gitarrist und Sänger leistet, ist schon beachtlich. Von seinem technischen Fertigkeiten könnte sich manch ein Kollege durchaus eine Scheibe abschneiden. Aber: Kieran geht mit diesen Fähigkeiten nicht hausieren, sondern nutzt sie, einen bemerkenswert kontrollierten, druckvollen Vortrag darzubieten. Die Songauswahl des Konzertes beschränkte sich dann keineswegs nur auf das neue Material. Kieran griff vielmehr Stücke aus seinem ganzen Oeuvre auf und präsentierte so praktische eine Werksschau. Das ist deswegen geschickt, weil es ihm so möglich war - trotz des beschränkten Solo-Akustik-Settings -, ein buntes Potpourri höchst unterschiedlich gelagerter Songs aufzuführen.

Abgerundet wurde das Set schließlich mit einigen Cover-Versionen, z.B. dem sorgsam umgearbeiteten Motown Klassiker "I'll Be There", oder "Here Comes The Rain Again" von den Eurythmics, die Kieran nutzte, das Publikum als Background-Chor einzubinden oder aber einigen neuen Stücken, wie z.B. den mit Brendan Murphy von The 4 Of Us unter Alkoholeinfluss geschriebenen Song FÜR Elvis Presley. Und wie gesagt: Zwischendurch gab's immer wieder Stories, wie z.B. jene über den Entstehungsprozess der aktuellen Scheibe: Die Songs von "Blue Sky Sunrise" wurden nämlich von 50 betrunkenen Iren in der Kneipe des Chieftains Flötenspielers Matt Malloy, der ein Freund von Kieran ist, ausgewählt. Dass die lustigen Geschichten sich dabei mit den zuweilen gar nicht so lustigen Inhalten der Goss-Songs beißen, gehört zum Programm. Kieran liebt die Gegensätze aus leichter Unterhaltung und inhaltlichem Tiefgang - weswegen man seine Musik übrigens nicht leichtfertig als oberflächliche Mainstream-Musik abtun sollte (auch dann nicht, wenn es ihm damit gelingt, tatsächlich alle Bevölkerungsschichten anzusprechen). Goss selber formulierte es einmal sehr treffend, als er sich selbst positionierte: Er sei weniger radikal als Lambchop, aber deutlich kantiger als Chris De Burgh. Das trifft es eigentlich recht gut.

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Surfempfehlung:
www.kierangoss.com
www.marcschoenberger.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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