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Mother Cologne

Stars
The Most Serene Republic

Köln, Gebäude 9
12.04.2006

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Stars
Wie cool ist das denn? Kurz nach dem epochalen Auftritt der Wrens im Kölner Gebäude 9 gab's bereits das nächste "Konzert des Jahres" ebendort zu bestaunen. Und das aus einer Ecke, die nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre. Es gab 13 (!) Musiker, über zwei Stunden Musik, ein ausverkauftes Haus und jede Menge positive Vibes und gute Laune. Was mehr kann man von einem Konzert erwarten? Sowohl die Stars wie auch deren Labelkollegen The Most Serene Republic gehören zu jener neuen Generation kanadischer Bands, die sich in jeder Beziehung den üblichen Kriterien des Rock-Business entziehen. Wie ihre Kollegen von den New Pornographers, Arcade Fire, Metric oder natürlich Broken Social Scene (deren Amy Millan auch bei den Stars mitwirkt) sind dieses weniger Bands im herkömmlichen Sinne, sondern Konglomerate unterschiedlicher Individuen, die sich nicht nur zusammengefunden haben, um stilübergreifend mit vorhandenen Elementen alles anders zu machen, sondern die sich gegenseitig auch befruchten und sogar untereinander austauschen. Das mal vorangestellt, überraschte es nicht, dass die Zuhörer an diesem Abend kaum irgendeinen musikalischen Stil NICHT vorgespielt bekamen - und sei es auch nur in Ansätzen, Zitaten oder Querverweisen. Für beide Acts galt: Anything Goes.
The Most Serene Republic, das erste Septett des Abends, spielten Stücke ihrer Debüt-CD "Underwater Cinematographer". Das interessierte aber nur am Rande, denn was die sechs Herren und Gitarristin / Sängerin Emma Ditchburn spielten, war eigentlich Nebensache - es ging mehr ums "Wie". Mit totaler Hingabe und Körpereinsatz heizten die drei Gitarristen, das Gesangsduett Ditchburn / Adrian Jewett und ihre Sidekicks dem Publikum eine Stunde lang mit einer einzigen, großartigen, psychedelischen Rock'n'Roll-Operette ein, die wirklich alles bot, was sich musikalisch zwischen den 60ern und 80ern zugetragen hat. Müßig, das alles auseinanderklauben zu wollen und auch unnötig. Denn hier waren Menschen am Werk, die allesamt in ihrer Musik aufgingen. Sei es, dass Jewett vor lauter Begeisterung den Mikro-Ständer zerlegte (und dann verschämt fragte, ob Queen-Fans im Publikum seien), die komplexesten, wortreichsten zweistimmigen Poesie-Gebilde im musikalischen Chaos ihren Platz fanden oder die Mehrzahl der Musiker plötzlich unisono beschloss, dass gemeinsames Klatschen als Arrangement doch eigentlich ausreichend sei - bis dann Jewett mit seiner Posaune ausrastete: Hier hatte man als Zuschauer das Gefühl, bei der Geburt von etwas ganz großem dabei gewesen zu sein. Die von Kollegin Tina Manske in der Rezension zur CD noch bemängelte Nervosität und Hysterie schlug im Live Ambiente in aufbrausende, echte Begeisterung am eigenen Tun um - was sich nahtlos auf die Zuschauer übertrug. Die - in diesem Kontext - besonders ironisch titulierte Truppe ist live schlicht eine Offenbarung. Punkt.
Nach diesem Wahnsinns-Act geriet die Show der nach kurzer Umbaupause auftretenden Stars in die Gefahr, bloß noch nett werden zu können. Immerhin aber hatten die Kanadier hier Heimvorteil: "Hier sind die Leute immer so nett zu uns, dass Köln fast so etwas wie eine Mutter für uns ist", begrüßte Sänger Torquil Campbell das Publikum. Solcherlei Schmeichelei hilft für gewöhnlich ja - besonders, wenn das Haus voll ist. So auch hier. Der Umstand, dass die Stars hierzulande schon bekannter sind als ihre jüngeren Kollegen, half der Band dann auch über die leicht hakelige Einstiegsphase mit einer instrumentellen Einleitung und den ersten, noch leicht holprig dargebotenen Tracks hinweg. Im Vergleich zu TMSP sind die Stars mit ihrem Gitarrenpop-orientierten Songs etwas konventioneller aufgestellt. Was allerdings den Performance-Willen betraf, taten sich beide Acts nicht viel. Besonders Torquil und seine Gesangs-Partnerin in Crime, Gitarristin Amy Millan (die, wie gesagt, auch bei Broken Social Scene und demnächst solo agiert), legten jede Menge Nachdruck in die Performance. Und als dann langsam auch die seltsameren Tracks der Stars aufgerollt wurden - und davon gibt es auch ihren mittlerweile drei CDs so einige -, stellte sich endgültig eine ähnliche Begeisterung wie beim ersten Teil des Abends ein. Campbell holte seine Trompete hervor (und zeitweise spielte der Keyboarder Chris Seligman auch noch ein Blasinstrument) und spätestens ab dem psychedelischen Break bei "Death To Death" brachen dann alle Dämme. Es gab jetzt auch kein Halten mehr und es folgte praktisch Höhepunkt auf Höhepunkt. Campbell und Millan turnten dabei über die Bühne als gäbe es Preise zu gewinnen und teilten sich die Gesangsparts, wo immer das möglich war. Dazu gab es gutgelaunte Sprüche und immer wieder Lob ans Publikum. Lediglich der Versuch, einen Song Werner Herzog zu widmen, schlug fehl (vielleicht weil Campbell "Wöhna Hörsog" sagte?), so dass David Hasselhoff stattdessen herhalten musste. Als das Konzert dann - vor einem ausführlichen Zugabenteil mit "Calendar Girl" zu Ende ging, blieb kein Auge mehr trocken. "Leute, ihr mögt das vielleicht vergessen, aber das, was wir hier auf Tour erleben, ist unser Leben. Ihr seid unser Leben und dafür danken wir euch", richtete sich Torquil abschließend ans Publikum. Schöner kann ein gelungener Konzertabend wahrlich nicht ausklingen. Eines jedenfalls stand wieder mal fest: Die interessantesten Bands kommen momentan tatsächlich aus dem Land des aufgehenden Ahornsirup!

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Surfempfehlung:
www.arts-crafts.ca/stars/
de.wikipedia.org/wiki/Stars
www.arts-crafts.ca/themostserenerepublic/
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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