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Schneller, höher, weiter...

Bosse
Kira

Köln, Underground
05.08.2006

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Bosse
"Ich werde versuchen, meinen Stücken beim Live-Spielen so treu wie möglich zu bleiben", meinte Kira bei einem Gespräch zu ihrer neuen Scheibe "Goldfisch", die dieser Tage erscheint, "ich bin nämlich gar kein Anhänger von stark veränderten Live-Versionen. Schließlich geht man zu einem Konzert, weil man die Platte gut findet." Das hörte sich zunächst einmal so an, wie eine Anleitung zur Playback-Show - doch weit gefehlt: Auch ohne dass das kleingewachsene Energiebündel nun aus jedem Stück direkt eine Jam-Session machte, funktionierte Kira als Live-Act ziemlich gut.
Einerseits spielt Kira nämlich z.B. selber Gitarre und andererseits waren die Tracks dann doch keine 1:1 Kopien der Studioversionen. Das lag auch an Kiras Band, die aus ausgebufften Profis bestand, die sich einen Spaß daraus machten, die Tracks so fantasiereich wie möglich zu umspielen. Und bei einigen Stücken wich Kira dann auch von ihrer Maxime ab und forderte zum Beispiel das Publikum auf, mitzusingen - etwa "Allein sein ist gut" - die namensgebende "Goldfisch"-Maxime des neuen Albums. Obwohl das ein wenig irreführend war: Das Thema des Albums ist nämlich - anders als bei dem Debüt "Inauswendig" - nicht das Konzentrieren aufs "ich", sondern das Zugehen auf andere Menschen. Das tat Kira z.B. indem sie die Situationen, die ihren persönlich gefärbten Stücken zugrunde liegen, erklärte und so ein wenig die zuweilen recht verschlüsselten Texte ausleuchtete. Andere Kira-Tracks, wie z.B. das recht rockige "Nie zu Hause" bedürfen dann allerdings keiner Erklärung mehr. Hier ging es z.B. darum, Spaß zu haben und zu verbreiten. Im Prinzip gelang das bei allen Stücken, denn die Band ließ - wie gesagt - nichts anbrennen und besonders stimmlich wusste Kira zu überzeugen. Es ist nicht ganz einfach, mit einer Stimme wie der ihren, die eher warm und einschmeichelnd als laut und kräftig daherkommt, gegen eine Rockband in vollem Flug anzusingen - doch meisterte sie dieses mit Bravour. Besonders gelang dieses natürlich bei den Balladen, aber auch die rockigeren Stücke funktionierten ganz gut - wobei der energischere Live-Ansatz einigen Stücken, wie z.B. dem kompositorisch etwas flacher gehaltenen "Wenn du den Himmel nicht aufmachst" sogar ganz gut tat. Insgesamt überzeugte Kira bei diesem Konzert - trotz ihrer eigentlichen Bedenken - als unbeschwerter, lebendiger Live-Act.
Wer mit den Worten: "Kommt, lasst uns mal alle zusammen etwas singen" sein Konzert beginnen kann, der hat es wohl geschafft. So geschehen - mit dem zunächst solo angestimmten - "Niemand vermisst uns" beim Bosse-Konzert im Kölner Underground. Im Gegensatz zum letzten Gastspiel der Braunschweiger war der Club dieses Mal bis auf den letzten Platz gefüllt. Die neue CD, "Guten Morgen Spinner", hat da wohl genau den Nerv der Zeit getroffen. Wie nicht anders zu erwarten, setzten die Jungs auf Druck als Mittel der Wahl. Fast entschuldigend meinte Axel Bosse, dass es auf der neuen Scheibe ja nur zwei ruhigere Stücke gäbe (von denen er eines, das akustische "Seemannsblau" bei einem Kneipenbesuch verfasst habe). Nein, so richtige Balladiers sind die vier wirklich nicht. Selbst als bei "Frankfurt / Oder" - einem der Stücke, so Bosse, die er selbst sich auch in 20 Jahren werde anhören können - die Feuerzeuge angingen: Auch dieses eher zurückhaltend inszenierte Stück kippt irgendwann - schon gar im Live-Kontext - in ein Rock-Stück um. Und so meinte Bosse dann auch irgendwann, dass dieser Abend sicherlich zum allgemeinen Abschlacken beitragen werde - denn selbstredend trugen die Herren trotz hoher Luftfeuchtigkeit Schlips und Kragen und schwitzen sich so quasi durch ihr Set. Wenn es dann darum ging, das Haus zu rocken, so bot das Quartett aber auch Vollbedienung. Auch wenn Bosses Art heiser zu brüllen sicherlich nicht ganz gesund sein kann: Als bärbeißiger, inbrünstiger Frontmann macht er da schon was her. Und auch wenn es vergleichsweise wenig Variation gab, so überzeugte die Show als Gesamtkunstwerk dann doch. Wobei die etwas melodischeren Tracks vom Vorgängeralbum "Kamikazeherz" - wie z.B. "Kraft" - nicht nur beim Publikum noch einen Tick besser ankamen, sondern auch allgemein besser funktionierten als die neuen Tracks, die nahezu ganz auf Druck setzen. Ein Detail fiel noch ins Ohr: Während die Texte Bosses auf den Tonträgern zuweilen regelrecht gegen den Strich gebürstet erscheinen - was Versmaß und Rhythmus betreffen -, spielt das im Live-Ambiente keine große Rolle mehr. Hier muss sich alles den Gitarrenriffs und Akkordfolgen unterordnen. Das übertrug sich natürlich aufs Publikum - wobei nur die Leute in den hinteren Reihen dazu kamen, die Texte mitzusingen: Vorne und in der Mitte mussten sie um ihr Leben tanzen. Wenn es Bosse nun gelingt, in Zukunft die Crossover-Fraktion musikalisch MIT den Pop-Elementen und Melodien bei Stange zu halten, dann könnte da in Zukunft ein echt integrativer Act draus werden.

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Surfempfehlung:
www.bosse-rockt.de
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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