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Geradlinig

Cracker
Profession Reporter

Köln, Gebäude 9
16.11.2006

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Cracker
Die Fans von Cracker hatten ganz schön lange auf diesen Auftritt warten müssen - war doch die Tour zur aktuellen CD "Greenland" aufgrund von Krankheitsfällen verschoben worden. Auch der Auftritt in Köln wäre beinahe ins Wasser gefallen: Cracker-Drummer Frank Funaro war kurzfristig durch den "Ersatzdrummer" Nate Brown abgelöst worden - der indes sein Ding sehr gut machte. "Er gehört auch zur erweiterten Cracker-Familie", erklärte David Lowery, "und er hat auch mal auf Camper Van Beethoven-Alben mitgespielt, obwohl wir nicht mehr wissen, auf welchen." Solche Späßchen mal außer Acht lassend, boten Cracker an diesem Abend eine grundsolide Leistung, die sehr viel straighter und stromlinienförmiger dargeboten wurde, als noch die Shows zur "Forever"-Tour und insbesondere das etwas verspielte und zerfaserte "Greenland"-Album.
Wie man Rockmusik auch straight und stromlinienförmig darbieten kann, demonstrierten zu Beginn Profession Reporter aus Koblenz. Die Band mit dem umständlichen Namen weiß, wie man Rock-Riffs aneinanderreiht, Druck erzeugt und mit verschiedenen Gitarrensounds jongliert. Zuweilen spielten die Jungs mit drei Gitarren gleichzeitig und das eine oder andere Allman Brothers-würdige Duett rutschte dabei durchaus heraus. Leider wissen sie aber nicht so recht, was sie mit sich auf der Bühne anfangen sollen - und das, obwohl zumindest drei der fünf Musiker aussahen, wie direkt den Filmen "Almost Famous" oder "Dazed And Confused" entstiegen: Mit Hippie-Haaren, Koteletten, Fuchsschwanz am Gürtel und modischem 70s Outfit erweckten sie den Eindruck einer schieren Retro-Kapelle. Dem gegenüber stand dann der gar nicht mal so altmodische Sound und die ungelenke Bühnenpräsentation. Will meinen: Wenn sich die Jungs mal richtig sortiert haben, könnte da was Solides draus werden.

Sortieren müssen sich Cracker natürlich nicht mehr. Vielmehr präsentierte sich die Band als Blaupause einer gut organisierten, autonomen Rock-Kapelle, bei der jeder Handgriff sitzt. So stimmten die Herren ihre Instrumente selber und sorgten dafür, dass alles da saß, wo es hingehörte. Überhaupt war bis auf einen Laptop, von dem Lowery ein paar Background-Passagen abrief, keinerlei Schnickschnack zu beobachten. Gitarrist Johnny Hickman z.B. kam das ganze Konzert über mit einer Gitarre und einem Effekt-Pedal aus - obwohl er nun wirklich praktisch alles spielen kann, was man im Rock'n'Roll so machen kann. Mehr noch: Der Mann, der in seiner Gitarre ein Holzstück aus der Muddy Waters Geburts-Hütte eingearbeitet hat ("This chunk of wood taken from the birthplace of Muddy Waters" hat er in den Korpus geritzt), scheint selber gar kein Ego als Gitarrist zu haben. Ihm macht einfach alles Spaß: Seien es psychedelische Soli wie bei "Infirmary" oder lustiger Rockabilly im Stile von "Lonesome Johnny Blues" (das er auch selber sang): Immer steht Hickman seinen Mann und ist sich auch nicht zu schade, voll in die Neil Young-Kiste zu greifen - und das auch noch einzuräumen. Gitarristen wie diesen, die sich immer nur im Dienste der Sache sehen und dennoch Spaß an ihrem Tun haben (posen z.B. kann Hickman ganz gut), würden sich viele andere Rockkapellen wünschen. Komisch nur, dass jedes Mal, wenn Hickmann zu einem Solo ansetzte, der Lichttechniker selbiges ausschaltete und ihn im Dunkeln stehen ließ.

David Lowery sieht sich selber in einer ähnlichen Position - wenngleich nicht als Gitarrist, sondern als Songwriter. Lowery scheint sich - mit geschlossenen Augen und hochkonzentriert - geradezu in seinen Songs zu verlieren. Im Gegensatz dazu wirkte Keyboarder Kenny Margolis sogar geradezu gelangweilt. Bzw. lässig: Als er zum Akkordeon griff, ließ er dieses zuweilen einfach nach unten baumeln, bis ihm die Luft ausging. Dass Cracker im Laufe der Jahre einen gewaltigen Fundus von ausgezeichneten Songs angesammelt haben, ist ja mittlerweile bekannt. Und dass sich davon auf der letzten CD gar nicht mal so viele finden, wird im Vergleich zu den Klassikern von Früher nur allzu deutlich. Freilich ließen sich die Herren von diesem Umstand nicht ausbremsen, sondern machten das Beste daraus: Anstatt mit gestaffelten Keyboards, Akustikgitarren oder exotischen Instrumenten zu experimentieren - wie auch der Scheibe -, wurden die neuen Cuts schlicht als straighte Rockstücke gegeben - sowohl solche, die sowieso welche hätten sein können, wie z.B. "Never Coming Back" wie auch epischere Angelegenheiten, wie "Sidi Ifni", das hier einfach als ergreifende Ballade gegeben wurde. Aber natürlich waren es die alten Gassenhauer, etwa vom Kaliber eines "Euro Trash Girl" (hier mit Tex-Mex-Akkordeon), die letztlich das Salz in der Suppe ausmachten: Beginnend mit "Teen Angst" spielte sich die am Anfang noch relativ reserviert gebende Truppe regelrecht in Rage und spätestens bei "Low" blieb dann kein Auge mehr trocken (und keine Saite ungerissen). Auch wenn es letztlich gar nichts Neues zu vermelden gab und Cracker eigentlich auch gar nichts Besonderes machen: Konzerte wie dieses machen einfach Spaß und sie zeigen, dass man auch mit klassischer Rockmusik einiges reißen kann - sofern man diese so engagiert und schlüssig präsentiert wie Cracker.

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Surfempfehlung:
www.crackersoul.com
www.professionreporter.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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