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Konzert-Bericht
 
Auf der langen Straße

Stuart A. Staples
Laura Lopez Castro

Köln, Gebäude 9
21.11.2006

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Stuart A. Staples
Stuart A. Staples' Vorstellung vom "Spaß haben" beinhaltet gewiss nicht, sich vor Lachen auf die Schenkel zu klopfen. Eher schon, mit geschlossenen Augen und ohne viel Entertainment-mäßigen Firlefanz seine Songs vorzutragen. Wenn es danach ging - wie er selber gegen Ende des Konzertes meinte -, dann hatte der Tindersticks-Sänger bei seinem Vortrag im Kölner Gebäude 9 jedenfalls ziemlich viel Spaß.
Doch zunächst einmal gab es - dem Abend prinzipiell angemessenen - traurigen Samba von der spanischen Stuttgarterin Laura Lopez Castro. Die zierliche Sängerin trat mit ihrem Gitarristen Don Philippe auf und bot Liedgut, das sich thematisch wie stimmungsmäßig durchaus der allgemeinen Gemengelage verpflichtet fühlte. Hier wie da ging es um ähnliche Themen, wie z.B. die Einsamkeit ("Soledad") und dem Verlassen werden (Stuarts Leitthema seines neuen Albums) und so richtig lustig wurde es natürlich auch bei Laura nicht. "Normalerweise trete ich mit Band und Cello auf", erklärte sie ihr Programm, "aber auf dieser Tour mit Stuart spielen wir zu zweit und da versuche ich die Cello-Partie zu singen." Das gelang recht gut, auch wenn es dann am Ende wirklich nur leise, traurige Stücke wurden. Sagen wir es mal so: Dieser Vortrag machte neugierig auf eben die erwähnte Band-Besetzung mit Cello. Dem Publikum gefiel das Ganze.

Im Interview teilte Stuart uns mit, dass einer der Gründe, warum die Tindersticks sich als Band eine Auszeit nähmen sei der, dass man sich auf der Bühne im Laufe der Jahre ein wenig zu angenehm gefühlt habe. Diese Erkenntnis führte wohl dazu, dass bei einem Stuart A. Staples-Konzert ein wenig mehr passiert, ein wenig mehr gewagt wird, als bei einer Tindersticks-Show. Obwohl mit David Coulter und Neil Fraser gleich zwei Tindersticks-Kollegen mit auf der Bühne standen. (Die Vermutung, man möge sich nicht mehr, darf dann wohl ad acta gelegt werden.) Nachdem er das Konzert seltsamerweise mit dem Titel "Goodbye (For Old Friends)" von seiner aktuellen Scheibe "Leaving Songs" eingeläutet hatte, gab es dann gleich mit "Which Way" im Verhältnis ordentlich Zunder: Die Stuart A. Staples-Band rockte zwar nicht unbedingt im klassischen Sinne - sie swingte aber ziemlich fett. Das lag vor allen an Drummer Thomas Belhom, den man durchaus mal in Aktion erlebt haben sollte. Wie ein Derwisch lauerte er hinter seinem am Bühnenrand aufgebauten Drumkit und umspielte die Songs auf erfrischend jazzige und abwechslungsreiche Weise. Für den Druck sorgte eher Neil Fraser, der bei den Tindersticks seine Gitarre längst nicht so laut aufdreht. Dazu spielte Stuart akustische Rhythmusgitarre, rauchte einen Glimmstengel nach dem anderen und bewegte sich alleine bei dieser Show mehr als in der ganzen Tindersticks-Ära vorher. Dieses Prinzip wurde - obwohl es natürlich auch reichlich verträumte Balladen (wie der Meister sein Liedgut gerne selber sieht) gab - beim besten (und vielleicht einzigen wirklich ausformulierten) Song "Say Something Now" von seinem Solo Debüt "Lucky Dog Recordings 03-04" auf die Spitze getrieben. Die Band rockte - pardon "swingte" - sich die Seele aus dem Leib während mit einer Bassklarinette ein wenig von jenem Chaos erzeugt wurde, das früher bei den Tindersticks fester Bestandteil des Konzeptes war - und Belhom hatte sozusagen ein Fest dabei. Überhaupt war dann das ganze Material wesentlich stromlinienförmiger als auf Konserve und auch die eher skizzenhaften "Lucky Dog"-Stücke, bei denen es Stuart im Studio auch eher um die Definition eines Sounds gegangen war, gerieten hier zu vollwertigen Songs. Bestes Beispiel z.B. "Marseilles Sunshine", das alleine durch ein laut tickendes Metronom eine ganz andere, leicht bedrohliche, Dimension bekam. Zusätzlich angereichert wurde das Klangbild natürlich durch David Coulters Keyboards und des weiteren durch Melodica, Blockflöte, Taschentrompete und mehrere Glockenspiele.

Programm-mäßig beschränkte sich Stuart auf das Material seiner beiden Solo-Scheiben und einige neuer Songs ("16 Summers"). Die Tindersticks und Stücke der kommenden Konzept-Scheibe "Songs For The Young At Heart" (ein Projekt mit Kinderliedern aller Art und vielen Gästen) wurden außen vorgelassen. Zwei Dinge sollten unbedingt noch erwähnt werden: Das war lautstärkemäßig eines der ausgewogensten Konzerte der jüngeren Historie und - auch im Vergleich mit Tindersticks-Shows - ein ungemein kurzweiliges. Trotz zuweilen epischer Titel wie "This Road Is Long" (hier natürlich ohne Maria McKee). Als die Show gegen 0:00 Uhr zu Ende ging, war die Zeit jedenfalls wie im Flug vergangen.

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Surfempfehlung:
www.tindersticks.co.uk
www.lauralopezcastro.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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