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Konzert-Bericht
 
Schotten Rock

Julian Dawson
Christina Lux

Köln, Underground
20.03.2001
Julian Dawson
Julian Dawson ist schon ein Phänomen. Seit Jahren züchtet der Mann sich auf seinen Konzerten ein Stammpublikum heran, von dem man sich fragt, wo es denn bei gleich gearteten bzw. besseren Konzerten dieser Art wohl sein mag. Das hat wohl auch mit dem Umstand zu tun, daß er durch seine Verbindungen zu BAP andere Zielgruppen erreicht, als seine erfolgloseren Kollegen. So richtig voll war es im Underground natürlich auch nicht, aber es waren immer noch gut doppelt so viele Leute da, wie ansonsten bei solchen Events.
Eröffnen durfte Christina Lux - auch so eine Kölner Lokalgröße - die ihre Sache wirklich gut machte: Blues, Jazz, ein wenig Pop und noch weniger Folk dargeboten mit Inbrunst und glockenklarer Stimme. Das Problem von Christina sind ihre aufgesetzten, fürchterlich theatralischen Manierismen. Immerhin geht es ja doch vorwiegend um die Musik und nicht um die große Geste. Das wirkt eher lächerlich als nonchalant.
Julian betrat dann mit seinem Bruder Matt (an akustischem Baß, Gitarre und vor allem Pedal Steel) und in einem Schottenrock die Bühne. "Da muß ich jetzt ja wohl was zu meinem Schottenrock sagen", meinte er dann ganz richtig, "das ist so: Unser Vater stammt aus Kanada, ist also gewissermaßen ein ausgewanderter Schotte." So oder ähnlich ging es dann auch weiter im Thema. Dawson ist ein charmanter Plauderer, der seinen Vortrag mit allerlei Anekdoten aufzulockern weiß. "Das ist jetzt mein 25jähriges Bühnenjubiläum", erklärte er den Abend, "ich kann selbst kaum glauben, daß es mich noch gibt, nach dem, was ich alles getan habe." Was das war, ließ er z.T. im Dunkeln. Dafür gab es aber einen bunten Querschnitt durch das Julian'sche Schaffen. Im Prinzip bot er ein ähnliches Programm wie auf seiner aktuellen, selbst verlegten CD "Cologne Again Or" - was auch Sinn macht, denn das ist Julian Dawson live in Reinkultur. Wessen Geistes Kind er ist, verriet Julian hin und wieder mit Bezug auf sein Alter. "Ich bin an dem Tag geboren, an dem 'Blue Suede Shoes' aufgenommen wurde", beschrieb er diesen Zustand, "das nächste Stück habe ich für Elvis geschrieben. Leider war er da schon tot." Im Duett mit Christina bot er "You Send Me" von Sam Cooke. Das ist kennzeichnend für das Problem, was man mit Julian haben kann: Seine Vorlieben sind ein wenig zu liebenswert und harmlos. Da wünschte man sich manchmal ein wenig mehr Wagemut und Überraschungen im Songmaterial. So kommen denn auch die Tracks am besten an, bei denen er das Publikum zum Mitmachen animieren kann - meist poppige Sachen wie "Luckiest Man In The Western World", die so richtig schön zum Schunkeln animieren. Immerhin: Auf diese Weise schafft es Julian, aus der Nische der einsamen kargen Gitarrenzupfer ein wenig auszubrechen. A propos Publikum animieren: Julian ist einer der wenigen Songwriter, denen es gelingt, per Autorität die notwendige Aufmerksamkeit und Stille einzufordern. Was im Underground zu Köln, wo der Plapperfaktor bei akustischen Konzerten ja immer besonders unflätig hoch ist, dankbar aufgenommen wurde. Nach dieser Tour wird Julian wieder eine "richtige" Scheibe mit Band aufnehmen, die dann auch wieder auf Blue Rose erscheinen wird.
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Julian Dawson:
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