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Konzert-Bericht
 
Haltung und Wahnsinn

Haldern Pop Landpartie

Rees-Haldern, Landgasthof Tepferdt
16.05.2007

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Two Gallants
In dem legendärden Halderner Saal des Landgasthof Tepferdt, in dem laut Haldern Pop-Mitbegründer Stefan Reichmann seit Generationen "gestorben und geheiratet" wird, fand die traditionelle Einstimmung auf das im August stattfindende Haldern Pop-Festival statt. Das besondere daran: Neben der Pressekonferenz, bei der das Line-Up für das Festival bekannt gegeben wurde, fand dieses Mal auch noch gleich die erste Haldern Pop-Landpartie statt - mit vier Acts, die die Charakteristika des Festivals (laut Mit-Veranstalter Linne sind dies: Qualität, Mut zum Risiko, Meinungsführerschaft und Haltung) noch mal anschaulich deutlich machten.
Die Two Gallants aus San Francisco sind ebenso Haldern-Veteranen wie die Shout Out Louds aus Schweden - die obendrein gerade als Neuzugang für das Haldern Pop-Label verpflichtet werden konnten, was angesichts dessen, dass sie ja schon mal bei der Industrie waren, doch als ziemlicher Erfolg gewertet werden muss. Loney, Dear - ebenfalls aus Schweden - sind schließlich auch eine dieser typischen Haldern-Entdeckungen, von denen dann nachher wieder alle gewusst haben wollen, dass aus denen mal was werden würde und Patrick Watson steht für jenes Quäntchen Wahnsinn (oder eben Mut zum Risiko), der eben Haldern von anderen Bemühungen abgrenzt. Zur Sache: Um kurz vor 21 Uhr begannen die beiden Galane Adam Stephens und Tyson Vogel mit ihrem Akustik-Set. Das hatte Methode, denn es galt die Songs des kommenden Mini-Albums "The Scenery Of Farewell" vorzustellen - das nun mal ein reines Akustik-Werk geworden ist. Hier wie da fragt man sich als Zuhörer unwillkürlich: Was haben die nur? Denn von der ersten Sekunde an stürzten sich Stephens und Vogel mit einer schon fast unwirklichen Inbrunst ins Geschehen. Nach einigen Stücken, bei denen beide konzentriert und mit wenig Anteilnahme aus dem Publikum zu Werke gingen, wurde aber klar: Bei den Two Gallants geht es nicht um Finesse oder Cleverness, sondern nur um das Gefühl bzw. eben die Inbrunst. Es mag eloquentere Songwriter und virtuosere Instrumentalisten geben - kaum aber hingebungsvollere. Gegen Ende relativierte sich die Sache noch ein wenig, denn die hinzugekommene Cellistin Melissa nahm der Sache ein wenig die Intensität.
Loney, Dear verstehen sich im richtigen Leben wohl eher als Orchester denn als Band. Und so klang der raffiniert konstruierte, treibende, leichtfüßige und abwechslungsreiche Gitarrenpop, den Emil Svanängen und seine Truppe hier erstmals präsentieren, dann auch geradezu frappierend nach einer skandinavischen Variante von Belle & Sebastian. Und da diese in Haldern ja einen ihrer größten Live-Triumphe feierten, darf diese junge Band durchaus als veritable Neuentdeckung gewertet werden. Auch die Shout Out Louds sind ja durchaus Haldern-erfahren. Für diesen Auftritt reisten die Schweden eigens an - und auch gleich wieder zurück. Der Anlass war das kommende Album "Our Ill Wills", das ja, wie gesagt, bei Haldern Pop erscheinen wird. Hier setzen die Shout Out Louds das fort, was sie mit ihrem Debüt begonnen haben und seither auf jedem Live-Konzert in Perfektion vorführen: Glasklaren, lebensbejahenden Gitarrenpop mit kleinen, aber feinen Akzenten von Keyboard, Ziehharmonika und Glockenspiel. Immer wieder beeindruckend dabei ist die Intensität, mit der sich das Quintett ins Geschehen stürzt - gerade so, als sei der jeweils nächste Song der letzte, den sie jemals spielen würden. Da nimmt man dann als Zuhörer gerne in Kauf, dass sich die einzelnen Tracks dabei zuweilen doch sehr ähneln. Das kann man von den Elaboraten des Patrick Watson nicht gerade behaupten. Die Haldern-Macher entdeckten den unscheinbaren Käppi- und Vollbartträger auf dem "M For Montreal"-Festival und waren so begeistert, dass sie ihn für dieses Europa-Debüt gleich einführten. Es ist schwer zu beschreiben, was der Kanadier eigentlich macht. Unterstützt von einer technisch sehr versierten Band, die augenscheinlich genau wusste, was der Mann am Piano als nächstes machen würde (und das wusste er scheinbar selber nicht so genau), gab es ein sehr imposantes - nun ja: Ereignis. Zwischen sachten, klassischen Piano-Läufen, verstiegenem Pop, Art-Rock und schierem Krach wütete Watson grölend und jaulend ohne Hemmungen in der Musikhistorie und offenbarte dabei die düsteren Abgründe seiner rabenschwarzen Seele ebenso wie die heitere Gelassenheit eines Stand-Up-Comedians. Das war zwar sehr zerrissen, aber auch ungemein unterhaltsam.

Ein wenig so, wie das Haldern-Programm auch. In diesem Sinne war dieses - sehr uneinheitliche, aber durchweg originelle und kurzweilige Programm - eine perfekte musikalische Visitenkarte für das Festival im August, wo es wohl auch ein Wiedersehen mit den Künstlern geben wird. Lassen wir uns also - gerne und immer wieder - überraschen.

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Surfempfehlung:
www.haldern-pop.de
www.twogallants.com
www.shoutoutlouds.com
www.loneydear.com
www.patrickwatson.net
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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