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Konzert-Bericht
 
Überraschungspaket

Russel Simmins
Montana Chromeboy

Köln, Underground
22.03.2001
Montana Chromeboy
Das war schon was Besonderes: Die Bühne war vollgepackt mit zwei Schlagzeugsets, vielen Ständern mit Keyboards und seltsamen Kästen drauf und jeder Menge Zeugs zum Krachmachen. Wie würde das wohl ausgehen? Zunächst mal kletterten dann zwei unscheinbare Typen auf die Bühne und hauten mittels beinhartem Funk eine überraschende Schneise ins Publikum. Montana Chromeboy, die mit ihrer überraschenden Mischung aus Versatzstücken schwarzer Musik, echten Memphis-Horns, vollelektronischer, virtueller Rhythmusgruppe und Vocoder in eine nicht existierende Nische der Popwelt eingedrungen sind, überzeugten recht ordentlich. Nicht nur das Songmaterial war solide, sondern auch der wagemutige Vortrag (Gittare, Korg Synthie, Mini-Disk-Recorder und Gesang/Vocoder) machten Spaß und machten neugierig auf das, was da noch kommen könnte. Ach ja: Die Jungs kommen aus deutschen Landen. Später in diesem Medium gibt's mehr davon.
Russel Simmins
Russell Simins ist der Mann am Schlagzeug der Jon Spencer Blues Explosion. Er war mit großer Truppe angereist (u.a. mit zweitem Schlagzeuger) und hielt die arme Promotion-Tante und die schlicht überforderte Catering-Crew des Undergrounds ganz schön auf Trab. An der Speisetafel schlicht cool bis zum Umfallen, rastete die Rasselbande auf der Bühne vollends aus. Selten sah man so eine unverantwortlich überzeugende Rock'n'Roll-Show auf den ehrwürdigen Brettern des Underground. Da gab es wirklich alles, was das Herz begehrt: Pop, Rock, Soul, Funk, Hip-Hop, Punk, Cross-Over und alles, was sich nicht wehrte, wurde voller Begeisterung in einen Topf geschmissen und bis zum Überkochen gebracht. Klar, daß man halb wahnsinnig sein muß, um so was durchzuziehen. Russell wechselte zwischen Schlagzeug und Gitarre und brüllte das Publikum an, doch näherzukommen (Dabei sah er allerdings aus, als wolle er den erstbesten, der dies wagte, auffressen.).
Russel Simmins
Den Mittelpunkt des Geschehens bildete freilich eine im positiven Sinne geile Schlampe, die Russell charmant als "crazy Amanda" vorstellte. Mit ihrem wilden Tambouringewirbel, den ekstatischen Gesangseinlagen, abruptem Querflötenspiel und einer gehörigen Portion Attitüde repräsentierte sie den Prototypen der altmodischen Rock-Animatrice. Das kam aber gar nicht aufgesetzt, sondern eher selbstverständlich rüber, was die Angelegenheit zu einem Riesenspaß für alle Anwesenden werden ließ. Das waren übrigens nicht besonders viele, was wieder einmal beweist, daß auch Qualität und Einfallsreichtum gegen die Lethargie des Publikums keine Chance haben. Auch nicht dann, wenn man Roadies ans Schlagzeug setzt und sich - wie Russell - zu Fun-Punk-Gedröhn und -Gekreische nach bester Who-Manier in die Gerätschaften schmeißt. Immerhin: Das war die beste und unterhaltsamste Rock-Show seit Jahren. Punkt.
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-

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