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Konzert-Bericht
 
Mord und Totschlag und Rock'n'Roll

The Donnas
Sahara Hotnights

Köln, Underground/ Hamburg, Logo
05.05.2001/ 07.05.2001

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Sahara Hotnights
"Das nächste Stück ist für das Arschloch, das mir auf's Bein gespuckt hat", meinte Donna Brett anläßlich der Zugabe, "wenn Du das nächste Mal jemanden anspucken willst, dann such Dir 'ne Nutte, okay?" Soviel nur zum Thema "Rock'n'Roll ist tot". Aber der Reihe nach. Die Sahara Hotnights sind vier Mädels aus Schweden, die zusammen etwa 20 Jahre alt sind, aber vor sich hin musizieren, als hätten sie die Rockmusik erfunden. Mit jeder Menge überschüssiger Energie hauen sie einen Power-Hit nach dem anderen heraus, daß es eine reine Freude ist. Und das ist gut so, denn weder die Mädels selbst, noch das Publikum können zu dieser Zeit in der Disco rumhängen. Und geübt haben die Damen obendrein. Technisch können sich die Sahara Hotnights durchaus hören lassen.
Bei den Donnas geht es dann mehr um's Prinzip als um filigrane Details. Den einen Song, den sie draufhaben, hauen sie dem tobendem Mob so lange mit gnadenloser Konsequenz um die Ohren bis auch wirklich jeder begriffen hat, worum es geht. Im Gegensatz zu ihren Vorzimmerdamen ersetzen bei den Donnas die Attitüde und die Pose das handwerkliche Können. Es mag sein, daß etwa eine zweite Gitarre hier hülfe. Obwohl Donna Tori sicherlich die beste Technikerin des Quartetts ist, klingt der Sound der Band trotz aller Power doch eher dünn. "Warum geht Michael Jackson zum K-Mart", erzählte Bassistin Donna Maya einen Witz. "Ich weiß nicht, warum geht er zum K-Mart?" frug Brett zurück. "Weil er gehört hat, daß es da eine Kinderabteilung gibt." Soviel zum Thema Entertainment. Ansonsten gab's jede Menge rebellischer Teenager-Sprüche und coole Posen - selten hat man bei einem dergestalten Damenabend so viele ausgestreckte Finger gesehen. Was ein wenig witzig ist, denn privat sind die Mädels eher umgänglich und nett und ihre größten Sorgen sind, nicht als Musikantinnen ernstgenommen zu werden bzw. etwa als langweilig zu gelten. Letzteres ist dann auch weniger das Problem. Wenn's nach dem wogenden, headbangenden und Pogo-hüpfenden Publikum ging, war dies ohnehin die Rock'n'Roll-Show des Jahres. Alle modernen Konzertbesucher-Attribute von "ordentlich abfeiern" bis "cool rumhotten" wurden expressiv ausgelebt. "Nur zu, bringt euch ruhig gegenseitig um", animierte Brett das Getobe, "das ist uns einerlei." Den musikalischen Schöngeist einmal außer Acht lassend war dies denn auch tatsächlich ein kurzweiliger, unterhaltsamer Tanztee mit Ringelpietz. Und: Zeit für die Disco blieb nachher auch noch.

...auf nach Hamburg...

Donnas
Endlich hatten auch wir Kerle mal was zu schauen. Ist es sonst lediglich den weiblichen Besuchern vergönnt, die Brust von Gavin Rosdale oder den Hintern von Eddie Vedder zu begaffen, boten die heutigen Protagonistinnen neben geiler Musik auch noch einen optischen Leckerbissen. Und ehe ich als Sexist oder Spanner beschimpft werde, eben diese Musik stand im Mittelpunkt. Wenn sicher auch nicht für alle der vielleicht 300 Besucher... Aber es ist (leider) immer noch eine Besonderheit, wenn sich den ganzen Abend nicht ein Kerl auf die Bühne findet.

Auch die Sahara Hotnights aus Schweden sind nämlich ein rein weibliches Quartett, dass poppigen Punkrock mit Social Distortion verbindet. Die knappe halbe Stunde war eindeutig zu kurz, denn die machte einfach Spaß. Abwechslungsreich, interessant, klasse. Geredet wurde nicht viel, dafür die Zeit voll ausgenutzt. One, two, three four, nächster Song! Altpunks, Anzugträger, Kiddies, Normalos und waschechte Rock'n'Roller versammelten sich nach und nach vor der Bühne und feierten die vier Mädels (alle um die 20) verdienter Maßen ab. Mehr Infos auf www.saharahotnights.com

Nach Frankie Goes To Hollywood-Pausen-Beschallung kam die Band, auf die alle (inklusive Ober-Arzt Bela B. und Tocotronic-Bassist Arne Zank) gewartet haben. Eine gute Stunde spielten Donna A., C., F. und R. ihren kräftigen Rock-Punk. Wie sagte ein selig lächelnder (die Sahara-Hotnights-Bassistin lief kurz davor an ihm vorbei...) Typ neben mir: Neuere Ramones ohne Melodien und mit Frau am Mikro. Klar, der Großteil des Sets stammte vom jüngsten Meisterwerk "Turn 21" ("Are You Gonna Move It For Me", "40 Boys In 40 Nights", "Living After Midnight"), aber auch ältere, den meisten Leuten unbekannte Stücke wurden zum Besten gegeben. Leider fehlte "Gimme My Radio". Aber Schwamm drüber, es war auch so ein schöner Abend. Auf der Bühne wurde jetzt etwas mehr (wenn auch nicht gerade viel) gesprochen, und die Zuschauer kamen immer mehr in Bewegung. Neben Party und Pogo wurde mit so einigen Nietenarmbändern gewedelt, mit Tatoos geprahlt und den Donnas schöne Augen gemacht. Weiter hinten fand sich der wippende und trinkende Rest. Punkrock eben.

Fazit: Zwei geile Bands! Die Gewinner des Abends waren mit knappen Vorsprung die ersten vier Damen. Aber nicht, weil sie besser aussahen...

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Text: -Ullrich Maurer (Köln) / Mathias Frank (Hamburg)-
Fotos: -Ullrich Maurer-

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